iX 12/2018
S. 88
Report
Testen
Aufmacherbild

Die Zukunft von Softwaretestern: eine Prognose

Ausgedient?

Ohne Testen geht es nicht. Doch die Rolle des klassischen Testers ändert sich. Wird es in fünf Jahren noch Tester geben?

Der Einfluss der Digitalisierung auf Arbeitsmarkt und Berufsbilder wird wahlweise als Heilsbringer oder Schreckgespenst durch die medialen Dörfer gejagt. Relativ selten wird allerdings darüber gesprochen, welche Berufe auch im Bereich der Softwareentwicklung in Zukunft wegfallen könnten, gilt sie doch als zukunftsfähige Branche. Aber auch hier hat sich in den letzten Jahren so viel getan, dass nicht nur die Produktionszyklen immer kürzer, sondern auch bestimmte Tätigkeiten überflüssig werden. Neue Anwendungen werden darüber hinaus als Software-as-a-Service-Lösung bereitgestellt, die bereits nach Sekunden im Einsatz ist. Gleichzeitig zeigt sich im Bereich Qualitätssicherung, dass gängige Praxis und etablierte Standards der Realität in der Entwicklung schon fast hinterherhinken, sodass in den nächsten Jahren Veränderungen zu erwarten sind. So wird es den Softwaretester von heute in fünf Jahren nicht mehr geben. Dafür gibt es (mindestens) zehn gute Gründe, die dieses Szenario realistisch erscheinen lassen.

1. Funktionales Testen ist langweilig

Auch wenn es einige herausfordernde Aufgaben für Tester gibt, das Gros an täglichen To-dos ist repetitiv. Oft sind es einfache Klickstrecken über mehrere Schritte hinweg oder sehr einfache eigenschaftsbasierte Tests, also Tests, die eine atomare Eigenschaft wie das Vorhandensein einer Headline auf bestimmten URLs überprüfen. Natürlich gibt es immer mal wieder eine herausfordernde Tüftelei, die es zu lösen gilt, doch dies ist eher die Ausnahme eines sonst eher monotonen Arbeitsalltags. Dies liegt auch daran, dass die meisten Probleme im funktionalen Testen bereits gelöst sind. Dazu sind die verfügbaren Werkzeuge schon sehr gut und lösen viele Sonderfälle, ohne dass der Tester sich damit im Detail beschäftigen muss.

Ein weiterer Punkt, warum das Testen von Software als langweilig empfunden werden kann, ist die ISTQB-Zertifizierung (International Software Testing Qualifications Board). Der Quasistandard zur Ausbildung von Testern kommt sehr theoretisch daher. Es geht um Analysen, das Schreiben von Protokollen und das Kennen und Einhalten von Normen im Bereich Testen. Sicherlich sind diese Kenntnisse in vielen großen und bürokratischen Softwareprojekten relevant, bei denen es um komplexe kostspielige Implementierungen zum Beispiel von Enterprise-Software geht. In der Webentwicklung fallen mindestens neun von zehn Projekten nicht in diese Kategorie.

In einer Zeit von Start-ups, neuen Frameworks und schneller Entwicklung wollen viele Informatiker lieber Teil des schaffenden Prozesses sein und nicht im Testing landen. Viele der großen Beratungshäuser spüren diese Veränderung. Immer weniger Leute entscheiden sich für eine Karriere im Software-Testing.

2. Risikobasierte Ansätze reduzieren den Testumfang

Ein klassischer Fehler beim Aufbau von Qualitätsmanagement ist die fehlende Priorisierung. Schnell werden 80 Prozent Unit-Test-Abdeckung (Zeilenabdeckung) von den Entwicklern gefordert. Prinzipiell ist dies natürlich kein Fehler und eine gute Sache, solche Entwicklungsrichtlinien aufzustellen. Von Verallgemeinerungen sollte man aber Abstand nehmen. Code darf nicht so behandelt werden, als ob jede Zeile den gleichen Stellenwert in einem Projekt besitzt.

Kommentare lesen (2 Beiträge)