Technology Review 12/2016
S. 19
Aktuell

IT-Sicherheit

Einloggen mit Gehirnströmen

Nach Fingerabdrücken und Irismustern könnten Computer und Smartphones schon bald Hirnströme nutzen, um befugte von unbefugten Nutzern zu unterscheiden. Denn John Chuang und Kollegen von der University of California in Berkeley haben gezeigt, dass man für diese Zwecke preisgünstige Hirnschnittstellen-Headsets verwenden kann.

Dass die EEG-Muster sich prinzipiell als biometrische Merkmale für Zugangskontrollen eignen, ist genau genommen nicht ganz neu: Schon 2005 konnten Julie Thorpe und Kollegen von der University of Ontario erstmals zeigen, dass „Passthoughts“, also im Geist gesprochene Passwörter, EEG-Muster erzeugen, die spezifisch genug sind, um User voneinander zu unterscheiden. Allerdings verwendeten Thorpe und Kollegen, wie auch andere Forscher nach ihnen, EEG-Kappen mit bis zu 24 Elektroden, die mit einem leitfähigen Gel auf der Kopfhaut platziert werden.

Chuang und sein Team setzen dagegen auf wesentlich einfachere Hardware, die für Computerspiele verwendet wird. Das NeuroSky MindWave Headset etwa misst Hirnströme über eine Elektrode, die auf der Stirn des Users aufliegt. Die Forscher bauten diese Elektrode in einen Ohrhörer ein. Zwölf Probanden ließen die Forscher dann jeweils zweimal fünf verschiedene Denkaufgaben erledigen – sich zu entspannen beispielsweise, sich eine Bewegung vorzustellen oder im Geist ein kurzes Lied zu singen. Das System erkannte die Person mit einer Treffergenauigkeit zwischen 72 und 80 Prozent. WOLFGANG STIELER

App des Monats

#Hacked

Wem kann ich wirklich trauen? Wer versucht mich zu manipulieren? Wer will mir falsche Informationen unterschieben oder meine Daten stehlen? „#Hacked“ ist ein webbasiertes Spiel, das den Gamer mit Texten, Audio- und Videoclips mitten in den Cyberkrieg versetzt, der den blutigen Bürgerkrieg in Syrien begleitet. Das Spiel läuft in allen gängigen Browsern – allerdings nur auf Englisch.

Der Spieler wird in die Rolle eines Journalisten versetzt, der in der kürzestmöglichen Zeit ein Dossier über diesen Cyberkrieg zusammenstellen muss. Dafür muss er durch ein virtuelles Minenfeld voller Computerviren, Hacker und potenziell unzuverlässiger Quellen navigieren.

Das aufwendig gemachte „News Game“ stützt sich nach Angaben der Macher auf reale Personen, Erfahrungen, Ereignisse und Untersuchungsergebnisse des IT-Sicherheitsspezialisten FireEye.

Das i-Tüpfelchen an Realismus ist jedoch die Quelle des Spiels selbst: „#Hacked“ wurde vom englischsprachigen Ableger des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera produziert, weil der Sender selbst in den virtuellen Krieg hineingezogen wurde, als ihn Hacker der regimetreuen Syrian Electronic Army (SEA) angegriffen haben. Al Jazeera verfolgt nach eigenen Angaben rein journalistische Ziele. Kritiker werfen dem Sender aber vor, immer wieder den Interessen des Herrscherhauses von Katar zu dienen. WOLFGANG STIELER