Technology Review 10/2017
S. 14
Aktuell

ARCHITEKTUR

Haus in acht Minuten

Aus dem ausziehbaren Haus muss niemand mehr ausziehen. Foto: Ten Fold Engineering

In weniger als zehn Minuten lassen sich die transportablen Fertighäuser der britischen Firma Ten Fold Engineering aufbauen. Dabei klappt ein patentiertes Hebelsystem die Seitenteile wie bei einem Teleskop aus der wenige Quadratmeter großen Grundfläche aus – mithilfe von Winden. Zur Fixierung müssen Häuslebauer nur noch zu einem Akkuschrauber greifen. Ein aufwendiges Fundament wird nicht benötigt. Wasser- und Stromanschlüsse werden wie bei Campingwagen hergestellt, alternativ kann das Haus allerdings auch mit Abwasserreinigung ausgeliefert werden. Auf Wunsch werden die Häuser sogar mit integrierten Möbeln ausgestattet.

Firmenchef David Martyn hofft, mit seinem System die Wohnungsnot in seiner Heimat lindern zu können. Die steigenden Grundstückspreise ließen sich besser verkraften, wenn Eigenheimbesitzer ihr Zuhause künftig von Grundstück zu Grundstück mitnehmen könnten.

Das erste „Pop-up Home“ mit Flachdach und einer Etage ist knapp 65 Quadratmeter groß und soll 110000 Euro kosten. Das Chassis besteht aus massivem Stahl. Es ist laut Hersteller leicht genug, um auf einem Tieflader transportiert zu werden. BEN SCHWAN

verkehr

Benzinmotor halbiert Verbrauch

Mazda will ab 2019 einen Benzinmotor mit Kompressionszündung in seinen Automodellen anbieten. Laut Mazda wäre es der weltweit erste Benzinmotor, der sein Kraftstoffgemisch wie ein Dieselmotor ohne Zündfunken, sondern durch Kompression zündet. Die Vorteile wären ein bis zu 45 Prozent niedrigerer Verbrauch bei sehr geringen Ruß- und Stickoxidemissionen.

Die Motoren mit der Bezeichnung „Skyactiv-X“ werden dafür mit einem mageren und besonders homogenen Kraftstoff-Luft-Gemisch beladen. Das heißt, der Motor läuft mit Luftüberschuss wie sonst nur ein Diesel. Im Gegensatz zu herkömmlichen Otto- oder Dieselmotoren entzündet sich das Gemisch aber nicht von der Zündkerze her, wie beim Ottomotor, oder von der Einspritzdüse her, wie beim Diesel, sondern gleichzeitig im gesamten Brennraum. So läuft die Verbrennung bei geringeren Temperaturen ab, und es entstehen weniger Stickoxide. Außerdem verursacht die gleichförmige Verbrennung so gut wie keinen Ruß.

Dennoch werden die Skyactiv-X-Motoren vorerst nicht auf Zündkerzen verzichten können, denn noch klappt die Selbstzündung nicht in allen Betriebsbereichen des Motors. KARSTEN SCHÄFER

„stille SMS“ hat der Verfassungsschutz allein in der ersten Hälfte dieses Jahres verschickt, um den Standort des Nutzers zu ermitteln. Dazu kommen noch 40077 Abfragen der Bundespolizei und 23646 des Bundeskriminalamts.

tiefbau

Schneller tunneln mit Mikrowellen

Baustelle des Gotthard-Basistunnels. Demnächst könnte es noch schneller gehen. Foto: Cooper.ch/Wikimedia Commons

An hartem Granit beißt sich mancher Tunnelbohrkopf die Zähne aus. Forscher der Montanuniversität Leoben in der Steiermark haben nun einen Weg gefunden, das Gestein mit Mikrowellen weicher zu machen. Der 25 Kilowatt starke Prototyp lenkte die Strahlung mit einem schlauchartigen Applikator in den Fels. Simulationen haben ergeben, dass kurze, aber starke Pulse den Granit am effizientesten aufweichen. Dabei ergeben sich Risse, die herkömmlicher Bohrtechnik die Arbeit erleichtern. Die Idee der Vorbehandlung von Granit mit Mikrowellen ist laut der Forscher nicht neu. Allerdings habe noch niemand derart konkrete Berechnungen angestellt. Vor einem Einsatz in der Praxis sind allerdings noch weitere Fragen zu klären, etwa beim Brandschutz. Das Verfahren wurde bereits in einer Mikrowellenanlage getestet, aber noch nicht im Tunnel. BEN SCHWAN

MEDIZIN

Spinnenseide fürs Herz

Überstehen Patienten einen Herzinfarkt, leben sie fortan mit beschädigtem Gewebe an dem wichtigen Organ. Solche Schäden sind bis jetzt irreparabel. Doch Forscher arbeiten an einem Weg zur Heilung (DOI: 10.1002/adfm.201701427). Ihr Hilfsmittel: künstliches Spinnenseideprotein.

Felix Engel vom Uni-Klinikum Erlangen stellte fest, dass sich das Seidenprotein Fibroin in seiner Struktur und Festigkeit gut als Gerüstmaterial für Herzgewebe eignet. Zudem ist Spinnenseide bakteriostatisch, somit können sich Bakterien schlecht daran festhalten. Schwierig ist es aber, Spinnenseide in großen Mengen und gleichbleibender Qualität herzustellen. Thomas Scheibel vom Lehrstuhl für Biomaterialien an der Universität Bayreuth brachte daher Gene, die das Seidenprotein der Gartenkreuzspinne produzieren, in E.-coli-Bakterien ein. Nun stellen die genveränderten Bakterien ein synthetisches Fibroin namens eADF4(κ16) her.

Auf einem dünnen Film dieses modifizierten Seidenproteins ließen sich dann Herzmuskelzellen, aber auch Bindegewebs- und Blutgefäßzellen ansiedeln. Die Zellen zeigten dabei eine normale Funktion, wie sie sich in natürlicher Umgebung beobachten lässt. Die Forscher arbeiten nun daran, das künstliche Gerüst künftig mithilfe von 3D-Druck herzustellen. JENNIFER LEPIES