Technology Review 10/2016
S. 90
Karriere
Ausbildung

Was macht ein Elektroniker für Automatisierungstechnik?

Elektroniker für Automatisierungstechnik analysieren Prozessabläufe, installieren Antriebssysteme und bauen Mess- und Steuerungstechnik auf.

Daniel Mosch prüft eine Vakuumpumpe. Foto: Markus Grunau

Daniel Mosch, 26, arbeitet in einer chemischen Fabrik. Diese erstreckt sich über vier Etagen, auf denen Computer mehrere Produktionsanlagen steuern. Moschs Aufgabe ist es, die Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik der Anlagen zu überwachen und zu warten.

Mosch ist Elektroniker für Automatisierungstechnik und hat seine Berufsausbildung vor etwa zwei Jahren abgeschlossen. „Zunächst habe ich im Betrieb und in der Berufsschule die handwerklichen Grundlagen der Elektrotechnik gelernt“, sagt Mosch. „Dann ging es um Automatisierungstechnik, etwa wie Sensoren funktionieren, und den Umgang mit speicherprogrammierbaren Steuerungen.“ Die Controller werden zur Steuerung oder Regelung von Maschinen und Anlagen eingesetzt und dafür programmiert.

Mosch arbeitet bei Saltigo in Leverkusen. Das Unternehmen ist eine Tochter des Chemiekonzerns Lanxess, hat weltweit rund 16000 Mitarbeiter und stellt Basiswirkstoffe für Pharma- und agrochemische Unternehmen her.

Zuletzt hat Mosch für einen neuen Auftrag eine Füllstandsmessung an einem Reaktionskessel aufgebaut. Die misst, wie viel von einem bestimmten Stoff im Kessel ist und wie viel von anderen Stoffen zugeführt werden muss, damit am Ende die richtige Mischung herauskommt. „Die Messungen machen wir mittels Radartechnik. Bei der Auswahl der Fühler muss ich darauf achten, aus welchem Material sie bestehen, damit sie resistent gegen die Chemikalien sind.“ Weil im Reaktor Rührer arbeiten, muss Mosch deren Störsignale in der Radarmessung ausblenden.

Sein Beruf hat Zukunft. „Die Chemiebranche hat Milliarden in Automatisierung und Informationstechnologie investiert und wird dies auch künftig tun“, sagt Ursula Weißhaupt. Sie ist bei Lanxess in der Personalabteilung zuständig für die Ausbildung in technischen und kaufmännischen Berufen. Die nächste Stufe der Produktivitätssteigerung, Industrie 4.0, stelle die chemische Industrie auch künftig vor große Herausforderungen, die mit immer mehr dafür qualifiziertem Personal zu bewältigen sind. Der Beruf des Elektronikers für Automatisierungstechnik ist daher einer mit sehr guten Aussichten, unabhängig von der Branche. Peter Ilg

Recruiting

„Wiedereinsteiger sind eine kostbare Ressource“

Der Chiphersteller Infineon Technologies bietet seit Kurzem ein Senior-Trainee-Programm an. Es richtet sich an Rückkehrer in den Beruf nach einer privaten Auszeit. Stephan Zizala aus dem Unternehmensbereichs Automobilelektronik hat das Programm mitinitiiert.

TR: Herr Zizala, aus welchem Grund bietet Infineon das Programm an?

stephan Zizala: Wir schätzen die Erfahrung und Motivation von Arbeitskräften, die nach einer Auszeit vom Beruf den Wiedereinstieg anstreben. Deshalb haben wir Ende April 2016 das Senior-Trainee-Programm eingeführt. Es ist auf zwölf Monate ausgelegt und auf die Rückkehr ins Berufsleben. Die Teilnehmer können sich rasch wieder in den neuesten Stand der Halbleitertechnik einarbeiten und an ihre unterbrochene Karriere anknüpfen.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Berufserfahrene Frauen und Männer, die nach mehrjähriger Auszeit, beispielsweise um die Familie zu versorgen, ins Berufsleben zurückkehren möchten. Sie haben mindestens fünf Jahre Erfahrung in einem Hightech-Beruf, vorzugsweise in der Halbleiterindustrie.

Wie ist die Resonanz auf das Angebot?

Wir haben viele Bewerbungen erhalten, von Frauen wie Männern. Die ersten beiden Teilnehmerinnen haben mit ihrer Ausbildung begonnen.

Wie ist das Programm aufgebaut?

Die Teilnehmer können zwischen Teil- und Vollzeit wählen. Wir bieten unternehmenseigene Kinderbetreuung, um Berufs- und Familienleben bestmöglich verbinden zu können. Jeder Trainee hat von Beginn an einen Buddy. Er unterstützt bei Alltagsfragen, steht mit Rat und Tat zur Seite. Zudem begleiten erfahrene Manager und Experten die Trainees als Mentoren. Workshops und Trainings helfen dabei, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Bei Interesse können die Senior-Trainees unterschiedliche Abteilungen kennenlernen und, wenn es ein passendes Projekt gibt, im Ausland ihre internationale Erfahrung ausbauen.

Müssen sich die Teilnehmer zu etwas verpflichten, beispielsweise nach Abschluss des Programms eine bestimmte Zeit bei Infineon zu arbeiten?

Nein, sondern nur dazu, sich schnell mit den neuesten Technologien der Halbleiterbranche vertraut zu machen und sich mit Elan und all ihren Fähigkeiten bei uns einzubringen. Interview: Peter Ilg

Arbeitsmarkt

Programmierer, Elektro- und Verfahrensingenieure am meisten gesucht

Für ihren Arbeitsmarktreport hat die Dekra Ende Februar und Anfang März 2016 fast 14000 Stellenanzeigen in elf deutschen Tageszeitungen, zwei Online-Jobbörsen und einem sozialen Netzwerk analysiert.