iX 9/2018
S. 140
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Alternative Kalender-Apps

Alles im Blick

Angesichts der Vielfalt an Terminen, die viele Berufstätige einhalten müssen, bieten diverse Apps Hilfe bei der Koordination mehrerer Kalender.

Zu Zeiten vor der Gerätekategorie der PDAs, Smartphones und Tablets fand Terminverwaltung in der Regel mit gedruckten Kalendern statt. Manche Menschen bevorzugten Wandkalender zur langfristigen Aufgabenplanung, andere nutzten Terminkalender im A4- oder A5-Format auf dem Schreibtisch oder gar einen kleinformatigen Taschenkalender für die Hosentasche.

Die ersten verbreiteten elektronischen Kalender stammten aus Ökosystemen wie Microsofts Exchange Server und Outlook, IBMs Lotus Notes, Novells GroupWise und – als Nachzügler – Apples iCal in Mac OS X 10.2. Frühe Mobilgeräte und ihre Kalender konnte man, wenn überhaupt, nur mit spezieller Software zur Synchronisation mit dem PC oder Mac überreden. Eine Kalendersynchronisation über das Internet oder dokumentierte APIs war damals rar.

Papierkalender sieht man heute deutlich seltener, was unterschiedliche Gründe hat. Zum einen werden Menschen im Arbeits- und Privatleben mit Terminen überschüttet, die sie koordinieren müssen, zum anderen hat jeder in der Regel sein Handy, Tablet oder den Laptop sowieso dabei – warum soll man dann noch einen Kalender mit sich herumtragen?

Der Kalender ist immer dabei

Heute werden alle großen Betriebssysteme für Mobilgeräte mit Apps zur Verwaltung eines oder mehrerer Kalender ausgeliefert. Apples iOS kommt mit der App „Calendar“, die im Wesentlichen das Äquivalent zur Kalender-App von Mac OS X ist. In frühen Versionen von iOS war die App vor allem dazu gedacht, alle lokalen Kalender auf den unterschiedlichen Geräten eines Anwenders per iTunes zu synchronisieren. Mit der Zeit hat Apple zunächst seine Onlinedienste angebunden und schließlich auch Dienste von Drittanbietern wie „Google Calendar“ oder Microsofts „Outlook.com“ und „Exchange“ erlaubt. Calendar funktioniert gut, hat je nach verwendeter Version jedoch manchmal Synchronisationsprobleme und ist hinsichtlich der Features eher schlicht.

Das Gegenstück in der Android-Welt ist „Google Calendar“. Googles App unterstützt wie zu erwarten nur die eigene Kalenderinfrastruktur, ist dafür aber optimal daran angepasst. Auf Android klinkt sie sich in die auf dem Betriebssystem eingerichteten Google-Konten ein. Wenn man Android ohne Google betreiben möchte, ist die App natürlich keine Option. Google Calendar gibt es auch für iOS, wo sie im Wesentlichen dieselben Funktionen bietet.

Mittlerweile ist Google Calendar die Standard-Kalender-App auf mehreren modernen Android-Installationen. Verschiedene Android-OEMs und Gerätehersteller haben allerdings nach wie vor das Bedürfnis, ihre eigenen Varianten zu entwickeln. Manche dieser Kalender basieren auf Googles Stock-Kalender für Android. Andere wurden komplett von einem OEM wie Samsung oder HTC entwickelt, sind oft mehr schlecht als recht implementiert und sollten eher nicht genutzt werden. Gerade wer kein Fan oder Nutzer von Google Calendar ist, ist auf jeden Fall an einer besseren Android-Lösung interessiert.

Es sei angemerkt, dass die App-Infos der iX 4/2015 sich mit dem Thema Zeitmanagement befasst und neben vielen Produktivitäts-Apps mit „Awesome Calendar“ (10,99 €) und „miCal“ (2,29 €) auch zwei Kalender-Apps für iOS vorgestellt haben. Beide sind nach wie vor empfehlenswert. Von Awesome Calendar gibt es mittlerweile auch eine Lite-Version, die ein Ausprobieren des Kalenders leicht macht. Per In-App-Kauf kann man die App auf Wunsch zur Vollversion aufwerten. Seit 2015 hat die App eine Vielzahl neuer Features bekommen, unter anderem den Mond-Kalender, alternative UI-Elemente zum Einstellen von Datum und Zeit sowie neue Emojis. Gerade für Nutzer, die Spaß daran haben, ihrem Kalender Emojis, virtuelle Aufkleber und Fotos hinzuzufügen, ist Awesome Calendar noch immer eine der besten Optionen.

Eher am oberen preislichen Ende ist „Fantastical 2“ angesiedelt. Die App steht als jeweils separate Anwendung für iPhone (5,49 €) und iPad (10,99 €) zur Verfügung. Wie Awesome Calendar greift sie auf bereits in iOS angelegte Kalender zu. Angesichts ihres Preises sollte sie wie Awesome Calendar natürlich einen Mehrwert gegenüber anderen Kalendern bieten und tut das auch.

Mehrwert hat seinen Preis

Zum einen glänzt die iPad-App durch ihr Dashboard. Dabei handelt es sich um eine Ansicht, die am oberen Bildschirmrand die Tage der nächsten Woche und die Auslastung eines jeden Tages mit kleinen Icons und einer Art Balkendiagramm symbolisiert. Wählt der Nutzer einen bestimmten Tag aus, passt sich die Ansicht in Relation dazu an. Neben einer scrollbaren Übersicht aller Einträge für diesen Tag erscheint eine Monatsansicht, die mit Punkten anzeigt, welcher Kalender an welchem Tag bereits einen oder mehrere Einträge hat. Mit verschiedenen Wischgesten lässt sich das Dashboard in andere Ansichten überführen.

Außerdem ermöglicht Fantastical 2 Kalendereinträge per Spracherkennung. Sätze wie „Fußballtraining am Samstag um 16 Uhr“ versteht die App ohne Probleme auf Deutsch und Englisch. Möchte man einen längeren Termin als die voreingestellte Stunde anlegen, kann man Phrasen wie „für vier Stunden“ ergänzen.

Die App richtet sich vornehmlich an Personen, die viele verschiedene Kalender führen. Daher spricht sie eher Profinutzer an, die sie bei der effizienten Verwaltung ihrer Termine gut unterstützt. Dass es zwei Versionen für Telefon und Tablet gibt, kann man jedoch nur als Geldschneiderei bewerten.

Android-Anwender sollten sich „Today Calendar“ anschauen. Die App war zunächst ein Derivat des Stock-Kalenders, hat sich seitdem aber mit interessanten Features davon abgesetzt. Eins davon ist der Split View. Wie Fantasticals Dashboard zeigt er einen Mix aus Monats- und Agendaansicht. Letztere versucht anhand der Termine für den ausgewählten Tag eine Vorhersage zu treffen, wie anstrengend der Tag wird. Android-üblich gibt es Launcher-Widgets für die nächsten Termine, die Wochentermine und so weiter.

Die App befindet sich mit 4,49 € am oberen Ende einer Preisskala, die für die gebotenen Features angemessen ist. „Today Calendar 2017“, die eigentliche App, stellt eine kostenlose Trial-Version für sieben Tage bereit. Hinter der kostenpflichtigen App „Today Calendar Pro“ verbirgt sich eine sogenannte Unlocker-App, deren Vorhandensein „Today Calendar 2017“ unbefristet freischaltet.

Wer eine plattformübergreifende Lösung für iOS, Android und Windows sucht, sollte sich die kostenlose App „OneCalendar“ anschauen. Ihr Vorteil ist ihre Flexibilität hinsichtlich unterstützter Kalender-Plattformen. Es lassen sich auch verschiedene Varianten von Outlook- und Exchange-basierten Kalendern anbinden. Auch unterstützt die App Austauschformate wie calDAV.

Vertrauen vorausgesetzt

OneCalendar greift nicht auf die in iOS oder Android eingerichteten Konten zu, sondern verwaltet seine Konten völlig unabhängig. Der potenzielle Nachteil hiervon ist, dass die App keine APIs des Betriebssystems nutzt, sondern eine direkte Authentifizierung für die verschiedenen Kalenderplattformen verlangt. Der Nutzer muss der App also einen höheren Grad an Vertrauen schenken.

Ursprünglich entstammt die App der Welt von Windows Phone und sieht auf allen Plattformen fast identisch aus. Der Nachteil dieses Ansatzes ist, dass sich die App zumindest auf Android und iOS in keiner Weise heimisch anfühlt. Trotzdem hat OneCalendar einiges für sich. Die Benutzeroberfläche ist schlicht und klar, lässt sich aber thematisch anpassen.

Zwei weitere Anwendungen für Android heißen „aCalendar“ und „Business Calendar 2“. aCalendar glänzt mit einer Vielzahl durchdachter Wischgesten, die ein effizientes Arbeiten mit Kalendern und Terminen erlauben. Es gibt eine kostenlose Version mit Werbung zum Ausprobieren. Zum Preis von 4,49 € entfernt „aCalendar+“ diese Version und schaltet zusätzliche Funktionen wie das Task-Management oder erweiterte Optionen zur optischen Anpassung der Kalender frei.

Auch Business Calendar 2 an sich ist kostenlos und kann zum Preis von 4,79 € zur Pro-Version gemacht werden. Eine ihrer interessantesten Funktionen ist die Anpassbarkeit der Kalenderansichten. Neben den Standards wie Jahr, Monat, Woche oder Tag gibt es eine 6-Monats-Ansicht und man kann über eine einfache Mehrtagesauswahl auch Kalenderansichten mit drei oder vier Tagen erzeugen. Die angebotene Aufgabenverwaltung richtet sich klar an Profianwender. Ähnlich wie Fantastical 2 auf iOS hat Business Calendar 2 viele Funktionen, die beim Arbeiten mit vielen Kalendern und Terminen helfen. (ka@ix.de)

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