c't 2/2020
S. 124
Wissen
Roboterkraft
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Bild: Thorsten Hübner

Zusatzmuskeln zum Umschnallen

Exoskelette beugen körperlicher Überlastung vor

Ein Exoskelett unterstützt bei schweren Arbeiten oder Tätigkeiten in Zwangspositionen und beugt in der Industrie Muskel-Skelett-Erkrankungen vor. Die Technik kann auch das Privatleben erleichtern.

In Logistik und Industrie sieht man immer häufiger Werker, die Stützstrukturen am Körper tragen. Ein Exoskelett entlastet das Muskel-Skelett-System und kann einzelne Bewegungen auch kraftvoll unterstützen. Seit 2018 tragen zum Beispiel VW-Monteure am Standort Bratislava biomechanische Systeme von Otto Bock. Das System Paexo Shoulder kombiniert leichte Stützstrukturen mit Seilzügen und Federkraft. Es fängt Belastungen des Nacken-Schulter-Bereichs ab und hebt mit Federkraft die Oberarme bei dauerhaften Überkopfarbeiten an. Eine solche Hilfe wünscht sich wahrscheinlich auch so mancher Heimwerker, doch Exoskelette für den privaten Einsatz sind noch selten.

Gerade bei Arbeiten in ergonomisch ungünstiger Haltung liefert das Exoskelett Cray X aktiv Kraft. Sensordaten offenbaren auch, wann die Arbeiterin müde wird. Bild: German Bionic

Stattdessen geht die Entwicklung im industriellen Bereich rasant weiter: Der nächste Schritt sind aktive Systeme, die mit Motorkraft unterstützen. Beim Reifenwechsel in der BMW-Niederlassung Darmstadt tragen Mechatroniker seit November Kraftanzüge von German Bionic. Deren System Cray X unterstützt den unteren Rücken, indem es beim Heben aus ergonomisch ungünstigen Positionen bis zu 25 Kilogramm Gewicht mit Servomotoren abfängt. Eine ebensolche Entlastung erleben seit dem Herbst Lagerarbeiter von Ikea am Standort Dortmund, wenn sie schwere Pakete anheben oder gar vom Grund einer Gitterkiste aufnehmen müssen.

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