iX 8/2018
S. 56
Review
Linux-Distributionen
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SUSE Linux Enterprise 15 wird hochmodular

15 nach 12

Version 15 von SUSE Linux Enterprise hat einen grundlegenden Umbau erfahren. Das soll den Spagat zwischen traditioneller und Cloud-orientierter IT vereinfachen.

Knappe vier Jahre nach Version 12 steht die nächste Version der SUSE-Linux-Enterprise-Familie (SLE) vor der Tür. Sie wartet mit grundlegenden Veränderungen auf.

Zunächst ruft die Versionsnummer Erstaunen hervor. Eigentlich hätte die 13 kommen müssen. Allerdings gilt diese (nicht nur) hierzulande als Unglückszahl. So entschoss sich SUSE, diese Nummer zu überspringen. Aber: In Süd- und Ostasien ist die sogenannte Tetraphobie recht verbreitet. Die Ziffer 4 als auch damit gebildete Zahlen wie 24, 42 und eben 14 gelten als unheilbringend. Somit ist 15 die erste auf 12 folgende Nummer, die als „sicher“ gilt.

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Enterprise-Familie. Auch die nächste Version des Community-Linux openSUSE Leap bekommt die 15 zugewiesen. Das ist auch sinnvoll, da hier der gleiche Unterbau wie bei SLE zum Einsatz kommt.

Die neue Version 15 umfasst eine ganze Reihe von Produkten. Zunächst die Server-Variante SLES. Das Open-Source-Haus aus Nürnberg frischt diese für alle bisher unterstützten Plattformen auf. Dazu zählen die 64-Bit-Systeme aus der Intel / AMD- und ARM-Welt, Power- sowie zSystem und LinuxOne.

Analoges gilt für Familienmitglieder, die auf den Desktop (SLED) oder das Ausführen von SAP-Anwendungen spezialisiert sind. Nicht zu vergessen die Erweiterungen für Hochverfügbarkeit beziehungsweise Live-Patching, das Aktualisieren des SLES-Linux-Kernels im laufenden Betrieb. Neu dazu gekommen ist eine Variante für High Performance Computing. Diese ist nun ein eigenständiges Produkt neben SLES, SLED und Co.

Mehrere Modi aus einer Hand

SUSE hat das ehemals monolithische Produkt SLE in eine Reihe von Modulen aufgespalten. Der Anwender kann diese jetzt selbst zusammenstellen, wobei nicht alle möglichen, sondern nur vom Hersteller als sinnvoll angesehene Kombinationen funktionieren. Die Hochverfügbarkeitserweiterung beispielsweise passt nicht zu einer Desktop-Installation.

SUSE bezeichnet diesen Ansatz als „Multimodal OS“ und benutzt einen entsprechenden Twitter-Hashtag für die Vermarktung. Hintergrund ist der vor ein paar Jahren von Gartner eingeführte Begriff „Bimodale IT“ – auch als „IT der zwei Geschwindigkeiten“ bezeichnet.

Vereinfacht gesagt geht es dabei um die gleichzeitige Verwaltung zweier verschiedener Manifestationen von IT. Modus 1 ist der traditionelle Ansatz, der auf Stabilität, Vorhersagbarkeit, langer Planbarkeit und Bewährtem basiert. Modus 2 ist erforschend, experimentierend, auf kürzere Zeiträume mit schnellen Richtungswechseln orientiert. In der Realität sind die beiden Modi nicht unbedingt so klar getrennt, es sind viele Facetten dazwischen zu finden.

Für Cloud und RZ

SUSE möchte natürlich Kunden aus beiden Lagern ansprechen, und SLE 15 soll die Brücke zwischen traditionellen Rechenzentren und der Welt der Clouds und Container schlagen. Die weitreichende Modularität soll helfen, die bestmögliche Kombination von Modulen für den jeweiligen Anwendungsfall zu schaffen (siehe auch Kasten: Everything is a …).

Dank Unified Installer muss der Benutzer erst während der Installation entscheiden, welches SLE-Produkt zum Einsatz kommen soll (Abb. 1).

Eine logische Konsequenz dieses von Grund auf modularen Ansatzes ist das Zusammenführen der bislang produktspezifischen Installationsprogramme. Es gibt jetzt nur noch den „Unified Installer“, egal, ob der Anwender ein SLES, SLED, die HPC-Version oder eine Container-Plattform aufspielen will. Die Spezifizierung erfolgt dann im weiteren Verlauf der Installationsroutine.

Entsprechend der Auswahl landen die Pakete auf der Festplatte. Dabei kann der Installer die Software aus verschiedenen Quellen beziehen. Im Online-Modus kommen sie direkt vom Softwareverzeichnis bei SUSE. Diese direkte Verbindung ist nicht für alle IT-Umgebungen geeignet. Hier lässt sich mittels RMT (Repository Mirror Tool) eine Kopie der Software-Verzeichnisse in den eigenen „vier Wänden“ anlegen. RMT ist der Nachfolger von SMT (Subscription Management Tool), siehe Kasten.

SLE lässt sich sogar komplett ohne Netzzugang installieren. Dann muss der Anwender natürlich die entsprechenden DVDs mit den Paketen herunterladen und dem Installationsprogramm bereitstellen. Oder man arbeitet nur online: Auch in der Cloud installiert der Unified Installer SLE15.

Der Vollständigkeit halber sei eine weitere Variante erwähnt. Hier kommt ein vorgefertigter Festplattenabzug zum Einsatz. Wahlweise befindet sich darauf entweder das Installationsprogramm oder SUSEs Minimalversion eines Betriebssystems: JeOS. Das Nachladen der benötigten Software-Pakete erfolgt dann über die oben genannten Quellen.

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