c't 8/2020
S. 14
Titel
Smart Home: Marktübersicht
Bild: Andreas Martini

Smart Home nach Maß

Der c’t-Guide durch den Smart-Home-Dschungel

Mehr Sicherheit, mehr Komfort, mehr Effizienz – mit diesem Dreiklang lässt sich das Smart-Home-Versprechen zusammen­fassen. Um es einzulösen, sollte man vor ­Beginn eines Neubau- oder Nachrüst­projektes die eigenen Bedürfnisse und die technischen Möglichkeiten abklopfen.

Von Ingo Fischer, Sven Hansen und Nico Jurran

Smarte Haustechnik ist heutzutage für jeden zu haben: Bei Neubauten braucht man keine kilometerlangen Kabelführungen mehr, um ein Haus schlau zu machen. Für Mieter und Käufer gebrauchter Wohnungen und Häuser ist die smarte Technik wiederum dank zahlreicher Nachrüstlösungen interessant, die sich beim Umzug rückstandslos entfernen und ins nächste Domizil mitnehmen lassen. 

Doch damit das Smart Home so läuft, wie man es sich vorstellt, ist bei der Planung und bei der Umsetzung Maßarbeit gefragt – denn einen „One-Size-Fits-All-Ansatz“ gibt es nicht. Dieser Artikel beschäftigt sich daher damit, wie man den persönlichen Bedarf ermittelt und mit welchen Techniken, Produkten und Standards sich die individuellen Projekte realisieren lassen.

Qual der Wahl

Tatsächlich gibt inzwischen kaum einen Bereich des häuslichen Lebens, der nicht „versmartet“ wäre. Zu den Standard­anwendungen wie Licht und Heizungssteuerung gesellen sich Komponenten zur Überwachung der Luftqualität, smarte Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Kühlschränke oder Waschmaschinen und zunehmend auch Gerätschaften, die dichter am menschlichen Körper liegen – darunter Schlafmatten und vernetzte Waagen, die sich mit ins Smart Home einbinden lassen. Selbst die smarte Toilette gibt es schon.

Auch die Unterhaltungselektronik lässt sich integrieren: Vernetzte Musik­systeme, AV-Verstärker oder Soundbars sorgen für den nötigen Klangteppich zum Wohlfühlen oder spielen auch mal fieses Hundegebell, wenn während des Urlaubs jemand ums Haus schleicht.

Projektstart

„Wohnst du schon, oder baust du noch?“ – so könnte die erste Frage lauten. Immerhin sind in einer Neubau- oder Sanierungsphase Smart-Home-Projekte besonders frei planbar: Die Wände sind noch nicht zugestellt, Schalter kann man beliebig setzen und smarte Technik lässt sich besonders unauffällig integrieren.

Am Anfang sollte man sich aber klar darüber werden, was man letztlich mit der Smart-Home-Installation erreichen möchte. Dabei muss es nicht immer das Komplettpaket sein, das alle Aspekte des ­Lebens erfasst.

Manch einem geht es beispielsweise nur um höhere Effizienz. Angesichts der teils recht hohen Investitionskosten muss man dann aber schon mit spitzem Bleistift rechnen, um mit smarter Technik wirklich Geld zu sparen. Das ist meist nur dort möglich, wo man laufende Kosten drosseln kann, etwa bei der Heizung.

Leichter fällt die Entscheidung, wenn es vorrangig um den Komfortgewinn geht: Wer Gefallen an der Sprachsteuerung vom Sofa aus findet und sich gerne mit wechselnden Lichtstimmungen durch wohltemperierte Räumen bewegt, wird die Investitionen in smarte Technik nicht bereuen.

Der Bereich Sicherheit wiederum spielt spätestens bei Neubauprojekten eine größere Rolle, denn mit dem Bau des neuen Familiendomizils geht oftmals auch ein gesteigertes Schutzbedürfnis einher. In erster Linie greifen hier bauliche Maßnahmen, die sich durch smarte Technik sinnvoll ergänzen lassen. So kann man zum Beispiel von vornherein Fenstersysteme einsetzen, in denen Sensoren bereits ab Werk unsichtbar eingebaut sind. 

Voll verkabelt

Voraussetzung für ein funktionierendes Smart Home ist die reibungslose Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten. In Neubauten kommen daher oft kabelgebundene Lösungen zum Einsatz, die eine hohe Ausfallsicherheit versprechen – allen voran Bussysteme.

Hier verlegt man zu Schaltern und Sensoren dünne Signalkabel – die 230-Volt-Kabel führt man nur zu Lampen, Steckdosen und anderen Verbrauchern. Alle Kabel laufen dann an einer Stelle zusammen, oft in der Hausverteilung im Keller. Die Entscheidung, welcher Schalter am Ende welchen Verbraucher ein- und ausschaltet, lässt sich bei einer solchen Sternverkabelung zentral regeln und jederzeit flexibel anpassen. Das bekannteste Bussystem ist KNX, doch mittlerweile gibt es einige interessante Alternativen – allen voran Loxone und eQ-3 mit Homematic IP Wired.

Kommt im Neubau ein vernetztes Bussystem zum Einsatz, laufen ­Steuer- und Stromleitungen an einem Punkt in der Verteilung zusammen. Der „Sicherungskasten“ schaut dann etwas größer aus.

Gemeinsam ist diesen Lösungen oft, dass die Installation von einem Elektriker mit Kenntnis des konkreten Bussystems durchgeführt oder zumindest abgenommen werden muss. Meist ist sie so komplex, dass auch für etwaige Änderungen ein Fachbetrieb kommen muss. Wer plant, immer mal wieder an seinem Smart Home zu basteln, sollte daher über das nötige Kleingeld verfügen oder bereit sein, sich tief in die Materie einzuarbeiten. Wie solch ein Smart-Home-Großprojekt mit einem Bussystem in der Praxis aussehen kann, zeigt unsere Reportage auf Seite 28. Da selbst bei bester Planung nicht ausgeschlossen werden kann, dass ausgerechnet an der hintersten Ecke ein Kabel fehlt, sind alle Bussysteme inzwischen mit Funkkomponenten erweiterbar. 

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