iX 6/2017
S. 78
Report
Gehaltsentwicklung
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ITK-Branche: Viel Arbeit, gutes Geld

Darfs ein wenig mehr sein?

Die IT-Gehälter stiegen zwischen 1,6 und 2,2 Prozent. Vor allem Softwareentwickler sind gefragt, was sich in satten Lohnerhöhungen niederschlägt. Derzeitigen Absolventen geht es jedoch oft gar nicht ums Geld.

Wie im letzten Jahr beurteilt die IG Metall den Status der ITK-Branche in ihrer zur CeBIT vorgelegten Studie „Entgelt in der ITK-Branche 2017“ als gut. Denn dieser Sektor wächst durch angesagte Themen wie Big Data, Cloud-Computing und Industrie 4.0. Mittlerweile ist er mit über einer Million Beschäftigten der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in Deutschland (nach dem Maschinenbau). Die guten Zahlen bedeuteten nach Einschätzung der Gewerkschaft jedoch nicht zwangsläufig, dass davon etwas bei den Angestellten ankomme. Das Gegenteil sei teilweise der Fall, denn die Anforderungen an sie stiegen zunehmend.

Zudem seien Unternehmen unsicher, wie lange der positive Trend anhalte und wohin er letztlich führe. Erkennen ließen sich diese Zweifel an Umstrukturierungen sowie einem Hin und Her aus Einstellungen bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau. Die Welle aus Umorganisationen, Kostensenkungsprogrammen, Stellenstreichungen und Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sei noch nicht abgeebbt.

Insgesamt konnten die Beschäftigten jedoch im Abrechnungszeitraum (1. August bis 10. Dezember 2016) Boden gutmachen. Wer in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, ist wieder klar im Vorteil, denn dort legten die Gehälter um 2,8 Prozent zu. Demgegenüber erhielten die Beschäftigten in nicht tarifgebundenen Firmen nur 1,6 Prozent mehr.

Mehr Geld mit Tarifvertrag

Tabelle
Tabelle: Entwicklung der IT-Jahresgehälter Quelle: IG Metall, 03/2016

Von den erfassten Arbeitnehmern arbeiteten 59,6 Prozent tarifgebunden bis zu 37,5 Stunden, 40,4 Prozent in Betrieben ohne Tarifvertrag, meist 40 Stunden pro Woche. Dank der weiterhin niedrigen Inflationsrate können sich alle über einen Reallohnzuwachs freuen. Um die Daten vergleichbar zu gestalten, untersuchen die Studienautoren wie gewohnt 16 Jobfamilien. Darin haben sich die einzelnen Tätigkeiten in verschiedene Richtungen entwickelt [1] (siehe Tabelle „Entwicklung der IT-Jahresgehälter“).

Zu beachten ist, dass die IG Metall wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten der beteiligten Unternehmen alle Daten auf eine 35-Stunden-Woche umrechnet. Wer die Werte auf 40 Stunden beziehen will, muss 14,3 Prozent draufschlagen. Bei allen Gehältern handelt es sich um effektive Jahresbruttoeinkommen. Enthalten sind die durch Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge gesicherten Bestandteile wie Urlaubsgeld, 13. Monatseinkommen und Jahressonderzahlungen.

In der Jobfamilie „Beratung / Consulting“ stiegen die Einkommen um durchschnittlich 1,7 Prozent – immerhin stärker als im letzten Jahr, als man den Zuwachs von 0,7 Prozent nur mit der Lupe erkennen konnte. Die Juniorberater bekamen 2,1 Prozent mehr. Nicht schlecht, denn im Vorjahr mussten sie einen Rückgang verkraften (-0,8 Prozent). Das Salär der Chefberater hat sich mit einem Plus von 1,3 Prozent kaum verändert (Vorjahr: 1,2 Prozent).

Die Jobfamilie „Hardwareentwicklung“ konnte den Zuwachs von 3,1 Prozent der Vorgängerstudie nicht wiederholen, nun sind es nur noch 2,2 Prozent. Heruntergebrochen auf einzelne Tätigkeiten erhielten die Hardwareentwickler 3,1 Prozent mehr, die Leiter „Entwicklung Hardware“ mussten sich mit satten null Prozent begnügen.

Eine starke Nachfrage nach Spezialisten verzeichnet vor allem die Jobfamilie „Softwareengineering“. Ablesen lässt sich das an Gehaltssteigerungen von 3,1 Prozent – deutlich mehr als die mageren 1,7 Prozent des Vorjahres. Software-Seniorentwickler können mit einem Zuwachs von 6,4 Prozent diesmal richtig schlemmen, nachdem sie im Vorjahr mit 0,4 Prozent auf Schonkost gesetzt waren. Die Leiter Softwareengineering müssen sich mit 0,6 Prozent begnügen, was in absoluten Zahlen 606 Euro pro Jahr ausmacht. Auch bei den Einstiegsgehältern gibt es Bewegung, und zwar um 2,6 Prozent nach oben.

Den Autoren der Studie standen 39 061 Datensätze (Vorjahr 37 004) aus 152 ITK-Unternehmen (Vorjahr 147) zum Auswerten zur Verfügung. Beteiligt haben sich Ausrüster, Softwareanbieter, IT-Service-, Beratungsunternehmen und Callcenter. Mittelständler und Kleinbetriebe sind ebenfalls vertreten. Die meisten Unternehmen haben auch schon bei den letzten Auswertungen teilgenommen. Erhältlich ist die Studie im Fachbuchhandel, beim Bund-Verlag (19,90 Euro) sowie in gängigen E-Book-Stores (17,99 Euro).

Nicht so viel wie letztes Jahr

Dem Urteil, dass es der IT-Wirtschaft blendend geht, schließt sich die Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner an, die Ende November 2016 ihre Studie „IT-Funktionen 2016/2017“ vorgestellt hat. Sie enthält Gehaltsdaten von IT-Fach- und -Führungskräften der Monate Mai bis August 2016. Danach können Fachkräfte ein Plus von 2,2 Prozent verbuchen – nicht schlecht, auch wenn der Zuwachs lange nicht an den fast gigantischen Wert von 6,2 Prozent des Vorjahres heranreicht.

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