iX 11/2017
S. 44
Titel
Augmented Reality
Aufmacherbild

HoloLens in der Arbeitswelt

Realität 4.0

Microsofts HoloLens blendet Zusatzinformationen und dreidimensionale Objekte passgenau in die Umgebung des Nutzers ein. Unternehmen können mit Augmented Reality viele Prozesse optimieren.

Für die HoloLens gibt es schon viele Projektbeispiele, denn seit Microsoft Ende 2016 die Entwicklerversion für 3000 Dollar auf den Markt gebracht hat, testen Unternehmen aus vielen Branchen, inwieweit sie von Augmented Reality profitieren können. Die Datenbrille blendet nicht nur zweidimensionale Texte oder Bedienungsanleitungen ins Gesichtsfeld ein: Ihre Kernkompetenz besteht aus dreidimensionalen Projektionen, die sie maßstabsgerecht und perspektivisch richtig in die Umgebung des Nutzers einblendet. Der kann dann zum Beispiel sehen, wie der Motor eines Kraftfahrzeugs von innen aussieht. Die Objekte lassen sich entweder fest verankern oder auch frei platzieren, sodass man um sie herumgehen kann.

Die Augmented-Reality-Technik (AR) der HoloLens unterscheidet sich grundlegend von derjenigen der verbreiteten Virtual-Reality-Headsets (VR): VR-Brillen benötigen einen Desktop-PC oder ein anderes zusätzliches Gerät und generieren eine künstliche Welt, in die der Nutzer abtaucht (siehe die Marktübersicht auf S. 48). HoloLens-Anwender hingegen sehen weiterhin ihre reale Umgebung, ergänzt um 3D-Projektionen.

Die HoloLens projiziert dreidimensionale Objekte maßstabsgerecht in die Umgebung des Nutzers. Dazu misst sie mit Sensoren den Raum aus (Abb. 1). Quelle: Microsoft

Um das leisten zu können, vermisst die HoloLens mittels Sensoren den Raum und stellt die gewünschten Objekte passend dar. Ein Smartphone oder PC ist dafür nicht erforderlich, da die Brille einen eigenen Windows-10-Rechner enthält.

Diese Mischung aus realer und projizierter Welt nannte Microsoft bis vor Kurzem sowohl „Mixed Reality“ als auch „Augmented Reality“. Aber mittlerweile stiften die Redmonder im Kontext der für Oktober geplanten Plattform „Windows Mixed Reality“ Verwirrung, denn die neuen VR-Headsets für Windows 10, wie sie unter anderem Dell, HP und Lenovo vorgestellt haben, firmieren nun ebenfalls unter dem Begriff „Mixed Reality“.

Vermischte Realität

Microsoft erklärte dazu auf der IFA in Berlin, dass der Begriff „Mixed Reality“ das ganze Spektrum von AR bis VR umfassen soll. Nach Einschätzung der Redmonder dürften sich die beiden 3D-Verfahren mehr und mehr vermischen [1]. Dieser Artikel konzentriert sich auf die HoloLens und darauf, wie Unternehmen die Kombination aus realen und projizierten Objekten für ihre Prozesse nutzen.

Wer eine HoloLens trägt, wirkt zunächst etwas befremdlich: Das Tippen in die Luft und die typische Geste von Daumen und Zeigefinger erinnert an alte Zeiten, da Handys noch ungewohnt waren: Menschen unterhalten sich mit einem unsichtbaren Gegenüber. Selbstgespräch? Nein: Headset. Jetzt müssen sich die Projektbeteiligten an Mitmenschen gewöhnen, die in die Luft tippen und deren Blick etwas fixiert, das für andere unsichtbar bleibt.

Zum Beispiel beim Installieren eines Treppenlifts. Ohne HoloLens ist das dazugehörige Vermessen des Raums sehr aufwendig, erklärt Matthias Lang, Forschungsingenieur bei thyssenkrupp Elevator: Da kein Treppenhaus wie das andere ist, muss der Mitarbeiter in einem circa zweistündigen Prozess jede einzelne Stufe mit Markierungen präparieren und zahlreiche Fotos schießen. Die Daten sind anschließend im Büro zu bearbeiten. Gegebenenfalls muss der Techniker noch einmal zurück zum Kunden, wenn etwas fehlt.

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