Make Magazin 3/2020
S. 80
Report
Aufmacherbild

Makers care!

Medizinische Hilfsmittel von der Stange sind meist alles andere als schön, funktional und von hoher Qualität. Maker setzen sich schon lange für eine Verbesserung solcher Produkte ein und entwickeln und produzieren individualisierte Modelle in Kooperation mit Betroffenen. Dabei verändern sie nicht nur die Herstellung von Hilfsmitteln, sondern auch die Maker-Kultur.

In der Make-Ausgabe 01/2014 porträtierte ich einen Kollegen, der in Zusammenarbeit mit dem Künstler Daniel Folwatschni seinen Rollator optimiert hatte. Dabei fiel mir vor allem auf, wie stark bei der Entwicklung des Rollators auf Kosteneffizienz geachtet worden sein musste. Es gab keine Federung, die Bremsen waren einfache Zugbremsen, deren Kraft nicht dosiert werden konnte, der gesamte Rollator konnte nur sehr eingeschränkt auf die Größe der Benutzenden eingestellt werden. Alles Eigenschaften, die seine Benutzung für Gehbehinderte eher unangenehm machen. Unser Kollege war vor seiner Erkrankung viel Fahrrad gefahren und kannte sich daher mit Dingen wie Bremsen und Federungen aus. Außerdem kannte er Menschen, die sich mit Technik beschäftigen, und fand so jemanden, der es sich zutraute, den Rollator anzupassen. Das ist bei Menschen, die Hilfsmittel nutzen, häufig nicht der Fall. Alte Menschen und Behinderte haben in der Regel wenig Zugang zu Technik und technischen Entwicklungen.

Die Technik selbst wird von den entsprechenden Herstellern für die flächendeckende Versorgung entwickelt. Der Großteil der Hilfsmittel wird aus den Fonds gesetzlicher Sozialversicherungen bezahlt – Kosteneffizienz spielt dabei eine wichtige Rolle. Außerdem wird die Technik für die Bedürftigen und nicht mit ihnen entwickelt und muss strenge Sicherheitsstandards erfüllen. Die medizinischen Hilfsmittel sind oft standardisiert und grob auf die Nutzenden zugeschnitten. Sie auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen ist nur dann eine Option, wenn man die entsprechenden finanziellen Mittel hat.