iX 1/2018
S. 72
Report
Digitalisierung
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Wie findet man eine Digitalstrategie?

Veränderung ist das neue Normal

Der Weg in die digitale Welt wäre viel einfacher, hätte man nur den richtigen Plan. Aber den gibt es nicht – und muss es auch nicht geben.

Entwickeln Sie eine Digitalstrategie!“ So lautet einer der Schritte im Bitkom-Leitfaden „In 10 Schritten digital“. Na, dann mal los. Sie haben doch heute nichts mehr vor, oder?

Allerdings muss man davon ausgehen, dass der geneigte Leser dieses Artikels spontan keine Idee hat, wie er dieser Aufforderung nachkommen soll. Kein Problem! Einfach mal googeln nach „Best Practices Digitalstrategie“, da wird man fündig. Das Problem ist nur: Meist findet man nicht, was man braucht. Woran liegt das? Erstens ist es gar nicht so leicht zu klären, was überhaupt „Strategie“ bedeutet. Zweitens funktioniert „Digital“ nicht von der Stange. Warum das so ist und was man trotzdem machen kann, ist Gegenstand dieses dritten Teils unserer Serie zur Digitalisierung.

Einfach bis komplex

Zunächst noch einmal zum Kontext: Es geht in dieser Artikelserie um die zwei Themen Digitalisierung (Fall eins) und digitale Transformation (Fall zwei). Im ersten Teil der Serie wurde Digitalisierung als Umsetzung etablierter Geschäftsprozesse mit IT definiert, während die digitale Transformation eine erhebliche Veränderung des Geschäftsbetriebs ist [1]. Mit dieser Unterscheidung wird auch die Strategiefindung zweigeteilt.

Fall eins ist vergleichsweise einfach. Ein konkretes Beispiel: Sie kommen morgens ins Büro und auf Ihrem Schreibtisch klebt ein gelber Notizzettel. Darauf steht: „Bitte ruf bei Frau Schmidt an. Sie wartet noch auf irgendwas von dir, das längst da sein sollte.“

Diese Notiz lässt Raum für viele Fragen: Wer hat die Notiz geschrieben? Um welche Frau Schmidt handelt es sich? Unter welcher Nummer erreicht man sie? Worauf wartet sie?

Handelt es sich bei Frau Schmidt um eine Kundin, dann könnte ein CRM-System die Lösung sein: Es hält die Kundendaten vor und dokumentiert die Kundenkontakte. Lassen Sie sich ein paar Angebote von Herstellern von CRM-Systemen geben oder fragen Sie Kollegen aus Ihrer Branche, wie sie ihre Kundenbeziehungen pflegen. Über die Digitalisierung „von Zettelwirtschaft zu (digitaler) Ordnung“ sollte man im Jahr 2017 nicht mehr viel reden müssen.

Es gibt ausgewiesene Experten in Sachen Digitalisierung, die sagen, in diesem Sinne sei Deutschland durchdigitalisiert. Die Erfahrung des Autors ist eine andere: Der Einsatz eines CRM ist noch längst nicht überall selbstverständlich. Und CRM ist hier nicht mehr als ein Beispiel: In der Praxis kann es sich um beliebige andere Bereiche handeln. Aber letztlich geht es immer um ein einfaches Problem mit einer offensichtlichen Lösung (siehe Abbildung 1).

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