Technology Review 1/2017
S. 14
Aktuell

VERKEHR

Papierhelm für unterwegs

Einfach entfalten: Ökohelm in Unisize. Fotos: Kimberly Mufferi/ Dyson Foundation

Fahrräder für Touristen bieten inzwischen viele Städte an. Um den nötigen Kopfschutz müssen sich die Nutzer jedoch selbst kümmern. Aber wer will schon jedes Mal einen teuren Helm kaufen, fragte sich die New Yorker Designerin Isis Shiffer. Deshalb hat die überzeugte Radfahrerin den umweltfreundlichen „EcoHelmet“ aus Papier entwickelt. Ihr Ökohelm gewann 2016 den mit rund 37500 Euro dotierten James-Dyson-Award für Nachwuchsdesigner. Zusammengelegt nimmt das Reiseutensil in Unisize wenig Platz ein und lässt sich gut transportieren. Klappt man den Helm jedoch auf, entfaltet er eine Wabenstruktur mit genügend Stabilität, um Stöße aus allen Richtungen abzuhalten. Derzeit ist das Modell mit einem Material versiegelt, das bei Nässe die Funktionstüchtigkeit für drei bis vier Stunden gewährleistet. Die 28-jährige Absolventin des Pratt Institute in New York denkt allerdings über einen noch solideren, biologisch abbaubaren Wasserschutz wie Wachs nach. Außerdem soll es ein integriertes Zeichen geben, wann der Helm auszurangieren ist. Die technische Zulassung durch die Behörden steht noch aus. Falls alles nach Plan geht, soll der Papierhelm 2017 in Produktion gehen. Angeboten werden könnte er etwa für 5 Dollar in Automaten an Fahrradstationen. INGE WÜNNENBERG

ENERGIE

Volle Kante

Kombination aus Windkraft und Photovoltaik Foto: Gewobag

In Berlin ist seit November ein skurriles Kraftwerk namens Windrail in Betrieb. Die Anlage vereint Windkraft und Photovoltaik und klammert sich an die Dachkante („rail“) eines zwölfgeschossigen Wohnhauses in Spandau. Die exponierte Lage sei ideal für die Windernte, so die Berliner Immobiliengesellschaft Gewobag, die das Prinzip gemeinsam mit den Berliner Stadtwerken testen will. Die Windräder nutzen die durch Luftumströmungen am Gebäude erzeugten Druckunterschiede, die entlang der Fassade zum Dach entstehen. In einem sich verjüngenden Kanal wird der Wind beschleunigt und treibt ein kleines Windrad an. Auf den Gehäusen der Winddüsen sind die Photovoltaikmodule installiert.

Die Anlage hat zehn Kilowatt Wind- und zwölf Watt Photovoltaikleistung. Pro Jahr sollen rund 18.000 Kilowattstunden Energie entstehen, die zum Teil im Haus für Licht, Fahrstühle wie Lüftung genutzt wird und die Betriebskosten senkt.

Erneuerbare-Energien-Experte Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin findet das System generell „ganz nett“. Die entscheidende Frage sei aber, zu welchen Kosten wie viel Strom erzeugt werde. Über den Preis der Anlage schweigen sich die Beteiligten allerdings aus. „Das ist ein Prototyp, wir sind noch nicht effizient“, sagt Sven Köhler, Geschäftsführer des Schweizer Herstellers Anerdgy. Sein Ziel sind Stromgestehungskosten von rund zehn Cent je Kilowattstunde. Die Anlage in Berlin sei die weltweit erste, weitere kämen im nächsten Jahr hinzu, kündigt Köhler an. Daniel Hautmann

INFOTECH

Retusche von Sprachaufnahmen

Mit VoCo lässt sich gesprochene Sprache manipulieren. Screenshot: Adobe

Photoshop kennt heutzutage jeder: Mit dem Bildbearbeitungsprogramm lassen sich Fotografien äußerst stark verändern, ohne dass der Betrachter dies leicht feststellen kann. Jetzt hat der Hersteller, der US-Softwarekonzern Adobe, den Prototyp einer ähnlichen Anwendung für Sprachaufnahmen vorgestellt. Das Programm „VoCo“ – der Name steht für „Voice Conversion“, also Sprachumwandlung –, konvertiert Sprache zunächst in Text. Anschließend lassen sich diese Passagen verändern – und am Ende wird wieder eine Sprachaufzeichnung daraus gemacht. Der Anwender kann Wörter umstellen oder löschen, aber auch komplett neue Wörter und kurze Sätze erzeugen. Das Ergebnis klingt erstaunlich natürlich, wie Adobe auf seiner Hausmesse „Adobe Max“ in San Diego zeigte, und soll wahrscheinlich ab 2017 Teil des Online-Abos von Adobe werden.

Damit VoCo funktioniert, müssen ungefähr 20 Minuten Material von realen Sprachaufzeichnungen einer Person vorliegen. Gedacht ist die Software beispielsweise für die Filmbranche, um damit Texte zu korrigieren. Man könnte mit VoCo aber auch Prominenten falsche Zitate in den Mund legen oder versuchen, sprachbasierte Sicherheitssysteme zu knacken. Deshalb entwickelt Adobe bereits Maßnahmen, um zu verhindern, dass mit der Software Schindluder getrieben wird. So wird jede Aufzeichnung aus VoCo ein digitales Wasserzeichen enthalten. Darüber hinaus arbeitet der Konzern an Verfahren zur Erkennung manipulierter Sprachaufzeichnungen. BEN SCHWAN

gefälschte Profile, Hass-Posts oder Fake-News pro Tag soll ein einzelner Mitarbeiter laut Vorgabe von Facebook täglich überprüfen. In der Praxis seien es rund 800 Fälle pro Tag, verriet ein ehemaliger Mitarbeiter dem Blog „Mobilegeeks“. In Deutschland hat Facebook die Aufgabe an die Bertelsmann-Tochter Arvato delegiert. Dort bearbeiten rund 600 Mitarbeiter in zwei Schichten die beanstandeten Meldungen.