Technology Review 9/2016
S. 34
Horizonte
TR 50

Beyond Meat Gemüse ist mein Fleisch

Foto: Shutterstock

Ethan Brown ist Vegetarier, aber er versucht gar nicht mehr, seinen Sohn im Teenager-Alter von Hamburgern abzubringen. Im Gegenteil: „Von mir aus kann er jeden Tag einen essen.“ Denn Brown ist es mit seiner Firma Beyond Meat nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit gelungen, einen Burger aus Erbsenprotein zu entwickeln, der fast genauso aussieht, riecht und schmeckt wie gehacktes Rindfleisch. Und zwar roh wie gekocht. Das konnte man vom bereits gegarten Vorgängerprodukt namens „The Beast“ nicht behaupten, das ein trockenes Mundgefühl hinterließ, wie man es von Sojahack kennt.

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23andMe DNA-Warenbörse

Das Start-up hat mit seinem Gentest für Endverbraucher eine der weltweit größten DNA-Datenbanken zusammengetragen. Nun durchsiebt Anne Wojcickis kalifornisches Unternehmen 23andMe in seinem Bestreben, den Bestand nutzbar zu machen, das Material nach Hinweisen auf neue Medikamente. Ausgangspunkt des Geschäfts ist der vor neun Jahren herausgebrachte erste Gentest für die Masse: Man zahlt 199 Dollar, spuckt in ein Röhrchen – und kurze Zeit später erhält man einen Einblick in die eigene Erbinformation.

Diese Geschäftsidee trug Wojcicki, der Ex-Frau von Google-Gründer Sergey Brin, einen der ärgerlichsten Briefe ein, den die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA jemals geschrieben hat. Daraufhin musste die Firma mit Sitz im Herzen des Silicon Valley ihr Angebot, eingesandtes Material auf etwa 200 genetisch bedingte Krankheiten und 99 weitere Veranlagungen zu untersuchen, 2013 zurückziehen. Die FDA kritisierte, dass die Prognosen ungenau seien – und obendrein gefährlich für alle, die Schwierigkeiten hätten, die Resultate zu verstehen. Wojcicki entschuldigte sich und bietet seither notgedrungen nur noch „Abstammungstests“ an. Immerhin ist es 23andMe gelungen, in Absprache einige gesundheitsrelevante Parameter wieder hineinzunehmen – zum Beispiel werden Kunden informiert, ob sie Träger von Risikogenen für Mukoviszidose sind.

Foto: 23andMe

Mittlerweile verfügt 23andMe über Erbinformationen von rund 1,2 Millionen Menschen. Allmählich beweisen die Daten ihren Wert. Bereits 2015 verkündete die Firma, sie habe mehr als 13 Pharmaunternehmen einen Zugang zu dem Material verkauft. Der Biotech-Firma Genentech waren die Daten von Parkinsonerkrankten beispielsweise zehn Millionen Dollar wert. Solche Kooperationen will 23andMe ausbauen und kündigte Mitte Juli an, demnächst für zugelassene Studien die benötigten Analysen von Genen und ihren Veränderungen zu übernehmen. Das soll Forschern die Arbeit erleichtern, während die Teilnehmer Zugriff auf ihre Erbinformationen erhalten.

Obendrein verfügt 23andMe über jede Menge Gesundheitsdaten von bereitwilligen Kunden. Sie teilen mit, ob sie Koriander mögen oder Krebs hatten. Jede Woche liefern sie zwei Millionen neue Informationen: wertvolles Wissen für die Entwicklung von Medikamenten, aus dem 23andMe Kapital zu schlagen gedenkt. Im neu eröffneten eigenen Labor will man selbst Behandlungsansätze testen. Jüngst entdeckte Genvarianten bei Frühaufstehern könnten etwa den Weg zu Pharmaka weisen, mit denen sich künftig die Wachsamkeit regulieren ließe. Antonio REGALADO

Hewlett-Packard

Die neuen 3D-Drucker von HP halten Experten für revolutionär. Druckerdüsen tränken Nylonpulver mit zwei verschiedenen Tinten: Die eine leitet Wärme gut, die andere nicht. Wird das Bauteil erhitzt, verbackt nur das Material im Bereich der leitfähigen Tinte, während die andere Tinte präzise Kanten schafft. Laut HP ist das Verfahren bis zu zehnmal so schnell und halb so teuer wie normaler 3D-Druck.

Huawei

Mit gut 33 Milliarden Euro Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2016 liegt der chinesische Telekommunikationshersteller weltweit auf dem dritten Platz. Mit Geräten wie dem Huawei P9 spielt das Unternehmen inzwischen im Bereich der High-End-Smartphones mit und setzt die etablierten Handyhersteller zunehmend unter Druck.

Illumina (Grail)

Der weltgrößte Hersteller für Laborgeräte zur DNA-Sequenzierung arbeitet an einem Bluttest, der Krebszellen aufspüren soll, bevor sich Symptome zeigen. Die Tochterfirma Grail soll den Test für einen Preis von unter 1000 Dollar auf den Markt bringen. Im Juli ist Apples Marketingchef Phil Schiller in den Aufsichtsrat von Illumina berufen worden.

IMPROBABLE

„Wenn du es sehen kannst, kannst du auch dort hingelangen“, sagt Firmengründer und CEO Herman Narula. Mit SpatialOS hat sein Londoner Unternehmen eine Plattform zum Simulieren von großflächigen und komplexen virtuellen Welten entwickelt. Neuester Partner ist HelloVR, das mit MetaWorld Tausende von Spielern gleichzeitig in einem sich ständig weiterentwickelnden digitalen Gelände versammeln will.

Littlebits

Ursprünglich entwickelt, um Grundschulkindern spielerisch die Grundlagen der Elektronik beizubringen, sind die littleBits fast Entwicklerwerkzeuge. Bunte Bausteine, die magnetisch aneinander haften, machen den Entwurf und das Ausprobieren elektronischer Schaltungen zum Kinderspiel.