Technology Review 9/2016
S. 54
Horizonte
TR 50

Deutsche Post/DHL Experimente bitte!

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Deutsche Post immer noch ein langsamer halbstaatlicher Konzern. Unter der Oberfläche aber sieht es insbesondere bei der Tochter DHL anders aus. In vielen Bereichen der Logistik ist sie mittlerweile Amazon voraus.

Eigentlich kann nicht gewinnen, wer DHL lobt. Auf der Facebook-Seite „DHL Paket“ sind sich Postkunden einig: Keine Experimente bitte! Welche Neuerung das DHL-Marketing auch ankündigt – Lieferung per Drohne, Wunschzustellung zwischen 18 und 21 Uhr, wahlweise in den Kofferraum des eigenen Pkws – innerhalb von Minuten ziehen die Jubelmeldungen hämische Kommentare auf sich, Tenor: Sorgt einfach dafür, dass meine Pakete ankommen und der Paketbote nicht nur Abholkarten einwirft, sondern tatsächlich klingelt.

„Unsere Zusteller liefern jeden Werktag mehr als 3,9 Millionen Pakete aus. Knapp 90 Prozent erreichen ihre Empfänger bereits am nächsten Werktag“, meint dazu die zuständige DHL-Sprecherin. „Das schafft kein anderes Postunternehmen in Europa.“ Doch auf Nachfrage stellt sich heraus: Auch sie hatte privat schon mal Paketärger.

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24M Schlammige Akkus

Das US-Start-up 24M will die Produktion von Lithium-Ionen-Akkus einfacher, schneller und günstiger machen.

Außer Blätterteig sind Lithium-Ionen-Batterien das einzige Produkt, das ich kenne, bei dem man derart viele dünne Schichten nimmt, um auf Volumen zu kommen“, sagt Yet-Ming Chiang, Materialwissenschaftler am MIT. Für eine Zelle werden viele dünne Elektrodenschichten aufeinandergelegt. Mit seinem Start-up 24M hat Chiang nun eine halbfeste Elektrode entwickelt, die sich einfacher produzieren lässt. Pulver aus Lithium-Eisenphosphat und Graphit wird dazu mit einem flüssigen Elektrolyten zu einem zähen Schlamm vermischt. So lässt sich mehr Speichermaterial in den Zellen unterbringen, was die Energiedichte um 15 bis 25 Prozent steigert. Außerdem soll die Produktion schneller und billiger werden, weil die Maschinen für das Beschichten, Trocknen, Schneiden und Komprimieren des Elektrodenfilms wegfallen. 24M will seine Zellen mit einem Fünftel der Zeit in viel kleineren Fabriken herstellen.

Damit könnte es 24M als einem der ersten Unternehmen gelingen, die Kosten von Lithium-Ionen-Batterien von heute 200 bis 250 Dollar auf weniger als 100 Dollar pro Kilowattstunde zu senken. Etwa ab diesem Punkt sind Elektroautos nicht mehr teurer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Um dieses Ziel bis 2020 zu erreichen, will 24M seine Pilotfertigung in Massachusetts auf eine Massenproduktion hochskalieren. Für das nächste Jahr ist der Bau einer Fabrik geplant, wahrscheinlich mit einem großen Industrieunternehmen als Partner. Das erste Produkt soll Anfang 2018 herauskommen, zunächst als Pufferspeicher für Wind- und Solarkraftwerke.

Das Elektrodenmaterial von 24M hat eine teigartige Konsistenz. Foto: Adam DeTour

Daneben spricht das Unternehmen auch mit Herstellern von Elektroautos, doch die stehen nicht im Vordergrund. Kein Wunder, dass Chiang hier vorsichtig ist: 2012 ging der von ihm mitgegründete Akkuhersteller A123 Systems pleite, weil er zu viel Geld in große Batteriefabriken für die Autobranche gesteckt hatte. Die Produktion von 24M soll sich dagegen bei Bedarf einfach hochskalieren lassen, so Chiang.

Seven Bridges

Millionen Genome zu analysieren, so lautet das Ziel des US-Datenanalysten. Dabei konzentriert sich Seven Bridges auf individuelle Varianten. Die Firma beteiligt sich an der Krebsforschung, der Entwicklung von Medikamenten und der Präzisionsmedizin.

Skeleton Technologies

Graphen gilt zwar als wahres Wundermaterial, echte Anwendungen gibt es aber kaum. Die deutsche Firma Skeleton Technologies hat einen Graphen-Superkondensator mit Rekord-Energiedichte entwickelt. Er soll jetzt in Luftschiffen zum Einsatz kommen.

SNAPCHAT

Der kostenlose Instant-Messaging-Dienst hat sich in kurzer Zeit zum Mobil-Liebling entwickelt und ist längst über die jugendliche Zielgruppe hinausgewachsen. Schnittstellen für Werbetreibende sollen diesen Erfolg jetzt zu Geld machen: So tauchen im Format „Stories“ künftig Anzeigen, Werbepartner und Clips zwischen den Elementen auf.

Sonnen

Batterie, Wechselrichter und Software zur Optimierung des Eigenverbrauchs – dies bieten viele Firmen. Das Allgäuer Start-up Sonnen geht einen Schritt weiter: Es verbindet die Kunden zu einer Community, die untereinander Strom austauscht – und damit die Selbstversorgung auf eine neue Stufe hebt. 2000 Mitglieder hat die Community bereits. Ende des Jahres will Sonnen 20000 Speicher verkauft haben.

SpaceX

Als die letzte Ausgabe der TR 50 erschien, war gerade eine SpaceX-Rakete beim Start explodiert, und eine sichere Landung von Raketen dreimal hintereinander gescheitert. Fünfmal gelang es Elon Musk seitdem, eine Rakete unbeschadet zurück auf die Erde zu bringen. Im September soll nun erstmals eine gebrauchte Rakete ins All starten.

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Nvidia Spielerisch intelligent

Seit Jahren beweist Nvidia, dass man mit Grafikkarten mehr machen kann, als Ballerspiele zu zocken. Jetzt will das Unternehmen die künstliche Intelligenz entscheidend voranbringen.

Grafikchips, die Computerspiele immer realistischer darstellen, bestehen aus Tausenden winzigen Prozessorkernen. Die sind zwar nur auf wenige Rechenoperationen spezialisiert, können sie aber extrem schnell parallel bearbeiten.

Was in den kleinen Kernen sonst noch steckt, demonstrierte die chinesische Regierung recht eindrücklich, als der Supercomputer Tianhe-1a im November 2010 auf der Liste der 500 schnellsten Rechner erstmals die amerikanische Konkurrenz deklassierte – bestückt mit rund 7000 Tesla-Karten von Grafikkartenspezialist Nvidia.