Technology Review 4/2017
S. 70
Horizonte
Energie

Strom aus dem Vulkan

Forscher wollen aus der Hitze von Vulkanen Strom gewinnen. Bei einem Projekt in Island melden sie nun erste Erfolge – und wecken die Hoffnung auf eine nie versiegende Energiequelle.

Ziel erreicht. 4659 Meter bohrten die Ingenieure des Tiefbohrprojekts IDDP in den Boden der Halbinsel Reykjanes im Südwesten Islands. Damit stießen sie so tief vor wie kein Erdwärmeprojekt vor ihnen. Vor allem aber bohrten sie Vulkangestein an. Am Grund des Lochs haben die Ingenieure im Porenwasser des Gesteins eine Temperatur von 427 Grad Celsius bei einem Druck von 340 Bar gemessen. Unter diesen Bedingungen ist Wasser überkritisch, also weder flüssig noch gasförmig. Es enthält damit enorm viel Energie. Allein aus der Bohrung in Reykjanes ließen sich 50 Megawatt Leistung gewinnen, genug zur Versorgung von 50000 Einfamilienhäusern. So soll ein Geothermiekraftwerk entstehen, von dem sich die Isländer – und nicht nur sie – eine Verzehnfachung der Energieausbeute herkömmlicher Anlagen erhoffen.

Island ist Vulkanland: Die weltweit tiefste Geothermie-Bohrung reicht bis kurz über eine Magmakammer. Foto: Iceland Drilling

Ursprünglich sollte die Bohrung fünf Kilometer in den Vulkanuntergrund der Insel gehen. Aber nach 168 Tagen hatte sie am 25. Januar 2017 die erwarteten Temperaturen bereits erreicht, knapp 300 Meter vor dem eigentlichen Ziel. „Deshalb entschieden wir, die Bohrung zu beenden“, sagte Gudmundur Omar Fridleifsson, der leitende Ingenieur des Projekts. Auch so ist es das tiefste Loch auf Island und die erste erfolgreiche Tiefbohrung zur Energiegewinnung. Entsprechend groß war das Interesse: Einen Teil finanzierte ein Konsortium isländischer Energieunternehmen, einen weiteren die nationale Energiebehörde Islands Orkustofnun, das Internationale Wissenschaftliche Kontinentalbohrprogramm ICDP, die National Science Foundation NSF der USA sowie die EU-Kommission.