Technology Review 10/2016
S. 16
Aktuell

NAHRUNG

Ist da wirklich kein Gluten drin?

Grinst das Gerät, hat es kein Gluten gefunden. Foto: Nima/ M.I.T. News

Selbst angeblich glutenfreie Lebensmittel können Menschen mit Glutenunverträglichkeit Beschwerden bereiten – etwa wenn das Essen bei der Zubereitung mit dem Klebereiweiß in Kontakt kam. Nima, ein Spin-off des MIT, hat nun einen mobilen Glutensensor entwickelt. Mit einem Einwegröhrchen wird eine etwa erbsengroße Probe eingefüllt. Eine Lösung mit Gluten-Antikörpern weicht sie auf. Binden sich die Antikörper an Glutenmoleküle, ändert sich die Farbe der Lösung. Optische Sensoren erfassen diese Farbänderungen. In zwei bis drei Minuten liegt das Ergebnis vor. Die Schwelle liegt bei 20 ppm (parts per million).

Die Ergebnisse kann das Gerät an eine Plattform hochladen, damit auch andere Nutzer davon profitieren. Einige Restaurants nutzen die Sensoren schon, um ihr eigenes Essen zu überprüfen. Erste Geräte für Privatkunden sollen Ende des Jahres ausgeliefert werden, für knapp 250 Dollar inklusive zwölf Röhrchen. Nächstes Jahr sollen Sensoren für Erdnüsse und Milch dazukommen. GREGOR HONSEL

Zeilen Code kommen im Schnitt in jeder neuen Linux-Version hinzu. In den 25 Jahren seines Bestehens ist der Kernel des Betriebssystems auf insgesamt 22 Millionen Zeilen angewachsen, wie Heise Online meldet. Die Beiträge stammen derzeit von rund 1600 aktiven Entwicklern, von denen nur noch knapp acht Prozent in ihrer Freizeit am Linux-Kern werkeln der Rest macht dies beruflich bei Firmen oder Institutionen.

VERKEHR

Strom aus Stoßdämpfern

Grafik: Audi

Schlaglöcher üben erhebliche Kräfte auf das Fahrzeug aus. Noch verpufft diese Energie ungenutzt – Stoßdämpfer verwandeln sie lediglich in Abwärme. Audi-Ingenieure haben die üblichen hydraulischen Stoßdämpfer nun durch Elektrogeneratoren ersetzt, die mit den Rädern über ein Getriebe in Verbindung stehen. Im Test reichte die so erzeugte Leistung von rund drei Watt auf einer sauber asphaltierten Autobahn bis hin zu 613 Watt auf einer Holperstrecke. Eine 48-Volt-Batterie nimmt den Strom auf, sodass er sich anderweitig im Fahrzeug verwenden lässt und Sprit sparen hilft.

Zudem lassen sich die E-Dämpfer per Software einfach auf das gewünschte Dämpfverhalten einstellen und nehmen weniger Platz weg. Die ersten Testergebnisse seien vielversprechend und daher ein zukünftiger Serieneinsatz durchaus „denkbar“, heißt es bei Audi. Voraussetzung sei aber das neue Bordnetz mit 48 Volt, das der Hersteller für die kommenden Jahre plant. BEN SCHWAN

Auto

Innovation beim Verbrennungsmotor

Der neue 2.0-Liter-Turbobenziner mit variabler Verdichtung von Infiniti. Foto: Infiniti

Einen lang gehegten Traum der Motoringenieure will Infiniti jetzt wahrmachen. Die Luxusmarke des japanischen Autoherstellers Nissan hat für die Pariser Motor Show Anfang Oktober die Vorstellung eines Serien-Ottomotors mit variabler Verdichtung angekündigt, der einen „signifikant niedrigeren Verbrauch und Schadstoffausstoß“ haben soll.

Mehr als zwanzig Jahre hat Infiniti nach eigenen Angaben an dem neuen 2.0-Liter-Turbomotor gearbeitet, der Verdichtungen von 8:1 bei Volllast bis zu 14:1 bei Teillast variabel einstellen kann.

Die Verdichtung eines Motors gibt an, wie stark das Gemisch aus Luft und Kraftstoff vor der Verbrennung komprimiert wird. Je höher die Verdichtung ist, desto sparsamer läuft der Motor – vor allem im Teillastbereich wie etwa im Stadtverkehr. Während Dieselmotoren Verdichtungsverhältnisse von bis zu 19:1 haben, liegen Ottomotoren höchstens bei 10:1. Hätten Benzinmotoren eine höhere Verdichtung, würde sich das Luft-Benzin-Gemisch bei Volllast selbst entzünden – auch Klopfen genannt. KARSTEN SCHÄFER

Hochbau

Mörtel mit Lotuseffekt

Bakterien könnten Mörtel bald vor eindringendem Wasser schützen und damit Frost- und Korrosionsschäden am Bau verhindern. Das haben Wissenschaftler der TU München herausgefunden.

Das Team um Biomechaniker Oliver Lieleg züchtete das weitverbreitete Bodenbakterium „Bacillus subtilis“ und rührte den Biofilm anschließend in frischen Mörtel. Nach dem Aushärten hatte der neue Hybridmörtel an der Oberfläche winzige kristalline Stacheln ausgebildet, die nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar waren. Diese Stacheln setzen die Benetzbarkeit der Oberfläche so weit herab, dass Wasser mit seiner hohen Oberflächenspannung abperlt wie auf dem berühmten Lotusblatt.

Dieselbe Oberflächenstruktur zeigte sich auch in den Hohlräumen im Innern des Mörtels. Damit reduziert sie den Kapillareffekt und verhindert, dass Wasser in dem Hybridmörtel emporsteigt.

Es ist zwar normal, dass der Zement im Mörtel beim Aushärten Stachel bildet. Erst durch die Verzahnung dieser Stacheln entsteht die Festigkeit von Mörtel und Beton. Offenbar sorgt der Biofilm jedoch für eine wesentlich dichtere und gleichmäßigere Verteilung der kurzen Stacheln.

Sollte der Münchner Hybridmörtel die Festigkeitsanforderung erfüllen, ließe er sich leicht und kostengünstig in großen Mengen herstellen, so Lieleg. KARSTEN SCHÄFER