iX 3/2019
S. 56
Review
Erweiterte Realität
Aufmacherbild

Magic Leap: Ein neuer Stern im Mixed-Reality-Universum?

Testsprung

Mixed Reality im Jahre 2019. Der ganze Markt ist von Microsofts HoloLens besetzt. Der ganze Markt? Nein! Eine von unbeugsamen Visionären gegründete Firma namens Magic Leap tritt an, um dem großen Konkurrenten Widerstand zu leisten.

Der Begriff „Augmented Reality“ ist inzwischen den meisten technikaffinen Menschen bekannt: Virtuelle Inhalte erweitern die durch eine Kamera oder eine Brille betrachtete Realität. Hauptsächlich auf Smartphones verbreitet, findet sich diese Technik heute bereits in den Hosentaschen vieler Menschen.

Weniger verbreitet ist bislang die „Mixed Reality“. Hier wird nicht einfach nur virtueller Inhalt über das Abbild der realen Welt gelegt, sondern die reale Welt nimmt selbst Einfluss auf die virtuellen Inhalte. So können reale Objekte im Raum die virtuellen Inhalte verdecken, Objekte im Raum können erkannt und semantisch zugeordnet und verwendet werden: Plötzlich nimmt eine virtuelle Figur Platz auf einem Stuhl in meinem Büro.

Unnötig zu erwähnen, dass für eine derart immersive Darstellung und Interaktion ein Smartphone nicht mehr ausreicht – hier benötigt man eine Brille mit stereoskopischem Display und einer Fülle von Sensoren. Seit 2016 ist der Platzhirsch in diesem Segment die HoloLens von Microsoft. Auch wenn sie aufgrund ihres hohen Preises und der vergleichsweise schwachen Rechenpower im Endkundenmarkt noch nicht Fuß fassen konnte, hat sie großes Potenzial im industriellen Einsatz. Ein Beispiel hierfür ist HoloLinc: Diese von thyssenkrupp Elevator, Microsoft und Zühlke gemeinsam entwickelte Software nutzt die HoloLens, um Treppen auszumessen und einen zu installierenden Treppenlift für den Kunden direkt zu visualisieren.

Zuerst das Denken erweitern

Seit Juli 2018 gibt es jedoch einen Herausforderer, der sich der Dominanz der HoloLens entgegenstellt. Das Unternehmen Magic Leap hat seine neue Mixed-Reality-Brille namens „Magic Leap One“ vorgestellt und preist sie als das neue Nonplusultra der Mixed Reality an, als großen Sprung nach vorne, der diese Technik allen Menschen zugänglich machen soll. „Free Your Mind“ lautet der Slogan, der in Erinnerung an „The Matrix“ die Entwicklergemeinde ermutigen soll, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und Erlebnisse zu schaffen, die bislang unvorstellbar waren.

Die Magic Leap One zeigt virtuelle Inhalte in einem Blickfeld von 40° × 30°. Die zwei Waveguides pro Auge erlauben die Darstellung von Inhalten in verschiedenen fokussierbaren Abständen (Abb. 1). Quelle: Zühlke Group

Inzwischen haben Mitarbeiter bei Zühlke Gelegenheit gehabt, die Brille genauer anzusehen und zu prüfen, ob sie die Erwartungen erfüllen kann und die Vorfreude wert war.

Erster Eindruck von der Hardware

Beim Kunden kommt die Brille in einem schlichten weißen Karton mit Tragegriff an, den das Logo von Magic Leap ziert. Wie sich herausstellt, ist der Karton auch als dauerhafte Transportmöglichkeit für die Magic Leap One vorgesehen, denn an dem Gerät ist wesentlich mehr „dran“ als an einer HoloLens. Anders als Microsofts Brille, die nichts braucht außer der Brille selbst, kommt die von Magic Leap zusätzlich mit einem Handcontroller und einem „Puck“, der mit der Brille verbunden ist. Die Brille nennt Magic Leap „Lightwear“, den Puck „Lightpack“; der Controller hat keinen besonderen Namen, er heißt einfach „Control“. Das Design und die Ausstattung der Brille lassen bereits erahnen, dass der Hersteller mit seiner Brille völlig andere Wege geht als Microsoft.

Kommentieren