Make Magazin 5/2018
S. 36
Was uns inspiriert

Mechanische Lasershow

Ein Laserpointer, ein Gummiband und die selbstgedruckten Teile aus dem 3D-Drucker – fertig ist eine Lasershow der besonderen Art. Nur ein Motiv zur Zeit kann das Maschinchen von Bastler Evan Stanford an die Wand werfen. Wofür auch noch Handarbeit nötig ist. Denn der Laserpointer wird in eine Konstruktion aus mehreren Zahnrädern, Scheiben und einem Kurbelgriff eingebunden. Dreht man die Kurbel, überträgt sie die Kraft über die Zahnräder auf die beiden gegenläufigen Motivscheiben. Auf den ersten Blick erscheinen sie fast rund, dabei sind die leichten Konturen der Clou der Maschine. Sie bewegen den Laserpointer, der im Scheitel der Scheiben aufliegt und mit einem Gummiband nur leicht gesichert wird. So entstehen Motive vom Batsymbol bis zum Stern.

Ein Gummiband hält den Laserpointer beweglich an Ort und Stelle. Bilder: Evan Stanford (CC BY 3.0)

Das Projekt, inklusive aller zu druckenden Teile, ist auf der 3D-Druckplattform Thingiverse zum Herunterladen und Nachbauen zu finden. Wer eigene Motive in Scheiben umsetzen möchte, hat zwei Optionen. Auf Github stellt Standford sein ursprüngliches Programm mittels eines Webinterface zur Verfügung. Hier kann man einzelne Punkte einzeichnen, die dann automatisch verbunden werden. Mit einem Klick gibt es die beiden Scheiben als fertige STL-Dateien. Zusätzlich gibt es eine Portierung auf OpenSCAD. Damit können die Scheibenumrisse in der CAD-Software berechnet werden. hch

J’ai faim!

Ein Haufen Elektronikschrott, vier Tage und ein Ziel: möglichst viel Spaß. Bei der internationalen Veranstaltungsreihe Eniarof sollen in kurzer Zeit viele kreative Projekte entstehen. Das Künstlerduo Niklas Roy und Kati Hyyppä hat die Möglichkeit genutzt und mit „J’ai faim!“ (französisch für: Ich habe Hunger) ein buntes Spiel zusammengezimmert. Stand die äußerst schlanke Barbiepuppe bisher oft in der Kritik, unrealistische Körperbilder zu vermitteln, gilt es in diesem Arduino-basierten Spiel, ihr genügend Essen zu servieren.

Gehäutet: Im improvisierten Pappgehäuse steckt eine Stange von einem Regenschirm als Achse, und ein Rad von einem Tretroller dient als Lager. Bilder: CC-BY Kati Hyyppä & Niklas Roy

Außer einem Arduino Uno stammen alle verwendeten Teile aus alter Elektronik und anderem Schrott. Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist der Barbiekopf mit der ausfahrbaren Zunge. Um den Kopf sind fünf Stücke Sushi verteilt, die möglist schnell „aufgegessen“ werden müssen. Blinkende LEDs zeigen an, welches Stück das nächste sein soll. Die Steuerung erfolgt über einen Joystick, der mit dem Puppenkopf und einem lokalen Sushirestaurant auch die Inspiration für das Projekt lieferte. Wie satt Barbie gerade ist, gibt schließlich eine Neopixelskala auf einem alten Essenstablett im Hintergrund an. Auf ihren Webseiten haben Roy und Hyyppä das Spiel zum Nachbauen dokumentiert. —hch

Feuer und Flamme

Am Rande des Kölner Stadtteils Ehrenfeld liegt ein Ort namens Odonien. Hier wuchern wilde Pflanzen zwischen skurrilen Metallskulpturen. Das Freiluftatelier des Künstlers Odo Rumpf ist der perfekte Ort für ein Roboter-Kunst-Festival, und so wurde vom 14. bis 16. September 2018 Odonien zum zehnten Mal zu Robodonien. Internationale Künstler und zahlreiche Besucher von nah und fern feierten zusammen mit Maschinenwesen eine ausgelassene Party. Ein Pyromantiker, wie Eddie Egal vom „Büro für brenzlige Angelegenheiten“ sich selbst nennt, hat seinen zischenden Feuerbrunnen sowie ein brennendes Herz aufgebaut. Auch auf dem Rest des Geländes ist für allerlei heiße Acts und Feuerzauber gesorgt.

Paka Johnson, bekannt von der zweiten Maker Faire Hannover, hat seinen Drachen mitgebracht, der Flammen spuckt – glücklicherweise thront er ein paar Meter über dem Festivalgelände und ist damit weit genug von den Besuchern entfernt. Bei den niederländischen Frietcowboys ballern Groß und Klein fertig gekochte Knollen mit einer Luft-Kartoffel-Knarre auf ein Gitter, das aus Klaviersaiten gespannt ist. Hier muss jeder das essen, was er erschossen hat. Wer lieber etwas Süßes möchte, steht Schlange beim „Crépe AUToMaAT“. Laura Pirard und Charli Maisonabe schaben Pfannkuchen von zwei heißen, rotierenden Zylindern. Die beiden Belgier sind zum ersten Mal dabei und entwickeln die Maschine ständig weiter. Das permanente Weiterentwickeln gehört zum Festival dazu. Die meisten Künstler kommen ein paar Tage früher, um sich auszutauschen und an ihren Werken zu arbeiten, denn im kreativen Chaos von Robodonien entstehen ständig neue Ideen. Heike Jurzik/hch