Technology Review Special 2016
S. 40
Medizin

Nachruf

Isabelle Dinoire: Die Frau mit dem fremden Gesicht

Isabelle Dinoire erhielt als Erste eine Gesichtstransplantation. Am 22. April starb die Französin im Alter von 49 Jahren an Krebs. Foto: Bernard Wis/ Paris Match/ Getty Images

Für die Medizin bedeutete es vor gut zehn Jahren einen riesigen Fortschritt. Für die Patientin entpuppte sich die erste partielle Gesichtstransplantation nicht nur als Geschenk, sondern auch als Bürde.

Die gelernte Schneiderin hatte einen Großteil der unteren Gesichtshälfte im Frühjahr 2005 durch einen nächtlichen Angriff ihres Hundes verloren. Aufgrund einer großen Dosis Schlafmittel hatte sie die Bisse nicht bemerkt. Als Chirurg Bernard Devauchelle die schweren Verletzungen sah, stand für ihn fest: Er würde die Transplantation wagen. „Wir waren so weit, wir wussten genau, was wir zu tun hatten“, erinnert sich Devauchelles Kollegin Sylvie Testelin. Ende November 2005 begann die Operation am Centre Hospitalier Universitaire Amiens-Picardie. Sie dauerte 15 Stunden, die Mediziner übertrugen ein Dreieck aus Nase, Lippen und unterer Wangenpartie einer Spenderin.

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Nachruf

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte: Opfer des Klimawandels

Der steigende Meeresspiegel in der Torres Strait wurde der Mosaikschwanzratte auf Bramble Cay zum Verhängnis. Foto: Polaris/ Laif

Bramble Cay ist eine von knapp 300 Inseln in der Torres Strait zwischen Australien und Papua-Neuguinea. Sie ist etwa dreimal so groß wie ein Fußballfeld und ragt maximal drei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Genau das wurde ihrem prominentesten Bewohner offenbar zum Verhängnis: der Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola). Sie wurde noch nirgendwo außerhalb der namensgebenden Koralleninsel gesichtet. Und seit 2009 auch dort nicht mehr. Zuletzt suchten australische Forscher im September 2014 mit 900 Lebendfallen und 60 Kamerafallen vergeblich nach Spuren. Der jährlich um rund sechs Millimeter ansteigende Meeresspiegel der Torres Strait hatte die Insel offenbar so regelmäßig überflutet, dass keiner der Nager mehr überlebte.

Im Juni 2016 wurde die Mosaikschwanzratte offiziell für ausgestorben erklärt. Sollten keine bisher unentdeckten Populationen in Papua-Neuguinea mehr auftauchen, ist sie das erste dokumentierte Säugetier, das wegen des menschengemachten Klimawandels ausgestorben ist. Allerdings dürften laufend Tierarten verschwinden, ohne dass es bemerkt wird. G. HONSEL