Technology Review 10/2016
S. 28
Am Markt

Ausprobiert

Schnellschalter

Eine neue Funkschaltung beschert ambitionierten Rennradlern Gangwechsel in Rekordzeit.

Als Hobbyradler wollte ich schon immer mal ein Profi-Rennrad fahren. Nun rausche ich endlich auf einem über den Asphalt. Der Rahmen ist aus Carbonfasern, der Sattel hart wie eine Holzplanke. Mein Gefährt ist rund 8000 Euro teuer, sein Highlight ist aber fraglos die Schaltung: Es ist die weltweit erste, die per Funk arbeitet, hört auf den Namen „Red eTap“ und stammt aus dem Hause Sram.

Wie bei Rennrädern gewohnt, schaltet man an den Bremshebeln. Allerdings bewegt man keine Bowdenzüge, sondern tippt auf kleine Schalter. Diese geben ein Signal über ein eigens entwickeltes Funkprotokoll (Airea) an den Umwerfer (großes und kleines Kettenblatt vorn) oder das Schaltwerk (Ritzelpaket hinten). Damit es im Pulk keine ungewollten Gangwechsel gibt, funkt jede Schaltung auf ihrer eigenen Frequenz.

Elektronische Schaltungen gibt es zwar längst, etwa von Shimano, doch die hängen noch am Kabel und leiden laut Sram unter anfälligen Steckverbindungen. Dank der Funktechnik lassen sich die Schalter zudem an beliebigen Stellen platzieren, was vor allem für Triathleten mit ihren aerodynamischen Lenkern interessant ist. Prominentestes Beispiel ist Jan Frodeno, der im Vorjahr mit besagter Schaltung beim Ironman auf Hawaii siegte.

Die Bedienung ist kinderleicht: linker Knopf größerer, rechter Knopf kleinerer Gang am hinteren Ritzelpaket. Drückt man beide Seiten gleichzeitig, so springt die Kette vom großen aufs kleine Kettenblatt oder umgekehrt.

Fotos: Pressedienst - Fahrrad

Die Schaltgeschwindigkeit beeindruckt. Ich teste die Schaltung auf den hügeligen Straßen der Harburger Berge, wo alljährlich die Profis bei den Cyclassics in die Pedale treten. Hier zeigen sich die Vorzüge: Ein sanfter Druck genügt, und schon habe ich zig Gänge übersprungen, ohne dass die Finger hart arbeiten müssten. Zudem justiert die Elektronik den Umwerfer immer so, dass er nicht an der Kette schleift.

Fachleute prophezeien Funkschaltungen eine große Zukunft, nicht nur bei edlen Rennrädern. Bis es so weit ist, muss der Preis aber noch deutlich sinken: Mit 2700 Euro ist die Schaltgruppe nicht gerade günstig. Zudem lässt sie sich nur bei Rädern nachrüsten, die bereits mit Sram-Schaltung unterwegs sind.

Ob der Verschleiß wirklich so gering ist wie versprochen und damit weniger Wartung anfällt, kann ich nach meinem Kurztest nicht beurteilen. Auch nicht, ob die Akkus wirklich die versprochenen 60 Stunden durchhalten. In den Schalthebeln stecken Knopfzellen, in Schaltwerk und Umwerfer identische, etwas klobige Akkus. Damit niemand am Berg im schweren Gang stecken bleibt, lassen sich immerhin die Akkus zwischen Schaltwerk und Umwerfer austauschen. Da der Umwerfer seltener bewegt wird, geht ihm später der Saft aus. Um Strom zu sparen, aktivieren seismische Sensoren die Schaltung erst, wenn das Rad bewegt wird.

 

produkt: Red eTap hersteller: Sram preis: 2700 Euro Link: sram.com