Technology Review 9/2016
S. 106
Karriere
Ausbildung

Was macht ein Galeniker?

Ob Tabletten, Salben, Zäpfchen oder Tropfen – Galeniker machen aus reinen Wirkstoffen Medikamente und bringen sie in die Darreichungsform, in der sie am besten helfen.

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Medikamente bestehen aus weit mehr als nur dem Wirkstoff. Denn um Leiden heilen oder lindern zu können, müssen sie nicht nur haltbar gemacht werden, sondern auch in Pillen gepresst oder in Flüssigkeit gelöst werden – und an den richtigen Ort im Körper gelangen, ohne zuvor etwa im Magen verdaut zu werden. Dazu dienen unterschiedlichste Hilfsstoffe, und die Aufgabe von Galenikern ist es, für jedes Arzneimittel die passende Formulierung zu finden. Bei einer Tablette zum Beispiel – der häufigsten Arzneimittelform – werden Füllstoffe zugesetzt, weil die Wirkstoffmenge oft so gering ist, dass sie kaum jemand richtig dosieren könnte. Bindemittel halten die unterschiedlichen Stoffe zusammen, Sprengmittel setzen den Wirkstoff bei akuten Schmerzen schnell frei. Wieder andere Hilfsstoffe sorgen dafür, dass ein Wirkstoff im chronischen Fall über den Tag hinweg verteilt wirkt oder transportieren ihn an die gewünschte Körperstelle. „Hilfsstoffe beeinflussen wesentlich die Wirkung des Arzneistoffes“, sagt Marc Schiller, 42. Er ist Galeniker bei Grünenthal, einem Pharmaunternehmen in Aachen mit weltweit etwa 5400 Mitarbeitern.

Galenik ist die Wissenschaft der Zubereitung von Arzneimitteln, auch pharmazeutische Technologie genannt. Chemiker entwickeln die Wirkstoffe, Galeniker verpacken sie in einer Arzneiform. Galeniker wird man durch das Studium der Pharmazie mit anschließendem Praktikum und Approbation. Dann sind die Absolventen Apotheker. „In Deutschland gibt es rund 58000 Apotheker“, sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller in Berlin. „Das Gros arbeitet in Apotheken oder betreibt selbst eine. Etwa zehn Prozent sind in der Industrie angestellt.“

Marc Schiller hat in Tübingen Pharmazie studiert und dabei schon bald Interesse an der Arbeit für die Pharmaindustrie gefunden. „Mich hat die Entwicklung am meisten interessiert“, sagt Schiller, der klassisch als Laborleiter in einem Pharmaunternehmen angefangen hat. Nach fünf Jahren wechselte er als Gruppenleiter in die Arzneimittelentwicklung bei Grünenthal, wurde Abteilungsleiter und ist heute Leiter der Pharmazeutischen Entwicklung.

Zehn Galeniker arbeiten bei Grünenthal in der pharmazeutischen Entwicklung. „Tendenz steigend“, sagt Schiller. Grünenthal zahlt promovierten Galenikern ein Einstiegsgehalt ab 58000 Euro jährlich. Zwei neue Stellen hat das Unternehmen in diesem Jahr geschaffen. Peter Ilg

ausbildung

Mehr Professorinnen an Deutschlands Hochschulen

Im vergangenen Jahr lehrten und forschten 46300 Professoren an deutschen Hochschulen. Laut Statistischem Bundesamt waren das rund 600 mehr als im Jahr zuvor. Damit ist die Gesamtzahl der Professoren in den vergangenen zehn Jahren um 22 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Professorinnen fast verdoppelt und lag Ende 2015 mit rund 10500 Frauen bei 23 Prozent aller Hochschullehrer.

Knapp 13300 Professorinnen und Professoren arbeiten in den Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Der zweite Platz entfällt auf die Ingenieurwissenschaften. Die höchsten Frauenanteile gibt es bei den Geisteswissenschaften (36 Prozent) und den Kunstwissenschaften (32 Prozent).

Insgesamt 1627 Wissenschaftler haben 2015 ihre Habilitation abgelegt, die Hälfte davon in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften. Während die Anzahl der Habilitationen im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert blieb, erhöhte sich der Frauenanteil unter den Habilitanden um zwei auf 28 Prozent. 2005 waren erst 23 Prozent der Prüflinge Frauen.

Das Statistische Bundesamt führt die zunehmende Zahl von Professorinnen auf die konsequente Förderung von Frauen in Bildung und Gesellschaft zurück. PETER ILG

Gehälter

Was Frauen in Technik und IT verdienen

Quelle: gehalt.de

Trotz Fachkräftemangels verdienen Frauen auch in MINT-Berufen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist eines der Ergebnisse einer Gehaltsanalyse des Hamburger Vergleichsportals Gehalt.de. Untersucht wurden fast 5000 Gehaltsdatensätze von Absolventen der Studienrichtungen. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT). PETER ILG

Arbeitsmarkt

Mehrheit ist mobil

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen würde für ihren Job den Wohnort wechseln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Technischen Universität München. Dabei zeigten Frauen mit 43 Prozent eine höhere Bereitschaft, ihren Wohnort innerhalb Deutschlands zu wechseln, als Männer (36 Prozent). Männer sind aber mit 31 Prozent eher bereit, ihren Wohnort dauerhaft weltweit zu verlegen, als Frauen (23 Prozent). Die Präferenz bei einem beruflichen Wohnortwechsel liegt also klar innerhalb Deutschlands. Insgesamt sind nur sieben von hundert Arbeitnehmern überhaupt nicht bereit, für die Arbeit umzuziehen. Auch mit zunehmendem Alter geht Mobilität nicht verloren. Für die Studie der TU München wurden rund 400 Absolventen und Berufstätige befragt. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 30 Jahren, ein Viertel hatte Berufserfahrung, die dominierenden Fachrichtungen waren Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Beide Geschlechter waren zu etwa gleichen Teilen vertreten.

Bei einem Jobwechsel zieht es die meisten Menschen laut der Beratungsgesellschaft Deloitte in Metropolen. Maßgeblich dafür sei die Infrastruktur. Kaum eine Rolle spielte indes, ob die Stadt eine hohe Zahl potenzieller Arbeitgeber habe. Letztendlich aber zählt das Gehalt bei der Jobwahl. PETER ILG