iX 11/2018
S. 136
Praxis
Mobile Betriebssysteme
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Android 9 Pie für App-Entwickler

Aufgereiht

Android 9 bringt neue APIs unter anderem für Biometrie, KI-Funktionen und die Notch – sowie neue Anforderungen von Google.

Nach einer längeren Testphase und mehreren Vorschauversionen hat Google sein neues Android 9 P wie Pie veröffentlicht. Anders als zuvor standen die Preview-Versionen nicht nur für Google-Geräte, sondern zusätzlich für Modelle von Nokia, OnePlus, Oppo, Sony, Vivo, Xiaomi und Essential zur Verfügung. Das ist Project Treble zu verdanken: Die Abstraktionsschicht debütierte mit Android 8.0 und erlaubt das Verteilen neuer Betriebssystemversionen, ohne dass Chiphersteller zwingend ihre hardwarenahen Softwarekomponenten aktualisieren müssen. Somit fällt der Hauptgrund für die viele Jahre zäh verlaufenden Updates weg.

Freilich wäre Android nicht Android, würde es die fertige Version vom ersten Tag an auch für Hardware nicht von Google geben. Ausschließlich Essential lieferte quasi gleichzeitig. Die anderen Hersteller, die die Vorschauversionen bereits verteilten, wollen im Laufe des Herbstes nachziehen. Dennoch kann man Treble schon jetzt als Erfolg werten.

Komfortablere Steuerung

Neu sind Komfortfunktionen wie das Nachbearbeiten von Screenshots. Hinzu kommen eine Lupe, mit der Nutzer den Textcursor so einfach wie unter iOS platzieren können, und die nun KI-basierte Analyse von markiertem Text. Erkennt die Smart Linkify genannte Funktion beispielsweise eine Adresse, Telefonnummer, Datumsangabe oder Flugnummer, bietet Android den Sprung zur passenden App an. Grundsätzlich kann das System so etwas schon lange, neu ist ausschließlich das integrierte maschinelle Lernen – das der App-Entwickler allerdings explizit aktivieren muss.

Eine Änderung gibt es beim Drehen des Smartphones vom Porträt- in den Quermodus. Sofern automatisches Drehen deaktiviert ist, erscheint in der unteren rechten Bildschirmecke ein kleiner Button. Erst wenn der Nutzer ihn betätigt, führt Android die anstehende Rotation aus. Außerdem gibt es nun einen KI-gestützten Batteriesparmodus, der für längere Nutzungszeiten sorgt. Ebenfalls willkommen: Dank der neuen Klasse PrecomputedText rendert das Smartphone Texte noch schneller.

Auch an der Lautstärkeregelung hat Google geschraubt. Am Gerät selbst steuert man stets die Lautstärke des Lautsprechers. Der korrespondierende Schieberegler erscheint nun am rechten Bildschirmrand. Ein Button im oberen Bereich schaltet drei Funktionen der Reihe nach durch: Gerät klingelt bei Anrufen und Benachrichtigungen, Gerät vibriert, Gerät ist stumm geschaltet. Eine Schaltfläche im unteren Bereich aktiviert oder deaktiviert den Lautsprecher. Ein dritter Button öffnet die Einstellungen „Töne“, wo der Anwender Anruf-, Klingelton- und Weckerlautstärke anpassen kann.

Ferner hat Google seine Designsprache Material Design aktualisiert, weil Entwickler die erste Version für nicht flexibel genug erachteten – außer den Farben konnten sie nur wenig anpassen. Mit Material Theming hat Google eine Schablone vorgestellt, mit der Drittanbieter eigene Designsysteme auf Basis der Material-Design-Prinzipien entwickeln können. Dies gestattet zum Beispiel Schaltflächen mit unterschiedlichen Formen und Farben. Fundamentale Kenngrößen wie Schriftgröße, Abstände oder Kontraste reglementiert der Konzern aber weiterhin. Seine eigene Umsetzung heißt Google Material Theme.

Mit den Wischgesten kann der Nutzer schnell zwischen zuletzt verwendeten Apps umschalten (Abb. 1).

In den Einstellungen lässt sich unter „Bewegungen“ die Funktion „Auf Startbildschirmtaste nach oben wischen“ aktivieren. Android blendet dann die virtuelle Taste zum Anzeigen der kürzlich verwendeten Apps aus, der Home-Button erhält eine Pillenform. Um auf den App Switcher (mit Suchfeld und fünf App-Symbolen) zuzugreifen, muss der Nutzer die entsprechende Wischgeste ausführen. Weiteres oder erneutes Wischen in Richtung oberer Bildschirmrand zeigt den App Starter an. Das Antippen, Halten und Nach-rechts-Schieben der „Pillentaste“ blättert ebenfalls durch die zuletzt verwendeten Anwendungen (siehe Abbildung 1).

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