iX 11/2016
S. 144
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Editoren für kreatives Schreiben

Kulturtechniker

Selbst erfolgreiche Autoren kennen das: Manchmal wollen die Wörter einfach nicht aus der Feder fließen. In solchen Fällen ist jede Hilfe willkommen – auch die von Apps.

Autoren, Journalisten, Bloggern und anderen Wort-Künstlern ist das Problem nicht unbekannt: Wer unterwegs schreiben möchte, braucht eine mobile Anwendung, in der er Artikel und Berichte einfach erstellen kann. Die App-Infos in iX 1/2013 haben bereits digitale Notizbücher vorgestellt – ein professioneller Schreiber benötigt jedoch eine Applikation, mit der sich ein Text auch strukturieren und editieren lässt.

Die wohl umfangreichste und bedienerfreundlichste Lösung ist „Scrivener“, die vielen Autoren bereits als Mac-Anwendung bekannt sein dürfte. Seit Juli gibt es sie auch für iPad und iPhone.

Andern einen Schritt voraus

Der Name Scrivener bezeichnet im Englischen den Beruf des Schreibers – also eines der Schreib- und Lesekunst Mächtigen zu Zeiten, in denen diese Fertigkeiten gebildeten Menschen vorbehalten waren. Und tatsächlich fühlt man sich beim Nutzen der App, als sei man anderen Autoren einen Schritt voraus.

Beim ersten Öffnen der Anwendung sollte man sich ein wenig Zeit nehmen und das angebotene Tutorial durcharbeiten. Das vorgespeicherte Scrivener-Projekt führt den Leser Schritt für Schritt in die Nutzung der App ein. Scrivener geht weit über die Funktionen eines Textverarbeitungsprogramms hinaus. Informationen, die der Benutzer für das Schreibprojekt benötigt, kann er ins Projekt importieren – zum Beispiel Fotos, Videoclips, PDF-Dokumente oder Audiodateien. Er muss so nicht zwischen verschiedenen Anwendungen oder dem Internet hin- und herwechseln und kann sich ohne Ablenkung voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren.

Des Weiteren lässt sich mit Scrivener die Gliederung eines Artikels oder eines Buches planen. In der Seitenleiste kann man Projekte flexibel strukturieren und dabei frei entscheiden, auf welche Art und Weise man das Konzept angehen möchte.

Ihre wahre Stärke zeigt die App jedoch im Schreibprozess. Der Rich-Text-Editor erlaubt das Verfassen von Texten in gewünschter Formatierung, die Bildschirmtastatur kann auf Wunsch die meistgenutzten Satzzeichen permanent am oberen Ende anzeigen. Man kann zudem einfach und schnell kommentieren und annotieren sowie Fußnoten und Highlights setzen oder Links einfügen. Wer eine bestimmte Anzahl an Wörtern oder Zeichen im Text anstrebt, kann eine Zielvorgabe einstellen. Um dem Autor die Möglichkeit zu geben, während des Schreibprozesses von iPhone oder iPad auf den Mac oder PC zu wechseln, synchronisiert Scrivener-Projekte über Dropbox.

Ist das Werk vollendet, stehen verschiedene Optionen für den Export zur Verfügung: als Word-Dokument (.doc), als Rich-Text-Datei (.rtf), als PDF (.pdf), Plain Text (.txt) oder Final Draft (.fdx). Zusätzliche Dateien wie Bilder oder Videos exportiert die App in ihrem Originalformat. Via Mail, Messages oder einer anderen App lassen sich Texte teilen.

Mit 19,99 Euro ist Scrivener für eine mobile Anwendung nicht gerade preisgünstig, insbesondere wenn man diese zusammen mit der Mac- oder Windows-Anwendung nutzen möchte, die mit weiteren 44,99 Euro zu Buche schlägt. Zum Glück gibt es auch weniger kostspielige Alternativen.

Wer darauf verzichten kann, sein gesamtes Projekt innerhalb einer einzelnen Anwendung zu speichern, ist beispielsweise mit einer Kombination aus „Story Planner“ und „Write“ gut bedient.

Der Fokus von Story Planner liegt eindeutig auf dem Schreiben von Geschichten, sei es in Buchform, als Kurzgeschichte, Theaterstück oder Biografie. Dies lässt sich vor allem an den Titeln der einzelnen Abschnitte erkennen, die von Projekt über Charaktere, Orte und Handlungen bis hin zu Szenen reichen. Mit ein bisschen Fantasie lässt sich die App jedoch auch für die Planung vieler weiterer Schreibprojekte nutzen. Dank ihrer Strukturierung gibt sie eine gute Übersicht über die einzelnen Teile der Geschichte oder hilft dabei, Ideen für die Weiterführung einzelner Handlungsstränge zu entwickeln. Darüber hinaus bietet die App einen Übersichtsbildschirm, auf dem man Größe und Fortschritt des Projekts erkennt.

Hilfe bei der Ideenfindung

Hat der Autor die Planung einer Geschichte abgeschlossen, kann er die Datei in verschiedenen Formaten – auf iOS sogar im Scrivener-spezifischen Format .scrv – zur Weiterverarbeitung exportieren. Ein großer Vorteil von Story Planner ist, dass der Nutzer die Anwendungssprache frei aus fünf Sprachen – inklusive Deutsch – wählen kann. Die iOS-Version kostet 3,99 Euro, Android-Nutzer bekommen die App für einen Euro weniger.

Nach der Planungsphase geht es ans Schreiben. Write klassifiziert sich selbst zwar als Notiz-App, ist aber insbesondere in Kombination mit der Mac-Version durchaus für das Schreiben längerer Texte oder gar Bücher geeignet. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich und intuitiv, dank Markdown-Integration ist sowohl das Formatieren von Texten als auch das Einfügen von Bildern während des Erstellens einer Datei möglich. Für einen besseren Überblick bei einer größeren Anzahl gespeicherter Texte bietet Write Tags an. Die iPhone-/iPad-Version kostet 1,99 Euro, die Mac-Version ist zum Preis von 9,99 Euro erhältlich.

Klarer Vorteil von Story Planner und Write gegenüber Scrivener: Für die Synchronisation von Dokumenten auf verschiedenen Geräten steht auf iOS in beiden Apps neben Dropbox auch iCloud zur Verfügung. Die Android-Version von Story Planner erlaubt Android-typisch abhängig von anderen installierten Apps auf dem Gerät das Anbinden an eine Vielzahl von Exportpunkten.

Eine gelungene Alternative zu Write für Android-Nutzer ist „JotterPad – Writer“. Auch mit dieser Anwendung lassen sich Texte in ansprechend gestalteter, nutzerfreundlicher Umgebung intuitiv erstellen. Bonus dieser App: Nutzern externer Bluetooth-Tastaturen stehen Kurzbefehle wie STRG + Z zur Verfügung, der den letzten Schritt rückgängig macht, ein Feature. das für Apps auf Mobilgeräten keine Selbstverständlichkeit ist.

Einige exklusive Schriftarten bietet JotterPad ebenfalls an, allerdings wählt man eine Schrift für alle Dokumente der App. Wer gelegentlich dazu neigt, eine App zu schließen, ohne sein Werk gespeichert zu haben, wird sich darüber freuen, dass JotterPad beim Schließen automatisch alle geänderten Dateien sichert. Die App ist kostenlos, über einen In-App-Kauf zum Preis von momentan 4,19 Euro kann sie um zusätzliche Funktionen erweitert werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den Export eines Dokuments als .docx-Datei für Microsofts Word oder eine sogenannte Typewriter-Funktion. Dabei simuliert die App das Verhalten einer Schreibmaschine. Ruft der Anwender diese Funktion auf, kann er nicht mehr beliebig im Dokument editieren, sondern muss dafür den Schreibmaschinenmodus erst wieder verlassen.

Wer nun gleich losschreiben möchte, aber noch keine Idee für eine Story hat, sollte zu „Brainstormer“ greifen. Die App zeigt drei zufällig zusammengestellte Begriffe an – ein Thema, eine Handlung und ein Subjekt –, aus denen man mithilfe der eigenen Fantasie eine Geschichte zusammenstellen soll. Diese Form von Aufforderung soll Autoren helfen, Schreibblockaden zu überwinden.

Märchen spinnen

Benötigt man eine Inspiration für einen menschlichen Protagonisten, eine zu erschaffende Welt oder eine Kreatur, kann sich Brainstormer ebenfalls als hilfreich erweisen. Der Inspirationsuchende kann drei miteinander verzahnte Räder drehen und dann die präsentierten Ideenvorschläge ausarbeiten. Die Möglichkeiten sind vielfältig, allerdings ist Brainstormer ausschließlich auf Englisch erhältlich. Wer diese Sprache einigermaßen beherrscht, wird jedoch kaum Probleme haben, aus Wörtern wie Reunion-Jungle-Supermarket oder Cosmic-Fox-Dolphin ein wundervolles Märchen zu spinnen. Brainstormer ist nur für iOS-Geräte erhältlich und kostet 1,99 Euro. Im Preis enthalten sind der Classic Brainstormer für allgemeine Geschichten sowie der Creature Builder. Erweiterungen gibts für jeweils 0,99 Euro.

Besitzer von Android-Geräten können bei Schreibblockaden auf „Writing Prompts“ zurückgreifen. Während Brainstormer drei Begriffe anzeigt, gibt Writing Prompts ein Szenario vor, an dem der Autor arbeiten soll. Wer mag, kann sich die Aufforderungen per E-Mail zusenden lassen. Auch diese App ist in englischer Sprache erhältlich, und hier gilt ebenfalls, dass die Anforderungen zum Verständnis der Szenarien und Vorschläge sprachlich mit Schulkenntnissen zu meistern sind. Die kostenlose Version enthält Werbung, die sich mit Writing Prompts Pro zum Preis von 1,02 Euro entfernen lässt. (ka)

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