c't 7/2020
S. 60
Titel
CPU-Roundup: Desktop-Prozessoren

CPU-­Wegweiser 2020

Desktop-Prozessoren vom Dual-Core bis zum superschnellen 64-Kerner

Prozessoren sind das Herz des Computers, vereinen immer mehr Funktionen und werden immer leistungsfähiger. Wir geben Ihnen ­Orientierungshilfe, was die Prozessorbezeichnungen bedeuten und wie Sie die optimale CPU finden.

Von Christian Hirsch

Bei der Prozessorentwicklung geht es weiterhin Schlag auf Schlag. Mit der dritten Generation der Ryzen-Prozessoren hat AMD in den letzten Monaten die Kernanzahl erneut verdoppelt: Für Allround-PCs gibt es nun bis zu 16 Kerne, in High-End-Systemen und Workstations arbeiten bis zu 64 Kerne. Doch welcher Prozessor mit wie vielen CPU-Kernen ist für Sie der richtige?

Diese und andere Fragen beantwortet unser Ratgeber auf den folgenden Seiten. Wir geben unter anderem einen Überblick über die Performance, Effizienz und das Preis/Leistungs-Verhältnis von Desktop-Prozessoren der letzten acht Jahre, anhand derer Sie beispielweise Schnäppchen von lahmen Billig-Chips unterscheiden können. Unsere Messwerte von über 50 Prozessoren verschiedener Generationen und Leistungsklassen helfen Ihnen auch bei der Entscheidung, ob sich eine Neuanschaffung lohnt oder nicht.

Tipps zur Auswahl von Mobilprozessoren, die nicht nur in Notebooks, sondern auch in stationären Mini-PCs eingelötet und besonders sparsam sind, finden Sie auf Seite 66. Wenn Sie sich unsicher sind, welche Anforderungen die von Ihnen ­genutzten Anwendungen und 3D-Spiele stellen, finden Sie auf Seite 68 und 72 dazu viele Hinweise. Dort haben wir untersucht, wie viele CPU-Kerne moderne Software überhaupt ausschöpft.

Aktuelle Prozessorplattformen für Desktop-PCs
Plattform / Fassung Prozessoren CPU-Kerne RAM: Kanäle / max. Kapazität Chipsätze
Desktop-PC
AM4 (AMD) Ryzen 1000, 2000(G), 3000(G), Athlon G(E) 2 bis 16 2 / 128 GByte A320, B350, X370, B450, X470, B550A, X570
LGA1151v2 (Intel) Celeron G4900, Pentium G5400, Core i-8000, i-9000 2 bis 8 2 / 128 GByte H310, B360, B365, H370, Q370, Z370, Z390
High-End / Workstation
TR4 (AMD) Ryzen Threadripper 1000, 2000 8 bis 32 4 / 256 GByte X399
TRX40 (AMD) Ryzen Threadripper 3000 24 bis 64 4 / 256 GByte TRX40
LGA2066 (Intel) Core i-7000X, i-9000X, i9-10900X, Xeon W-2200 6 bis 18 4 / 256 GByte X299, C422
LGA3647 (Intel) Xeon W-3100, W-3200 8 bis 28 6 / 2 TByte C621, C622

AMD schlägt Intel

Derzeit bieten die beiden Chiphersteller AMD und Intel allein für die beiden aktuellen Mainstream-Plattformen AM4 für Ryzen und LGA1151v2 für Core i-8000/9000 zusammen über 150 Prozessoren an. Hinzu kommen noch die High-End-Plattformen TR4 und TRX40 für Ryzen Threadripper und die Intel-Pendants LGA2066 für Core X und LGA3467 für Xeon W. Damit decken die CPU-Hersteller eine riesige Bandbreite ab, sowohl was Leistung als auch was den Preis betrifft. Die Spanne reicht dabei von knapp über 40 Euro für den ­sparsamen Dual-Core Celeron G4930 bis zu 8500 Euro für den 28-Kerner Xeon W-3275M, der in High-End-Work­stations und im Apple Mac Pro sitzt. In der Tabelle auf dieser Seite haben wir deshalb die ­aktuellen Plattformen mit den zugehörigen Prozessorserien aufgelistet.

Doch welcher Prozessor ist denn nun der richtige? Für gängige Einsatzzwecke lässt sich diese Frage leicht beantworten: Wer einen neuen Allround- oder Gaming-PC anschaffen will, sollte einen Prozessor mit mindestens sechs Kernen auswählen. Derzeit hat AMD in diesem Segment mit den Ryzen-Prozessoren die Nase vorn, denn sie bieten das bessere Preis/Leistungs-Verhältnis als Intels Core-i-CPUs. Aktuell ist die dritte Ryzen-Generation „Matisse“, die im Sommer 2019 vorgestellt wurde. Die Ryzen 3000 takten dank 7-Nanometer-Fertigungsprozess höher als die Vorgänger und benötigen unter Last weniger Energie. Unter anderem durch das neue Chiplet-Design konnte AMD die maximale Kernanzahl im Vergleich zu den Vorgängern Ryzen 1000 und 2000 von 8 auf 16 verdoppeln.

Neue Zen-2-Rechenwerke steigern zudem die Rechenleistung pro Taktzyklus um 15 Prozent und verdoppeln die Gleitkommaleistung bei hochoptimiertem AVX2-Code. Ryzen 5, 7 und 9 stellen per Simultaneous Multithreading (SMT) dem Betriebssystem und Anwendungen doppelt so viele logische wie physische Kerne zur Verfügung. Das bringt bei Multithreading-Anwendungen mehr Performance und lastet die Recheneinheiten besser aus.

Die Ryzen 3000 laufen auch in älteren Boards mit Serie-300- und Serie-400-Chipsatz, sofern das notwendige BIOS-Update eingespielt wurde.

High-End-Prozessoren wie Ryzen Threadripper und Core X (v. r. n. l.) erfordern größere CPU-Fassungen als Ryzen und Core i, weil außer der größeren Chipfläche auch mehr Kontakte für Speicherkanäle und PCI Express untergebracht werden müssen.

Schnäppchentipps

Aus Preis/Leistungs-Sicht sind die Einstiegmodelle einer Serie immer am attraktivsten, also beispielsweise der Ryzen 5 3600 als günstigster Sechs- und der Ryzen 7 3700X als günstigster Achtkerner. Schneller taktende Varianten kosten überdurchschnittlich mehr. Die Topmodelle Ryzen 9 3900X und 3950X mit 12 und 16 Kernen liefern eine Rechenleistung, die noch vor weniger als einem Jahr den High-End-Plattformen wie Ryzen Threadripper und Core X vorbehalten waren.

Wer Geld sparen will und auf etwas Performance verzichten kann, kann auch zu günstigeren CPUs der Vorgängergenerationen greifen, wie dem Ryzen 5 1600 [12 nm] (siehe S. 82) oder Ryzen 5 2600 für 100 beziehungsweise 120 Euro. Achten Sie beim Prozessorkauf immer darauf, egal ob AMD- oder Intel-Prozessor, die sogenannte Boxed-Variante auszuwählen, denn nur bei dieser gewähren die Hersteller 3 Jahre Garantie.

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