c't 13/2021
S. 98
Test & Beratung
Mini-PCs

Homeoffice-Bolidchen

Mini-PCs mit modernen Vier- bis Sechskern-Prozessoren von AMD und Intel

Intels moderne und effiziente Prozessoren mit Tiger-Lake-­Architektur finden ihren Weg in immer mehr Mini-PCs. Sehr unterschiedlich ausgelegte Modelle versuchen, einen Crowdfunding-Mini mit AMDs Ryzen zu schlagen, doch der hat mit leiser Kühlung ein stimmiges Konzept.

Von Carsten Spille

Der Trend zum Homeoffice ist ungebrochen und manch einer merkt schmerzlich, wie laut der alte heimische Rechner heult, wenn er in Videokonferenzen an seine Grenzen kommt. Ersatz muss her, aber der soll das kleine Arbeitszimmer oder die mühsam freigeräumte Wohnzimmerecke nicht unnütz zustellen. Wer aus Ergonomiegründen nicht zu einem Notebook greifen will, wählt besser einen Mini-­PC. Die sind meist sparsam und steuern auch 4K-Bildschirme mit ergonomischen 60 Hz an. Dank ihres größeren Volumens und dem Wegfall des Akkus gibt es mehr Platz für den Kühler, weshalb sie speziell unter Last in der Regel leiser als Notebooks arbeiten.

Nach unserem Vergleichstest zu Beginn des Jahres hat sich bei den Mini-PCs einiges getan [1]. Nach jahrelangem technischen Stillstand bei den Core-i-Prozessoren stellt Intel AMDs schnellen Ryzen-­4000-Prozessoren bei den Mini-PCs nun die elfte Generation mit Tiger-Lake-­Architektur entgegen. Sie hat zwar nur vier Kerne, die arbeiten aber ausnehmend flott. Schnelles LAN mit 2,5 GBit/s ist nun keine Ausnahme mehr, sondern eher die Regel, die WLAN-Module funken im 5-GHz-Band standardmäßig mit MIMO-Technik für höheren Durchsatz, auch wenn sie nicht direkt neben dem Router stehen. In den Prozessoren integrierte Video-Einheiten helfen den x86-­Kernen, auch moderne Videoformate wie HEVC und AV1 stromsparend und damit ohne nerviges Lüfterheulen wiederzugeben. Schnelle USB-Anschlüsse erlauben flotten Zugriff auch auf größere Datenmengen auf externen Speicher­medien.

Wir haben vier Mini-PCs ins Test­labor geholt, drei mit den aktuellen Tiger-­Lake-Prozessoren von Intel und ein AMD-Ryzen-System, das zwei Kerne mehr hat als die Intel-Riege. Vom 360 Euro günstigen NUC11-Barebone mit Zweikernprozessor und Thunderbolt 4 bis zum Crowdfunding-Komplett-PC HM50 für 835 Euro ist die Spanne der Geräte sehr breit: Asrocks NUC BOX-1165G7, Intels NUC Pro Chassis Element, NUC11TNHi3 und der Minisforum HM50. Ursprünglich wollten wir auch noch ein Gerät des deutschen Mittelständlers E.E.P.D. mit achtkernigem Ryzen Embedded V2718 in den Test aufnehmen, doch das Gerät hatte zum Testzeitpunkt noch Vorserienstatus und einige Marotten. Wir reichen den Test in einer der kommenden Ausgaben nach.

Spar-Technik

Mini-PCs verwenden die gleichen Hardware-Komponenten wie Notebooks und sind daher meist ähnlich sparsam. Weil Eingabegeräte und Bildschirm nicht nur bei Barebones sondern auch bei Komplett-Systemen meist noch extra angeschafft werden müssen, sind sie oft günstiger als ein vergleichbares Notebook. Dafür können diese Peripheriegeräte flexibel an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Das ist besonders wichtig, weil gerade sie essenziell für die Ergonomie sind.

Bei Barebones kommen zu den Grundkosten meist noch Arbeitsspeicher, SSD und Betriebssystem hinzu: Eine SSD mit rund 500 GByte ist ab zirka 70 Euro erhältlich, 16 GByte Arbeitsspeicher kosten mit passendem Format und Geschwindigkeit derzeit um die 90 Euro. Linux als Betriebssystem ist kostenlos, für Windows 10 werden mindestens noch einmal 100 Euro fällig. Von weniger Speicherplatz raten wir ab, da der Preis pro GByte bei kleineren SSDs und SODIMM-Größen deutlich höher ausfällt. Wer komplett selbst basteln möchte, kann auch einen Blick auf unsere Bauvorschläge für sparsame Mini-PCs werfen [2,3].

Tiger im Tank

Anstelle von vielen CPU-Kernen, die bei typischen Büroaufgaben wie Tabellenkalkulationen, Videokonferenzen, E-Mails und Co. größtenteils ungenutzt bleiben, schaffen Intels neue Willow-Cove-Kerne nun mehr Arbeit pro Takt, wovon vor allem die genannten Anwendungen profitieren. Die Core-i-11xx erreichen per Turbo einen fast so hohen Takt wie ausgewachsene High-­End-Prozessoren und arbeiten dabei jenseits der 4 GHz. Diesen Takt können sie aufgrund ihrer geringen erlaubten Leistungsaufnahme (TDP) zwar nicht lange halten, aber das Ansprech­verhalten profitiert davon besonders im Zusammenspiel mit einer modernen SSD deutlich.

AMDs aktuelle Ryzen-Prozessoren wie der Hexa-Core Ryzen 5 4500U im Miniforum HM50 arbeiten mit der Zen-2-Architektur beinahe ebenso flott, haben aber mehr Rechenkerne. Die verbesserten Nachfolger Ryzen 5000U/H mit Zen-3-Rechenwerken wurden bereits vorgestellt, sind aber noch in keinem Mini-­PC aufgetaucht. Schon für moderat aufwendige 3D-Spiele eignen sich die getesteten Rechner aber alle nicht. Dafür sind die integrierte Grafikeinheiten zu schwach.

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