Technology Review 8/2016
S. 40
Horizonte
Raumfahrt

Raumschiff Orion

Die Orion-Kapsel soll Menschen bis zum Mars bringen. Die erste Bewährungsprobe hat sie schon bestanden.

Eine kegelförmige Raumkapsel, darunter ein separates Versorgungsmodul; Start mit einer Einwegrakete, Landung an Fallschirmen im Meer. Klingt vertraut? Ist es auch. Das „Orion Multi-Purpose Crew Vehicle“ (MPCV) ist gleichzeitig Zukunft und Vergangenheit der Nasa. Sein Design orientiert sich an den Apollo-Missionen der 60er- und 70er-Jahre, als habe es nie ein Space Shuttle gegeben. Trotzdem soll das MPCV bis weit ins 21. Jahrhundert als Arbeitspferd der Nasa dienen. Bei den Einsatzmöglichkeiten endet deshalb die Ähnlichkeit mit dem berühmten Vorläufer. Die Vielzweckkapsel soll eine Crew sowohl in den Erdorbit als auch zum Mond oder zum Mars bringen können. Dazu bietet sie mit einem Wohnraum von knapp neun Kubikmetern rund 50 Prozent mehr Platz als das Apollo-Raumschiff. Vier Astronauten soll bis zu einem halben Jahr darin leben können. Die Kapsel baut der US-Hersteller Lockheed Martin, das Versorgungsmodul entsteht bei Airbus in Bremen. Es enthält unter anderem ein Triebwerk, Solarpaneele, Wasser- und Sauerstoffversorgung. Der Jungfernflug in die Erdumlaufbahn fand Ende 2014 statt. Für 2018 ist eine Mondmission geplant. Irgendwann in den 2020er-Jahren steht der erste bemannte Flug an. Unsere Fotostrecke bietet einen Einblick in die Labore und Werkstätten, in denen das Raumschiff entwickelt wird.

Crashtest-Dummys werden für den Sturz in ein Wasserbecken vorbereitet. Sie tragen bereits die neuen Raumanzüge der Astronauten. Foto: David C. Bowman/NASA
So soll das Raumschiff später mal aussehen. Die Solarpanels gehören zum Versorgungsmodul. Rendering: NASA
Aus knapp fünf Metern Höhe wird die Orion-Kapsel in ein Wasserbecken fallen gelassen, um die Belastungen für die Astronauten bei der Landung zu ermitteln. Foto: NASA/Langley/Flickr
Nach dem Jungfernflug untersuchen Ingenieure die Hitzeschutzkacheln der Kapsel. Sie bestehen aus „Avocat“ – einem Gemisch aus Natriumsilikatfasern und Epoxidharz, das in Waben aus Faserkunststoff eingebettet ist. Das Material kam bereits beim Apollo-Raumschiff zum Einsatz. Während des Flugs durch die Erdatmosphäre baut es sich ab. Foto: Emmett Given/ Marshall Space Flight Center
Ein maßstabsgetreues Modell der Orion-Kapsel dient dazu, die Antennen zu testen. Dazu kommt es in einen Raum, der sämtliche elektromagnetischen Wellen absorbiert, damit die gleichen Bedingungen wie im Weltraum herrschen. Foto: Devin Boldt/ NASA
Sitzprobe in einem Modell der Kapsel. Die Ingenieure wollen herausfinden, ob sich die Drehgriffe und Cursor-Controller (oben) auch in Raumanzügen bedienen lassen. Foto: NASA
Rohbau der Kapsel beim Hersteller Lockheed Martin. Foto: NASA
Das Versorgungsmodul auf dem Akustik-Prüfstand. Dort wird es mit 152 Dezibel bei Frequenzen von 20 bis 10000 Hertz beschallt. Das soll den Lärm und die Vibrationen beim Raketenstart simulieren. Foto: Rami Daud/Alcyon Technical Services JV/LLC/NASA