iX 1/2018
S. 58
Review
Convertibles
Aufmacherbild

Microsofts Surface Book 2

Angekurbelt

Mit dem zweiten Surface Book will Microsoft die eierlegende Wollmichsau unter den mobilen PCs erschaffen. Gelingt dem Konzern das Kunststück oder geht das Convertible an Kompromissen zugrunde?

In sein Surface Book will Microsoft beste Hardware auf kleinstem Raum quetschen. Die schon zweite Generation des ultimativen Convertible erschien pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und die Designer haben viele Komponenten einer Frischekur unterzogen.

Wichtigster Unterschied zum ersten Surface Book ist die Grafikkarte. Musste sich der Vorgänger noch mit einer GTX 965M begnügen, spendierte NVIDIA dem Tablet nun eine GTX 1050. Allerdings nur in drei der vier Varianten des Geräts: Die günstigste beschränkt sich auf Intels HD Graphics 620 des zweikernigen Core i5-7300U. Vier Kerne bietet der Core i7-8650U, ansonsten unterscheiden sich die Convertibles durch den Arbeitsspeicher – 8 oder 16 GByte – und den Massenspeicher – eine SSD mit 256, 512 oder 1024 GByte.

Optional mit Grafikleistung

NVIDIAS dedizierte GPU schlägt sich eindeutig in den Zahlen nieder: Ruckelt der Benchmark FurMark bei Intels UHD Graphics 620 mit durchschnittlich 4 Bildern die Sekunde vor sich hin, liefert die GTX 1050 mit 30 FPS im Mittel ein durchwegs flüssiges Bild. Freilich muss der Nutzer dann auch mit dem Lüftergeräusch auskommen. Er dreht schnell auf und hält die Temperatur bei 63 Grad unter Last. Wer die Leistung nicht benötigt, spart mit der HD-620-Variante für 1749 Euro gegenüber dem 3449 Euro teuren Spitzenmodell und kommt zudem ohne Lüfter aus.

Das Display im 3:2-Format ist dank einer Auflösung von 3000 × 2000 Pixeln bei einer Diagonale von 13,5 Zoll gestochen scharf (267 dpi). Auch das Kontrastverhältnis von 1800 : 1 lässt kaum Wünsche offen, allerdings spiegelt das Glas stark. Verbindet der Nutzer das Tablet mit dem Tastatur-Dock, ist das Display nicht geschützt – die Lücke lädt auch im geschlossenen Zustand Staub zum Verweilen ein.

Trotzdem lohnt es sich, das Dock abgesehen vom zusätzlichen Akku und der hier untergebrachten GPU bei sich zu haben: Die Tastatur überzeugt durch große Tasten, die zwar kaum Hub, doch einen erkennbaren Druckpunkt aufweisen. Der Sechserblock und der Ziffernblock fehlen, doch ansonsten mussten die Designer kaum Kompromisse eingehen.

Auch das Touchpad ist groß und präzise, die Tasten hat Microsoft integriert. Für den Tabletmodus verfügt das Convertible über einen Touchscreen, einen optionalen Stylus für die Stifteingabe unterstützt das Display ebenfalls. Obwohl der Großteil der Komponenten im Tablet steckt, ist das Gerät als Laptop nicht zu kopflastig; beim Tippen wippt der Bildschirm nur leicht nach. Einzig Sitzriesen müssen sich ducken: Allzu weit lässt sich das Scharnier nicht nach hinten kippen. Insgesamt ist das Gehäuse stabil und verwindet sich erst unter Kraftanwendung.

Magerkur für die Peripherie

Federn lassen muss das Surface Book 2 jedoch bei den Anschlüssen. Am Dock finden sich zweimal USB 3.0 Typ A. Hinzu kommt einmal USB 3.1 Typ C, allerdings der ersten Generation mit 5 GBit/s statt der mittlerweile möglichen 10 GBit/s. Auch Thunderbolt 3 kann der Nutzer nicht mit dem Port verwenden. Außerdem hat Microsoft einen regulären SD-Kartenleser integriert.

Folgt das Tablet selbst – doch es beschränkt sich auf eine Klinkenbuchse für das Headset. Nicht einmal ein einziger regulärer USB-Anschluss oder ein einfacher HDMI-Port für die Präsentation findet sich am eigentlichen Rechner. So bleibt dem Anwender nur, das Dock zu jeder Zeit griffbereit zu haben, um für die Präsentationen einen Adapter an den USB-Port heranzuziehen.

Mangels RJ45 fürs Ethernet ist der Nutzer auf die drahtlose Verbindung angewiesen. Microsoft hat sich für ein Dual-Band-Modul mit 802.11ac und Bluetooth 4.1 entschieden. Keines der vier Modelle verfügt über ein LTE-Modem für das Mobilfunknetz.

Fazit

Um das Tablet von seinem Dock zu lösen, muss der Nutzer eine in die Tastatur integrierte Taste drücken, die das Gerät nach kurzer Wartezeit mit einem Klick freigibt. Mit 711 g lässt es sich trotz seiner für ein Tablet recht umfangreichen Größe kurze Zeit mit einer Hand halten. Mit dem Dock zusammen belastet es mit 1,6 kg.

Aufgrund der nicht anschließbaren Peripherie eignet es sich ohne das Dock aber nur für wenige Aufgaben im Büro. Schade, denn Microsoft offeriert hiervon abgesehen ein überzeugendes Convertible, das für die meisten Situationen gewappnet ist. Bleibt zu hoffen, dass die Designer dem Surface Book 3 noch die letzten fehlenden Komponenten für die Arbeit unterwegs spendieren. (fo)

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