Technology Review 7/2017
S. 14
Aktuell

VERKEHR

Auto im Abo

Designmodell des Amber One. Foto: Amber

Bei E-Autos interessiert sich Joep Sloot für mehr als nur die Reichweite. „Es ist fürchterlich, einen BMW i3 zu reinigen“, ist dem COO des niederländischen Start-ups Amber Mobility aufgefallen. Für Betreiber großer Flotten gehen solche Dinge schnell ins Geld. „Die Autohersteller denken immer nur an die Produktionskosten, aber nicht an die Betriebskosten“, sagt Sloot. Deshalb will er mit Partnern wie TomTom, Nvidia und Microsoft ein eigenes Auto bauen, das speziell auf die Bedürfnisse von Flottenbetreibern zugeschnitten ist. Das Amber One soll aus weniger Bauteilen bestehen, einfacher zu reparieren und zu reinigen sein, 1,5 Millionen Kilometer halten und autonom fahren. Die weiteren Eckdaten: 400 Kilometer Reichweite, 700 Kilogramm Gewicht, 150 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit.

Der Wagen existiert bisher nur als Designmodell, der Bau eines Prototyps läuft allerdings bereits. Verkauft werden soll der Wagen nur an Flottenbetreiber, nicht an Privatkunden. Die können ihn sich dafür künftig abonnieren: Für 33 Euro pro Woche verspricht Amber den ständigen Zugriff auf einen Wagen in Fußgängerentfernung. Ab wann genau, ist noch offen. GREGOR HONSEL

Jobs als Gutachter für medizinische Journale hat Olivia Doll inne. Zu ihren eigenen Forschungsschwerpunkten zählt sie „den Einfluss abdominaler Massagen auf mittelgroße Canidae“. Kein Wunder: Olivia Doll ist ein Hund. Ihr Herrchen, der australische Medizinprofessor Mike Daube, hat sie bei unseriösen Zeitschriften angemeldet, die Forschern kostenpflichtige Veröffentlichungen anbieten. Einen ersten Auftrag hat Olivia bereits bekommen: Sie soll eine neue Therapie für Nervenscheidentumore begutachten.

Ernährung

Nudeln formen sich selbst

Alle diese Nudeln waren flache Chips, bevor sie ins Wasser kamen. Foto: M.I.T. Tangible Media Group

Farfalle, Penne rigate, Fusilli – die Vielfalt an Nudeln ist kaum überschaubar. Aber selbst dicht gepackt nimmt Luft zwei Drittel der Verpackung ein. Flache, millimeterdünne Nudelchips, die sich beim Kochen zu beliebigen 3D-Strukturen verformen, lassen Kartons und Transportkosten schrumpfen. Die Tangible Media Group des Massachusetts Institute of Technology hat solche flachen Rohlinge aus Gelatine, Zellulose und Stärke hergestellt (DOI: 10.1145/ 3025453.3026019).

Die Forscher um Wen Wang haben Hunderte Rezepturen für verschiedene Formen von der einfachen Rolle bis zu komplexen Blumen oder Schmetterlingen gesammelt. Grundlage bilden zwei getrocknete Schichten mit unterschiedlichen Anteilen an Gelatine und Stärke. Das Mischverhältnis bestimmt, wie viel Wasser sie beim Kochen aufnehmen. Die Schicht mit dem größeren Saugvermögen quillt stärker auf und hüllt sich um die andere Schicht. Dieser Prozess lässt sich über dünne Zellulosestreifen, die ein 3D-Drucker auf einen Gelatine-Stärke-Rohling aufdruckt, exakt steuern, da sie die Wasseraufnahme partiell blockieren.

Im Vergleich zu klassischen Nudeln schmeckten die ersten Prototypen eher fad. Doch mithilfe eines Starkochs schufen die Forscher schmackhaftere Varianten mit Zusätzen aus Plankton, Tintenfischtinte und Gewürzen, die sich selbstständig etwa um kleine Kaviarportionen hüllten. So liegt das Potenzial dieser Technologie auch eher im sehenswerten Anrichten kleiner Appetithappen als in der Massenproduktion eines sich selbst verformenden Nudelersatzes. JAN OLIVER LÖFKEN

photovoltaik

Ost-West statt Süd

Normalerweise werden Photovoltaik-Module möglichst direkt zur Mittagssonne ausgerichtet. Das Start-up Next2Sun geht einen anderen Weg: Es hat im Saarland eine 28-Kilowatt-Freiflächenanlage aufgebaut, deren Module aufrecht in Ost-West-Richtung stehen. Da es sich um „bifaciale“ Zellen handelt, deren Rückseite ebenfalls Strom erzeugt, können sie die Morgen- und Abendsonne besser einfangen.

Die Rückseiten der verwendeten Module des chinesischen Herstellers Trina sind nach Angaben des Magazins „Photon“ zu rund 98 Prozent so effizient wie die Vorderseiten. Damit lasse sich insgesamt etwa zehn Prozent mehr Energie pro installiertem Kilowatt Spitzenleistung ernten als mit klassischen Freiflächenanlagen. Außerdem speisen die Module genau dann am stärksten ein, wenn alle anderen Solaranlagen schwächeln, und entlasten so das Stromnetz. Solange es feste Einspeisevergütungen gibt, spielt das für den Ertrag zwar keine Rolle. Sollten Solarparkbetreiber aber eines Tages ihren Strom selbst an der Börse vermarkten müssen, wären solche Ost-West-Konzepte heiß begehrt.

Ein weiterer Vorteil: Da die Reihen im Abstand von zehn Metern stehen und kaum Platz wegnehmen, lässt sich die verbliebene Fläche einfacher landwirtschaftlich nutzen – etwa als Weide oder Kartoffelacker. Das senkt die Grundstückskosten. Bei bisherigen Ansätzen, Photovoltaik und Landwirtschaft zu verbinden, sind Module so hoch aufgeständert, dass Traktoren darunter durchfahren können – was die Installationskosten in die Höhe treibt.

Allerdings müssen auch die aufrechten Module von Next2Sun wegen ihrer großen Angriffsfläche für Wind aufwendiger verankert werden als herkömmliche Südanlagen. Dazu kommen höhere Kosten für die bifacialen Module sowie eine aufwendigere Verkabelung, weil die Modulreihen einen größeren Abstand zueinander haben.

Unter welchen Umständen sich die aufrechten Sonnenparks wirtschaftlich lohnen, will das Start-up nun mit einer 3-Megawatt-Anlage genauer herausfinden, die ebenfalls im Saarland entstehen soll. GREGOR HONSEL