Make Magazin 3/2020
S. 38
Was uns inspiriert
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Bild: Leah Oswald

Fairy Dust im Miniaturformat

Die Fairy Dust des Chaos Computer Clubs ist ein bekanntes Wahrzeichen der Hackingszene. Die gut sieben Meter hohe Rakete besteht aus Glasfaserlaminat und steht traditionell auf Veranstaltungen wie dem Chaos Communication Congress und dem Chaos Communication Camp. Jetzt hat die Rakete eine kleine Schwester bekommen. Hacker Michael hat die Fairy Dust gemeinsam mit dem Train Operation Center des CCC maßstabsgetreu in 1:11,11 nachgebaut. Als Vorbereitung auf den 34C3 im Jahr 2017 hat er die Rakete nach den Originalplänen als CAD-Modell für den 3D-Druck mittels Selektivem Lasersintern (SLS) modelliert.

Bilder: Michael

Dabei hat er viel Wert darauf gelegt, alle Teile mit einer geringen Wandstärke zu konstruieren, um den Materialverbrauch in Grenzen zu halten. Die 3D-Druck-Dateien gibt es auch auf Thingiverse. Das Fenster der Rakete ist aus tiefgezogener PET-Folie. Beim Lack der Original-Fairy Dust handelt es sich um einen Effektlack, der extra angemischt wurde. Trotz ausführlicher Recherchen konnte Michael keinen anderen Lack mit dem gleichen Effekt finden. Daher wurde das Modell in die Hände eines Profis – Pablo Spitzer – übergeben. Pünktlich zum Chaos Communication Camp 2019 war das Modell fertig und das Ergebnis ist vom Original nicht zu unterscheiden – bis auf die Größe. rehu

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Bilder: Daniel Gering

DesignAmp – ein Verstärker ohne Gehäuse

Daniel Gering hat für seinen elf Jahre alten Sohn einen eindrucksvollen leuchtenden Verstärker gebaut, der seither das Jugendzimmer verschönert. Gering findet: Elektronik ist viel zu schön, um sie in schnöden Blechgehäusen zu verstecken. Der Stereo-Vollverstärker kommt daher ganz ohne Gehäuse aus und bietet neben dem Blick auf die Elektronik auch noch schöne Lichteffekte. So taucht beispielsweise die LED-Anzeige der Stereo-Lautstärke den Raum in blaues Licht. Die Riesenplatine hat er mit der Software EAGLE entwickelt. Mittlerweile ist es sehr preisgünstig möglich, auch riesige Platinen in bester Qualität fertigen zu lassen – und das auch noch in verschiedenen Farben.

Die Verstärkerplatine ist 440mm × 165mm groß und die Befestigung erfolgt über einen 75mm × 75mm-VESA-Adapter aus dem 3D-Drucker. Laut Gering hat die offene Schaltung einen schönen Lehreffekt – da erkennt man immerhin mal, was im Gerät passiert. Der Verstärker ist kurzschlussfest, schaltet bei Überhitzung automatisch ab und hat einen Verpolungsschutz bei der Versorgungsspannung. Dazu hat er eine Clipping-Anzeige, an der man erkennen kann, ob der Verstärker übersteuert wird. Auf dem YouTube-Kanal „Daniel Gering“ kann man das Gerät in Aktion bewundern. rehu

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Bilder: bleeptrack

Simulierter Sitzplatz: Genchair

Sabine Wieluch, besser bekannt als bleeptrack, hat sich mit ihrer generativen Kunst einen Namen gemacht. Bei dieser Kunstform schafft die Kunst sich selbst, nachdem die Künstlerin mit einem Computerprogramm Startparameter und einen Rahmen vorgibt. Wie schön sich Programmieren, Maken und Kunst vereinen lassen, sieht man an ihrem Projekt GenChair: Das Muster von Sitzfläche und Rückenlehne wurde mithilfe einer Simulation generiert, die das Adernwachstum von Blättern nachempfindet. Die Inspiration dafür hat sie in einem Paper zu Modellierung und Visualisierung von Blattvenationsmustern gefunden und flugs implementiert. In die Gestaltung des Stuhls hat sie möglichst wenig selbst eingegriffen. Bleeptrack hat lediglich Auflageflächen für die Holzverbindungen ergänzt und an den äußeren Rändern die Äderchen geschlossen. Die restliche Form des Stuhls hat sich sozusagen „von alleine“ berechnet.

Der Stuhl ist aus Birken-Multiplex in 21mm Dicke auf ihrer Eigenbau-CNC-Fräse gefräst. Sitz, Lehne und Beinchen sind mit Holzleim zusammengesetzt und mit Leinöl geschützt. Der Stuhl ist deutlich stabiler, als er aussieht. Nach intensiver Nutzung hat sich aber ein kleiner Riss vorne in der Mitte der Sitzfläche gebildet. Diese Stelle hat bleeptrack in der Vorlage mittlerweile verstärkt. Wer auch gerne einen GenChair fräsen möchte, findet die Dateien auf ihrer Webseite. Ihre Projekte dokumentiert sie auch auf ihrem YouTube-Kanal „Bleeptrack“. rehu