iX 4/2019
S. 60
Review
Software-defined Storage
Aufmacherbild

Freie NAS-Distributionen

Aufgefaltet

Network Attached Storage speichert große Datenmengen im Netz. Für maßgeschneiderte Systeme mit Standardhardware bildet kostenlose NAS-Software eine geeignete Basis.

Der Markt bietet ein breites Spektrum an schlüsselfertigen NAS-Systemen. Im Consumer-Bereich starten Produkte, die allerdings nur ein einziges Speichermedium aufnehmen und damit eine Zeitbombe für einen wertvollen Datenbestand darstellen, bei unter 100 Euro. Akzeptable Geräte für Einzel- oder Kleinstunternehmer findet man ab rund 300 Euro ohne Speichermedien. Dennoch ist die mitgelieferte Software ob ihrer vielen Multimediafunktionen offensichtlich auf den häuslichen Einsatz ausgerichtet. Professionell nutzbare Hardware der beiden aus dem Consumer-Bereich bekannten Hersteller Synology und QNAP beginnen bei mindestens 1000 Euro ohne Laufwerke.

Eine ernstzunehmende Basis für ein NAS sind Abteilungsserver, die im wachsenden Übergangsbereich zwischen der Cloud und einfachen NAS-Systemen angesiedelt sind [1]. Herkömmliche Serverhardware kombiniert mit vielen Laufwerkseinschüben geriert sich vertrauenswürdiger als ein billig wirkendes Plastik-NAS. Hat der Administrator für 2500 Euro aufwärts ein leeres System erworben, muss er noch die passende Software für die NAS-Funktionen aussuchen und sie konfigurieren – schlüsselfertige NAS dagegen lassen sich mit wenigen Klicks auch von unbedarften Mitarbeitern einrichten.

Solange es nicht um Systemgrößen geht, die mehrere Racks mit Gehäuse umfassen, kann ein Selbstbau Vorteile mit sich bringen. Je nach Anforderung lässt sich ein solches System maßschneidern. Entsprechende Kenntnisse des Administrators vorausgesetzt, kann im einfachsten Fall bereits ein Open-Source-Betriebssystem wie FreeBSD oder Linux als Basis dienen.

Tabelle
Tabelle: Daten und iX-Wertung

Ein modernes Dateisystem wie ZFS kann nicht nur Daten im hohen PByte-Bereich sicher verwalten. ZFS ist in der Lage, selbst schleichenden Datenverlust, den die Controller- und Festplattenelektronik übersieht, zu erkennen und selbstständig zu korrigieren. Funktionen wie Kompression und Deduplizierung gewährleisten eine effiziente Ausnutzung der Kapazität.

Wie gut das funktioniert, zeigen die Supercomputer amerikanischer Forschungseinrichtungen wie des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL). Systeme wie Sequoia haben nicht nur mehr als 1,5 Millionen CPU-Kerne, sondern bewegen und speichern täglich auch Daten im bis zu dreistelligen PByte-Bereich – auf ZFS-Dateisystemen unter einem modifizierten RHEL/CNK (Red Hat Enterprise Linux mit Compute Node Kernel) [2a]. Das sollte, im deutlich kleineren Rahmen, auch für ein NAS im eigenen Unternehmen ausreichen.

Betriebssysteme wie FreeBSD, Linux oder illumos (ehemals OpenSolaris) beinhalten ZFS und bilden eine solide Grundlage für einen Netzwerkspeicher. Praktischerweise gibt es fertige NAS-Distributionen auf Basis all dieser Betriebssysteme, die dem Systemverwalter den größten Teil der Handarbeit abnehmen und in kurzer Zeit ein solides NAS bereitstellen.

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