Technology Review 7/2016
S. 14
Aktuell

Medizin

Drogen gegen Depressionen

Aus sogenannten Magic Mushrooms stammt der Wirkstoff Psilocybin . Foto: Wikipedia

Für seine Forschung muss der Brite Robin Carhart-Harris hart kämpfen. Der ausgebildete Psychoanalytiker setzte vor zwei Jahren als erster Wissenschaftler in Großbritannien trotz Drogenverbots durch, das „Unbewusste“ mithilfe von LSD zu erkunden. Jetzt landete der 36-Jährige gemeinsam mit dem umstrittenen Drogenforscher David Nutt den nächsten Coup: Er untersuchte, ob ein kontrollierter Trip mit dem psychedelischen Wirkstoff Psilocybin aus sogenannten Magic Mushrooms gegen Depressionen hilft. An der Studie, die jetzt im Magazin „The Lancet Psychiatry“ (dx.doi.org/10.1016/ S2215-0366(16)30065-7) erschien, nahmen indes nur zwölf Personen teil – Langzeitdepressive mit Drogenerfahrung, bei denen zuvor keine andere Therapie anschlug. Alle Probanden berichteten über unangenehme Begleiterscheinungen wie Angstgefühle. Aber schwerere Nebenwirkungen traten während der beiden Drogentrips offenbar nicht auf. Dafür gingen die Depressionen bei der Hälfte der Teilnehmer zurück. Der Effekt hielt auch noch drei Monate später an – ein Hoffnungsschimmer für jene 20 Prozent der rund 350 Millionen depressiven Menschen weltweit, für die es bisher keine effektive Therapie gibt. Carhart-Harris will nun eine größere Probandengruppe untersuchen. INGE WÜNNENBERG

GESUNDHEIT

Freund und Helfer auf vier Rädern

Hier geht’s lang: Der smarte Rollator weist den Weg. Fotos: Siemens

Die Bevölkerung in den Industrieländern wird älter und ist zunehmend mit Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats konfrontiert. Um Abhilfe zu schaffen, haben Forscher den „FriWalk“ (Friendly Robot Walker) entwickelt. Der vierrädrige Rollator ist ausgestattet mit Tiefensensoren, Kameras und einem Tablet. Trägt der Benutzer Schuheinlagen mit Drucksensoren, können Informationen über Position, Druckkraft und Ausrichtung der Füße, über Länge und Breite der Schritte sowie den Gehrhythmus gewonnen werden. Für Mediziner kann das Gerät bei Gang-analysen künftig den Laufteppich ersetzen. Neben der Version für Ärzte planen die Entwickler um Projektleiter Luigi Palopoli von der italienischen Università di Trento den privaten Einsatz als Personal Trainer. Die Nutzer können sich zudem über das Tablet vernetzen, sich Freizeitaktivitäten vorschlagen und den Herzschlag überwachen lassen. Die Testphase mit 100 Senioren soll Ende 2018 abgeschlossen sein.

Hilfsmittel dieser Art sind Ziel des Programms ACANTO (A CyberphysicAl social NeTwOrk). An der von der EU mit 4,3 Millionen Euro unterstützten Initiative beteiligen sich Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen aus sechs Ländern. INGE WÜNNENBERG

hat der Apple-Zulieferer Foxconn in seinem Werk in Kunshan durch Roboter ersetzt, um die Lohnkosten zu reduzieren. Nun arbeiten in der Fabrik in der südchinesischen Provinz Jiangsu noch 50000 Menschen.