Technology Review 11/2016
S. 66
TR Mondo

AUSTRALIEN

Strom aus einer alten Goldmine

Modell des Pumpspeichers inklusive des Reservewasserbeckens. Grafik: ARENA
Die bereits bestehende Infrastruktur der alten Goldmine macht das Pumpspeicher-Projekt für die Firma Genex lohnenswert. Foto: ARENA

Zwei riesige Löcher zeugen von der rund hundert Jahre währenden Vergangenheit des Örtchens Kidston als Goldgräberstadt. Erst 2001 schloss die letzte große Mine und ließ die beiden nebeneinanderliegenden, etwa 300 Meter tiefen Krater zurück. Was heute wie ein ungeheurer Schandfleck in der Landschaft wirkt, könnte sich aber bald schon als nützlicher Energiespeicher erweisen: Gibt es einen Energieüberschuss im Netz, soll Wasser von einem in den anderen Krater gepumpt werden. Bei Stromnachfrage fließt es über eine Turbine zurück und erzeugt dabei Strom. Anders als bei herkömmlichen Pumpspeicherwerken braucht es dazu weder Berge noch Eingriffe in unberührte Landschaften.

Das australische Energieunternehmen Genex will den Speicher 2019 in Betrieb nehmen. Er soll eine Leistung von 2250 Megawatt und eine Kapazität von knapp 16000 Megawattstunden haben. Ergänzt wird der Speicher von einer bereits im Bau befindlichen 50-Megawatt-Solaranlage in der Nähe der Krater. Sie soll rund 100 Millionen Dollar kosten und 145000 Megawattstunden im Jahr produzieren. Ende des kommenden Jahres soll sie fertiggestellt sein.

Die Australian Renewable Energy Agency unterstützt das 282 Millionen Dollar teure Projekt. Denn über das Land verstreut liegen insgesamt rund 50000 verlassene Minen, für die eine neue Verwendung sinnvoll wäre. Von dem Pilotprojekt erhofft sich die Behörde Erkenntnisse, die künftig auf andere ehemalige Bergwerke übertragen werden könnten. „Es existieren Hunderte Orte in Australien, an denen noch größere Höhendifferenzen zwischen dem oberen und dem unteren Reservoir bestehen“, sagte Andrew Blakers von der Australian National University der Zeitung „The Guardian“.

Geschäftsführer von Genex ist Simon Kidston, nach dessen Ur-Ur-Großvater William Kidston das Städtchen am Copperfield River einst benannt wurde. Er rechnet vor, dass die Anlage durch das Verwenden der vorhandenen Rechte und der Infrastruktur der ehemaligen Mine nur ein Fünftel bis ein Viertel eines herkömmlichen Pumpspeicherkraftwerks kosten würde.

MICHAEL REILLY