Technology Review 5/2017
S. 16
Aktuell

HANDEL

Software berät bei Kleiderkauf

Eigentlich müsste Größe 38 passen – aber zur Sicherheit bestellen viele Kunden das gleiche Stück noch in 36 und 40, denn erfahrungsgemäß besteht zwischen Konfektionsgröße und den wahren Maßen nur ein äußerst vager Zusammenhang. Dieses Schrotflintenprinzip verursacht bei Onlinehändlern riesige Retourenquoten, deren Kosten auf alle Kunden umgelegt werden. Das Hannoveraner Start-up Dresslife will dem Problem mit Big Data zu Leibe rücken. Es hat dazu eine Datenbank mit den Schnittmustern der Kleidungsstücke angelegt. Die Daten stammen von den jeweiligen Herstellern. Sie zu bekommen, sei kein Problem gewesen, denn der Leidensdruck in der Branche sei hoch, sagt Dresslife-Mitgründer und -Chef Julian Hensolt: „Wir haben da offene Türen eingerannt.“

Passt’s? Der Algorithmus weiß es schon vorher. Foto: Shutterstock

Gibt ein Kunde bei einer Bestellung Geschlecht, Größe und Gewicht an, berechnet ein Algorithmus daraus für jeden Artikel die Wahrscheinlichkeit, ob er passt oder zurückgeschickt wird. Shopbetreiber können die Daten zum Beispiel nutzen, um Produkte oberhalb einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gar nicht erst anzuzeigen. Dresslife verspricht, die Rücksendequoten um bis zu 50 Prozent senken zu können.

Da aber Größe und Gewicht allein wenig darüber aussagen, ob jemand etwa breite Schultern und schmale Hüften hat, liegt die Trefferquote beim ersten Schritt bei nur rund 60 bis 70 Prozent. Aber je mehr Daten der Algorithmus sammeln kann, desto besser wird er. „Wenn jemand drei- bis viermal ein Kleidungsstück behält, steigt die Quote auf nahezu hundert Prozent“, so Hensolt.

Im Juni soll die Anwendung starten. Mit welchen Partnern, verraten die Gründer noch nicht. Die Branchengrößen hätten aber schon reichlich Interesse gezeigt, sagt Hensolt. Konkurrenten wie True Fit oder Fit Analytics sind schon länger etabliert, fordern vom Kunden aber aufwendigere Angaben – etwa die genauen Körpermaße oder die Lieblingskleidungsstücke. GREGOR HONSEL

ROBOTIK

Weiche Greifer

Der durchsichtige Hydrogel-Roboter verschmilzt fast mit seinem Untergrund. Foto: Hyunwoo Yuk/M.I.T. Soft Active Materials lab

OP-Roboter erlauben schon heute filigrane und schonende Eingriffe etwa ins Gehirn. Weiche Roboterhände aus biokompatiblen Hydrogelen könnten den Einsatzbereich auf weitere Operationen ausdehnen. Erste Prototypen solcher Hydrogel-Greifer entwickelte nun das Team um Xuanhe Zhao vom Massachusetts Institute of Technology. Mit einem 3D-Drucker formten die Forscher verschiedene, einige Zentimeter große Körper aus dem Hydrogel Polyacrylamid-Alginat. Darin sparten sie Hohlräume aus, die über kleine Silikonschläuche mit Wasser gefüllt werden konnten. Dabei krümmten oder streckten sich die Hydrogel-Strukturen sehr schnell in eine gewünschte Form.

Testweise konnten damit unter Wasser kleine Objekte mehrere tausend Mal angestoßen, gegriffen oder aufgesogen werden. Da das Hydrogel transparent und unter Wasser nahezu unsichtbar ist, könnten Hydrogel-Fallen auch kleine Fische ohne Verletzungsrisiko einfangen und untersuchen. JAN OLIVER LÖFKEN