Technology Review 11/2016
S. 76
Fokus
Maker

Plötzlich Firma

Vom Bastler zum Start-up-Gründer: Für ihren Tisch-Lasercutter Mr Beam erhielten drei Freunde 180000 Euro per Crowdfunding. Was Maker erwartet, wenn sie fast fünfmal so viele Geräte herstellen müssen wie geplant.

Teja Philipp hat ein gutes Gedächtnis für technische Details. Mit leuchtenden Augen rattert er Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums herunter und stellt gestikulierend die Funktionsweise der Spiegel nach, die den Strahl eines Gasröhren-Lasercutters über eine Arbeitsfläche lenken. Auch mit der leistungsschwächeren, aber günstigeren Laserdiode kennt sich der Münchner inzwischen bestens aus. Dabei ist Philipp eigentlich Informatiker und wusste bis vor drei Jahren noch fast nichts über Lasertechnik – bis er anfing, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Mit seinem neuen Team tüftelt Teja Philipp (hinten links) an einem verbesserten Modell seines Heim-Lasercutters Mr Beam. Foto: Mr Beam

Bei privaten Tüfteleien hatte der 37-Jährige festgestellt, dass sich Bastelmaterialien wie Pappe, Kork oder Holz mit einem Diodenlaser leicht und präzise bearbeiten lassen, nicht nur, wenn es darum geht, scharfkantige Schnitte zu setzen, sondern auch, um Gravuren in eine Oberfläche einzuritzen. Das perfekte Werkzeug also, um Geschenke herzustellen, befand Philipp. Das Problem: Lasercutter sind zwar in der Industrie weit verbreitet. Für Heimwerker sind die Profigeräte bei einem Preis von mehreren Tausend Euro dagegen viel zu teuer, außerdem zu unhandlich. Philipp beschloss, das zu ändern – und machte sich daran, selbst einen Prototyp für einen Lasercutter zu entwickeln.