Technology Review 7/2016
S. 15
Aktuell

OUTDOOR

Mikrowelle zum Mitnehmen

Deckel auf, Essen rein – fertig. Foto… wayvtech.com

Gas, Benzin oder Spiritus – bisher konnten Outdoorfreunde nur unter diesen Optionen wählen, um unterwegs etwas Warmes zu Essen zu bekommen. Das US-Start-up Wayv bringt nun eine weitere Variante ins Spiel: die Mikrowelle. Das Gerät namens „Adventurer“ ähnelt einer Thermoskanne und wiegt 1,2 Kilogramm. Eine Akkuladung reicht laut Hersteller aus, um bis zu sechs Mahlzeiten oder Getränken mit 200 Watt einzuheizen. Unter dem Deckel verbergen sich das Bedien-Panel und ein Topf, der sich zur Reinigung entnehmen lässt. Er fasst 900 Milliliter, nutzen lassen sich davon aber nur 100 bis 500 Milliliter.

Über eine Solaranlage oder eine Bordsteckdose kann der Wechselakku geladen werden. Da es keine offene Flamme oder Abgase gibt, eignet sich das Gerät auch, um in Zelten oder feuergefährdeten Gegenden zu kochen.

Anfang 2017 soll die Mikrowelle in den USA auf den Markt kommen. GREGOR HONSEL

Raumfahrt

Gemüse fürs Weltall

Gewächshaus im Container: Modellzeichnung für das DLR-Projekt am Südpol. Rendering: LIQUIFER

Um Langzeitmissionen im All künftig mit frischem Grünzeug zu versorgen, wird Paul Zabel, Ingenieur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), zum Gärtner. Von Dezember 2017 an wird er im Rahmen des EDEN-ISS-Programms in einem Container nahe der Neumayer-Station III am Südpol ein Jahr lang Gurken, Tomaten, Kräuter und Salat ziehen.

Die Bedingungen sollen jenen im Weltraum so weit wie möglich ähneln: Die Pflanzen werden ohne Erde, bei künstlichem Licht und mit der Zugabe von Nährstofflösungen und Kohlendioxid wachsen.

Auch das Szenario in der Antarktis erinnert an die Herausforderungen im All: „Man hat kaum Nachschubmöglichkeiten, nicht immer das entsprechend technisch ausgebildete Personal vor Ort, und man kann auch nicht immer die entsprechenden Ersatzteile kaufen“, sagt Zabel. Dass er am Pol auf gefräßige Insekten trifft, glaubt der 28-Jährige zwar nicht: „Aber Pilzbefall muss ich frühzeitig erkennen können, um einzugreifen.“ INGE WÜNNENBERG

VERKEHR

Eine App für alles

„Intermodales Reisen“ ist ein häufiges Schlagwort, wenn es um die Zukunft des Verkehrs geht. Damit ist gemeint, dass ein Reisender nahtlos zwischen Bahn, Bus, Fahrrad oder Leihwagen hin- und herwechseln kann, je nachdem, was gerade schneller, bequemer, preiswerter oder umweltfreundlicher ist. Doch wer schon einmal ratlos vor dem Fahrkartenautomaten einer fremden Stadt stand, der weiß, dass es mit der Intermodalität in der Praxis noch nicht weit her ist. Ein vom Bund gefördertes Projekt von Verkehrsbetrieben, Forschungsinstituten und Firmen in Sachsen-Anhalt und Thüringen will nun ernst machen mit dem flexiblen Reisen. Kern der „Grünen Mobilitätskette“ ist eine App, über die sich unter anderem Tickets mehrerer Verkehrsverbünde kaufen lassen. Klingt trivial, ist aber etwa mit der App „DB Navigator“ der Deutschen Bahn nicht möglich. Außerdem soll die App auch Zugang zu Carsharing und Leihrädern bieten oder bei der Suche nach einer Ladesäule helfen. Auch das leidige Problem, den Strom aus der Ladesäule zu bezahlen, will der Verbund angehen: Eine Chipkarte der Stadtwerke Chemnitz, mit der bisher Bahnen und Busse bezahlt werden konnten, soll künftig auch Ladesäulen freischalten. GREGOR HONSEL

WINDKRAFT

Auf Wasser bauen

Anker halten das luftgefüllte Fundament unter Wasser. Rendering: BALTIC Taucher

Schwimmende Fundamente für Windkraftanlagen sind eine preiswerte Alternative zu fest auf dem Meeresboden installierten Stativen (siehe TR 4/2012, S. 28). Bislang dienen dazu hauptsächlich sogenannte Spar-Bojen aus der Gas- und Ölindustrie. Doch diese riesigen Stahlzylinder benötigen tiefe, windgeschützte Buchten und starke Kranschiffe.

An einem günstigen Schwimmfundament, das ohne Kranschiffe auskommt, versucht sich die Dresdner Firma Gicon. Deren schwimmendes Offshore-Fundament besteht aus einem rechteckigen, luftgefüllten Stahlgerüst, das von Schwergewichtsankern unter Wasser gehalten wird. So liegt es stabil in der See. Innovativ ist vor allem das Errichtungsprozedere: Die gesamte Anlage wird im Hafen aufgebaut, getestet und anschließend auf See geschleppt. Der Anker hängt währenddessen unter dem Fundament. Erst am Ziel wird er geflutet und auf den Grund gesenkt. Laut Gicon lassen sich auf diese Weise Wassertiefen von 18 bis 500 Metern erschließen. Die erste Demoanlage soll in diesem Herbst vor Mecklenburg-Vorpommern entstehen. „Wir wollen mit den Stromgestehungskosten unter zehn Cent je Kilowattstunde kommen“, sagt Karsten Köpke, Fachbereichsleiter Offshore-Windenergie bei Gicon. Noch ist man bei rund 20 Cent. DANIEL HAUTMANN

ENERGIE

Im Winter mit der Wärme des Sommers heizen

Große Wassertanks eignen sich als Wärmespeicher für ganze Wohnblöcke. Nun soll es möglich sein, auch kleinere Häuser im Winter mit der Wärme des vorherigen Sommers zu heizen. Dafür entwickelten Henner Kerskes, Leiter des SolSpaces-Projekts, und seine Kollegen von der Universität Stuttgart einen nur 4,3 Kubikmeter großen Sorptionswärmespeicher. Gefüllt mit Zeolith-Granulat, einem Trocknungsmittel, konnte er etwa 700 Kilowattstunden (kWh) Wärme speichern und heizte einen ganzen Winter lang bis Ende Februar ein 43 Quadratmeter großes Testgebäude.

Zum Aufladen nutzten die Wissenschaftler bis zu 180 Grad Celsius heiße Luft, die von Sonnenkollektoren auf dem Hausdach aufgeheizt wurde. Dabei konnte gebundenes Wasser aus dem Zeolith-Granulat getrieben werden. Im Winter wurde dann wiederum Feuchtigkeit zugesetzt; das Material nahm das Wasser auf und setzte dabei Wärme frei. Bis Ende Februar wurden dem Speicher mit einer relativ hohen Energiedichte von 163 kWh pro Kubikmeter etwa 573 kWh entnommen. Um einen Sorptionswärmespeicher nutzen zu können, benötigen Einfamilienhäuser jedoch vor allem eine ausreichend große Dachfläche. JAN OLIVER LÖFKEN

SPORT

Interaktive Tischtennisplatte

Tisch mit aufprojizierter Statistik. Foto: Thomas Mayer

Der Interaktions-Designer Thomas Mayer hat im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit die gute alte Tischtennisplatte zu einem interaktiven Trainingsgerät gemacht. Zwei PlayStation-Kameras verfolgen den Ball, ein HD-Projektor projiziert Bilder auf die Platte. Damit kann man verschiedene Spielereien oder ernsthafte Übungen realisieren: So lassen sich zum Aufschlagtraining beispielsweise Felder einblenden, die der Spieler treffen soll; virtuelle Leuchtspuren dokumentieren den Verlauf eines Ballwechsels; eine eingeblendete Statistik gibt Aufschluss über Stärken und Schwächen des Spielers. Auch ganz neue Spielideen sind so möglich: In einer Variante etwa bekommt der Spieler nur dann einen Punkt, wenn er einen beweglichen Fleck trifft. Bedient wird das Ganze per Fingerzeig auf eingeblendete Symbole. Noch gibt’s den „Table Tennis Trainer“ nur als Prototyp. Auf einer Ausstellung lief er aber schon mehrere Stunden erfolgreich durch. BEN SCHWAN