Make Magazin 6/2017
S. 100
Community-Projekte
Aufmacherbild

MNT Reform: DIY-Laptop aus Berlin

Ein Laptop zum Selbstzusammenbauen, -umbauen und -reparieren ist das Ziel von Lukas Hartmann. Der MNT Reform ist sein erster Prototyp. Open-Hardware-Fans dürften Teile der Hardware bekannt vorkommen.

Videos schneiden, Code kompilieren und im Internet surfen – das alles will Lukas Hartmann mit seinem transportierbaren DIY-Rechner machen, der möglichst nur aus offener Hard- und Software bestehen soll. Mit dem MNT Reform gibt es jetzt einen ersten funktionstüchtigen Prototyp des Laptops, der außerdem einfach zu verstehen, zusammen- und umzubauen sein soll.

Die ersten Skizzen zeigen, wie der modulare Aufbau gedacht ist.

Fans von Open-Hardware-Laptops dürfte das bekannt vorkommen: Andrew „bunnie“ Huang entwickelte vor einigen Jahren den Novena-Laptop aus ähnlicher Motivation heraus. Mit dem NXP i.MX6 QuadPlus steckt sogar das gleiche System-on-a-Chip (SoC) mit vier ARM-Cortex-A9-Kernen und Vivante GC2000 GPU im Rechner. Da der Sechskern-Nachfolger i.MX8 bald erscheinen soll, könnte dieser es noch in den fertigen Laptop von Lukas Hartmann schaffen.

3D-Drucker und Lasercutter machen das Prototyping des Gehäuse einfacher.

Aktuell nutzt Hartmann das iMX6-TinyRex-Modul mit 4 GB RAM, dessen Entwickler bereits Hilfe beim Umstieg auf den i.MX8 zugesagt haben. So verfügt der Laptop über einen SATA-II-Anschluss, USB-2.0-Schnittstellen, einen HDMI-Ausgang und Mini-PCI-Express – mit dem i.MX8 wäre sogar USB 3.0 möglich.

Die „Eingeweide“ des DIY-Laptops im Test Bilder: Lukas Hartmann

Mit der Industriedesignerin Ana Dantas entwickelte Hartmann außerdem das Gehäuse mit Platz für ein eigenes Keyboard, Trackball und ein 10-Zoll-Display mit 1920 × 1200 Pixeln Auflösung. Bei einer Größe von 28 cm × 17,5 cm ist der Rechner derzeit noch 5,5 cm hoch und wiegt 1,5 kg inklusive 7,4-Volt-Modellbaubatterie mit 3000 mAh. Sie hält circa 2,5 Stunden, wobei Hartmann längerfristig eine Laufzeit von 5 Stunden anpeilt. Durch modularen Aufbau sollen am Ende die Komponenten einfach ausgetauscht werden können.

Auf dem Rechner läuft erfolgreich Debian mit Programmen von LibreOffice über einige Bild- und Audiobearbeitungsprogramme bis hin zum Mediaplayer mplayer und den Browsern QupZilla und Chromium. Den Prototyp will Hartmann noch weiter überarbeiten und später die Konstruktionsdateien online stellen. Einzelne Teile und ein Kit des MNT Reform sollen außerdem in einem Shop erhältlich sein. hch

Aufmacherbild

Lärm-O-Meter fürs Klassenzimmer

Was tun, wenn es laut wird? Zum Beispiel ein Lärm-O-Meter bauen, das den Lautstärkepegel misst und nebenbei noch Programmieren üben. Das Projekt mit Calliope mini zeigt, wie die Arbeit mit Mikrofon, Servo und Motor gelingt.

Das Lärm-O-Meter in der Übersicht

Der Lärm im Klassenzimmer ist ein altes Thema – das Lärm-O-Meter von Bernd Heisterkamp ist ein moderner Versuch, sich damit konstruktiv auseinanderzusetzen. Zum einen misst das sternförmige Board den Lärmpegel und warnt mit einem Befindlichkeitsanzeiger und einem Glockenspiel, wenn dieser beständig lauter wird. Zum anderen bietet das Lärm-O-Meter Lehrkräften die Gelegenheit, mit ihrer Klasse oder Arbeitsgruppe ein Projekt zu bauen und dabei Programmieren zu üben.

Hinter dem Calliope mini verbirgt sich das Batteriepack.

Das Mikrocontroller-Board Calliope mini aus Berlin wurde speziell für den Einsatz in Grundschulen entwickelt. Im Vergleich zum Platzhirsch Arduino bringt es eine Reihe von Sensoren und Aktoren mit und erspart damit einiges an Bauteilkauf. So kann der Calliope mini von Haus aus Temperatur, Helligkeit, Lautstärke, Beschleunigung und ein Magnetfeld bestimmen. Eingebaute Ausgabegeräte sind eine LED-Matrix und Lautsprecher, außerdem können Motoren und Servos angeschlossen werden.

Die Programmierung funktioniert mit grafischen Bausteinen. Bilder: Bernd Heisterkamp

Das Projekt nutzt zunächst das Mikrofon des Calliope mini, um den Geräuschpegel in der Umgebung zu messen. Grafisch dargestellt wird die aktuelle Lautstärke auf der kleinen Holz-Anzeige mit Gesichtern von wütend bis glücklich – der Calliope steuert dafür mit einem Servo einen Zeiger, der jeweils auf das passende der fünf Gesichter zeigt. Wer mag, kann auch die LED-Matrix nutzen, um den aktuellen Lautstärketrend zu visualisieren. Wird es schließlich zu laut, springt das motorgesteuerte Pendel an und lässt auf den verschieden langen Aluminiumrohren ein Glockenspiel erklingen. Die Programmierung ist einsteigerfreundlich gehalten und erfolgt in einem grafischen Editor, der an die bekannte Klötzchensprache Scratch erinnert. Die vollständige Anleitung mit Konstruktionsdateien und allen Programmsketchen gibt es online zum Herunterladen, dazu einige Vorschläge für alternative Projekte, wie ein Wärme-Meter, das bei Hitzefrei anschlägt. hch

Aufmacherbild

Open-Source-Spielautomat GNU-Casino

Spielautomat statt Sperrmüll – Jonas Heinrich hat für eine Party ein altes Internet-Terminal nach Vorbild der einarmigen Banditen umgebaut.

Der Barcodescanner liest das verfügbare Guthaben.

Glücksspiel und Open Source passt auf den ersten Blick nicht ganz zusammen. Für eine Party hat das Stuttgarter Project Insanity um Jonas Heinrich beides zusammengebracht und ein Internetterminal umgebaut und mit offener Software programmiert.

Die fertigen Buttons, die in den Tisch eingelassen sind Bilder: Jonas Heinrich

Das Terminal stammt ursprünglich aus einem Internet-Café, sodass zunächst die Hardware gegen neuere Komponenten ausgetauscht wurde. Nun läuft auf dem Computer die minimalistische Linux-Distribution ArchLinux, die auf grafische Oberflächen verzichtet. Das Banditenspiel ist allerdings bunt gehalten. Ganz klassisch müssen die Symbole von drei Rollen in Reihe gebracht werden. Die tierischen Spiel-Icons stammen thematisch passend aus der Open-Source-Softwarewelt: Der Linux-Pinguin, die Taube vom Messenger Pidgin, das GNU und der Braunflecken-Igelfisch (auf Englisch Diodon, wie Ubuntu-Zwischenablage). Grundlage des Spiels ist pygame, eine Python-Programmbibliothek für die Spieleprogrammierung.

Konstruktion der Buttons

In den USA heißen Einarmige Banditen slot machines, nach den Schlitzen zum Münzeinwurf. Ständig Münzen einzuwerfen und auszuleeren kann auf Dauer nervig werden. Das GNU-Casino hat daher einen Barcode-Scanner, der verfügbares Guthaben von eigens erstellten Kassenzetteln mit „Whack your soul“-Aufdruck und Barcode einliest.

Einen Arm hat das GNU-Casino ebenfalls nicht. Stattdessen gibt es drei Buttons in verschiedenen Farben, die das Team in Blender konstruiert und anschließend mit einem 3D-Drucker ausgedruckt hat. Mit ihnen kann man das Spiel steuern: Der rote Button startet eine Partie und stoppt die einzelnen „Rollen“, während die beiden weiteren Buttons den Einsatz erhöhen oder zurückziehen. Dafür sind sie über einen Arduino mit dem System verbunden. Die Software und Druckdateien der Buttons können über ein GitLab heruntergeladen werden, allerdings ohne die Grafiken und Sounds. hch