iX 2/2019
S. 54
Review
Public Cloud
Aufmacherbild

Alibaba Cloud im Überblick

Im Aufwind

Chinas größter Cloud-Anbieter Alibaba Cloud entwickelt sich international immer mehr zur Konkurrenz von Amazon, Google und Microsoft. Trotz kleiner Schwächen bietet er eine Alternative zu den Marktführern.

Public Cloud Computing hat in den letzten Jahren in fast jedes größere Unternehmen Einzug gehalten. Unter Cloud-Computing versteht man das Bereitstellen skalierbarer und elastischer IT-Ressourcen, die Firmen über das Internet beziehen können.

Lange Zeit hat Amazon Web Services (AWS) den Markt dominiert, in jüngster Zeit ist es aber Microsoft und Google gelungen, sich bei Unternehmen ebenfalls fest zu etablieren. Die Dominanz dieser drei Anbieter ist mittlerweile so groß, dass sich insbesondere in den Vereinigten Staaten und Europa andere Anbieter wie IBM und Oracle schwertun, mit dem Wachstum der großen Drei mitzuhalten.

Von vielen unbemerkt ist in den letzten Jahren mit Alibaba Cloud ein zusätzlicher Riese im Cloud-Markt entstanden. Während der Umsatz zurzeit noch hinter den drei genannten Marktführern hinterherhinkt, erzielt Alibaba Cloud mit 93 Prozent Jahreswachstum mit Abstand das größte Wachstum unter den führenden Cloud-Anbietern.

Bisher gab es nur wenige deutsche Kunden, die das Alibaba-Cloud-Angebot in Anspruch genommen haben. In der Regel waren dies internationale Konzerne mit Chinabezug, die vor Ort das Cloud-Computing-Angebot nutzen wollten. Anderen Firmen war die Nutzung vor allem durch die im Vergleich zu den Konkurrenten geringe Anzahl von Diensten sowie durch die fehlende Lokalisierung deutlich erschwert. Insbesondere letztere machte es Unternehmen sehr schwer, da ein Großteil der Dokumentation nur in chinesischer Sprache vorlag. Glücklicherweise orientierte sich Alibaba mit vielen Diensten technologisch stark an AWS, sodass die AWS-Dokumentation in vielen Fällen ein guter Ratgeber war.

Strategisch hat Alibaba in den letzten Jahren den Ansatz verfolgt, sich zuerst im Heimatmarkt China zu etablieren, wo sie mittlerweile Marktführer im Bereich Public Cloud Computing ist. Seit diesem Jahr fühlt sich Alibaba nun auch stark genug, die globale Präsenz auszubauen und weltweit Rechenzentren zu eröffnen.

Globale Präsenz

Übersicht über die zurzeit verfügbaren Alibaba-Cloud-Dienste (Abb. 1)

Alibaba hat im internationalen Sektor ein anderes Portfolio als in China. Die internationale Zentrale befindet sich in Singapur. 2018 begann Alibaba, regionale Landesgesellschaften in vielen Ländern zu eröffnen und von dort die lokalen Märkte zu erschließen. In Bezug auf Services orientiert sich der Artikel an global angebotenen Diensten (Abbildung 1). Für das internationale Angebot ist die Dokumentation in Englisch, Japanisch und natürlich Mandarin erhältlich, für die lokalen Cloud-Services gibt es die Dokumentation leider nur in Mandarin.

Neben den Public-Cloud-Angeboten hat sich Alibaba auch dem Thema Private Cloud gewidmet und bietet mit Apsara Stack eine Plattform an, die sich auch on Premises installieren lässt.

Ähnlich wie bei anderen Cloud-Anbietern ist die Infrastruktur in Regionen und Zonen (Verfügbarkeitszonen) unterteilt. Eine Region entspricht einem physischen Ort wie zum Beispiel Frankfurt. Um eine hohe Verfügbarkeit zu garantieren, sind die Rechenzentren über verschiedene Verfügbarkeitszonen verteilt. Dabei hat jedes Rechenzentrum seine eigenen Basiskomponenten in Form von redundanten Stromversorgungen, Netzwerken und Verbindungen. Um die Latenz zwischen den verschiedenen Zonen gering zu halten, sind alle Zonen über eigene Standleitungen miteinander verbunden.

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