Technology Review 7/2016
S. 26
Am Markt

Verkehr

Keine Angst vorm Anhänger

Gerade das Rückwärtsfahren mit Anhänger ist für viele Autofahrer ein Graus. Oft ist die Sicht nach hinten schlecht, und beim Lenken muss man um die Ecke denken: Lenkt das Auto nach links, fährt der Anhänger nach rechts. Zumindest für Käufer des neuen Audi Q7 gibt es jetzt Abhilfe. Zusammen mit dem Zulieferer Westfalia hat Audi einen Anhängerassistenten entwickelt, der dem Fahrer das Lenken beim Rückwärtsfahren mit Anhänger abnimmt.

Dabei steuert der Fahrer das Gespann über den großen Drehknopf des Multimediasystems und gibt so die Richtung vor. Der Bildschirm in der Mittelkonsole zeigt den Blick von zwei Kameras nach hinten am Anhänger vorbei. Zusätzlich wird mit Hilfslinien der eingestellte Kurvenverlauf dargestellt. Das Lenkrad betätigt der Anhängerassistent. Der Fahrer muss nur noch Gas geben und bremsen.

Produkt: Anhängerassistent Hersteller: Audi Preis: 1350 Euro Link: bit.ly/1TXrQGG

Ausprobiert

Auf den Hund gekommen

Mit Pavlok lassen sich schlechte Angewohnheiten ablegen. Auf ganz neue Art.

Mein erster Kontakt mit Pavlok war schon ein schlechter Start. Nachdem ich das rechteckige Teil mit seinen zwei großen Metallflächen über die USB-Buchse komplett aufgeladen hatte, wollte ich es durch Druck auf das Blitzsymbol einschalten – und bekam ordentlich einen gewischt. Ein Gefühl, wie man es vom Weidezaun her kennt. Dabei waren das nur 50 Prozent der möglichen Schockstärke. Okay, das Einschalten war wohl überflüssig, aber die Funktion von Pavlok ist damit schon weitestgehend erklärt.

Die Idee des US-Amerikaners und Pavlok-Erfinders Maneesh Sethi war es nämlich, sich schlechte Angewohnheiten mithilfe von Elektroschocks abzugewöhnen. Das kam in den USA so gut an, dass Sethi fast 300000 Dollar über Crowdfunding einsammeln konnte.

Pate stehen die Experimente des russischen Verhaltensforschers Iwan Petrowitsch Pawlow. Der hatte seinen Versuchshunden für einen bestimmten Zeitraum beim Fressen einen Glockenton vorgespielt. Anschließend entwickelten die Tiere schon beim bloßen Erklingen des Glockentons starken Speichelfluss.

Diese Konditionierung funktioniert auch beim Menschen. Das Pavlok´sche Armband soll schlechte Angewohnheiten, wie etwa das Rauchen, durch gleichzeitige Gabe von Elektroschocks nach kurzer Zeit so unattraktiv machen, dass kein Verlangen danach mehr besteht.

Die Stärke der Schocks lässt sich in der App einstellen. Bei voller Leistung ist es ein Impuls von 450 Volt, der zwischen den Elektroden anliegt.

Der Haken ist nur: Man muss sich die Elektroschocks selbst beibringen. Und wenn ich schon selbst den Willen dazu aufbringen muss, kann ich auch gleich von meiner schlechten Angewohnheit ablassen. Zwar gibt es eine App, mit der sich Pavlok fernsteuern lässt. Man könnte also Freunde bitten, die einen beim Rauchen erwischen, den Elektroschock auszulösen. Ursprünglich aber sollte Pavlok auch Geodaten nutzen und den Träger etwa beim Betreten von Fast-Food-Restaurants oder beim Öffnen der Facebook-App schocken. Doch diese Funktionen fehlen bisher.

Produkt: Pavlok Hersteller: Behavioral Technology Group Preis:199Dollar Link: pavlok.com