Technology Review 3/2016
S. 14
Aktuell

MEDIZIN

Neues Augenlicht für Blinde

Nur drei mal drei Millimeter klein, aber eine große Hilfe: das Implantat. Foto: Retina Implant

Sie kann die Uhr wieder lesen, das Besteck auf dem Tisch erkennen und sogar die reflektierten Sonnenstrahlen auf einem Auto sehen: Die Britin Rhian Lewis war die erste Patientin, die am John Radcliffe Hospital in Oxford ein mikroelektronisches Netzhautimplantat bekam. Fünf weitere Patienten sollen folgen. Entwickelt wurde der drei mal drei Millimeter große Chip, der mit einem hinter dem Ohr platzierten Steuerungselement verbunden ist, von der deutschen Firma Retina Implant (siehe TR 5/2014, S. 45). Die Behandlung eignet sich für Blinde, deren Sehnerven und die zugehörigen Hirnfunktionen noch intakt sind. Lewis zum Beispiel leidet an Retinitis pigmentosa. Bei dieser Form der Netzhautdegeneration werden die lichtempfindlichen Sinneszellen zerstört.

Das Implantat verfügt über Sensoren für 1500 Bildpunkte. Dies genügt, um die Sehkraft der Patienten zu zehn Prozent wieder herzustellen und ihnen eine selbstständige Orientierung zu ermöglichen. In Großbritannien soll das Implantat dem nationalen Gesundheitssystem ab 2018 zur Verfügung stehen. Die Entwickler hoffen, dass ihr Chip künftig auch anderen Sehbehinderten helfen kann wie den von altersbedingter Makula-Degeneration Betroffenen. INGE WÜNNENBERG

durch Selfies hat das Webportal Priceonomics in den letzten beiden Jahren gezählt. Damit sind die Selbstporträts gefährlicher als etwa Haie oder der Mount Everest. Drei Viertel der Opfer waren männlich, ihr Durchschnittsalter betrug 21 Jahre. Die meisten starben beim Versuch, sich bei waghalsigen Klettereien abzulichten – oft angestachelt von Followern in den sozialen Netzen.

Akustik

Klare Ansagen

Nur Bahnhof verstanden? Eine neue Software schafft Abhilfe. Foto: Daniel Schmidt/ Fraunhofer IDMT

Häufig versteht man Durchsagen auf Bahnhöfen oder Flughäfen nicht, weil sie zu leise sind. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) haben nun ein System namens Adapt DRC entwickelt, das den Umgebungslärm per Mikrofon erfasst. Droht ein durchfahrender Güterzug eine Ansage zu übertönen, hält es dagegen.

Dabei genügt es nicht, einfach insgesamt die Lautstärke zu erhöhen. Das würde zu Verzerrungen führen und die Verständlichkeit nicht unbedingt erhöhen. „Unsere Algorithmen sind in der Lage, bestimmte Frequenzen zu gewichten und zum richtigen Zeitpunkt genau jene zu verstärken, die durch die Umgebungsgeräusche besonders gestört werden“, sagt Projektleiter Jan Rennies-Hochmuth. Vokale, die sich aufgrund ihrer Länge und Frequenz normalerweise einfacher verstehen lassen, verstärkt das System also weniger als Konsonanten wie „t“, „k“ oder „p“, die schnell missverstanden werden.

Die Technik soll nicht nur bei Lautsprecherdurchsagen Verwendung finden. Auch in der Konferenztechnik oder bei Handygesprächen könnte sie nützlich sein. BEN SCHWAN