Technology Review 8/2017
S. 16
Aktuell

KI

Neuronales Netz lernt Relationen

Neuronale Netze erkennen Relationen zwischen Objekten wie diesen. Foto: DeepMind

Forscher der Google-Tochter DeepMind haben erstmals neuronale Netze konstruiert, die Zusammenhänge zwischen Objekten verstehen können. Eines erkannte etwa Zusammenhänge zwischen einfachen geometrischen Objekten verschiedener Farbe. Trainiert man das „relationale“ Netz mit Bildern der Objekte, kann es Fragen beantworten wie: „Gibt es in diesem Bild ein Objekt aus Gummi, das genauso groß ist wie der gelbe, metallische Zylinder?“ Ein anderes Netz konnte aus Geschichten logische Folgerungen ziehen.

Zwar konnten schon in den 1960er-Jahren Forscher Programme mit ähnlichen Fähigkeiten vorweisen. Allerdings beruhte deren Intelligenz darauf, dass das entsprechende Problem dem System explizit in symbolischer Form beschrieben wurde. Die Netze von DeepMind sind jedoch sehr viel flexibler, denn sie können neue Zusammenhänge aus jeweils neuen Beispieldaten lernen. WOLFGANG STIELER

AKUSTIK

Vorhang schluckt Schall

Ein Vorhang, der störenden Lärm schlucken kann. Foto: Gerriets

Vertrauliche Gespräche sind in einem Großraumbüro bisher kaum möglich. Lauschende Kollegen lassen sich jedoch mit einem schallschluckenden Vorhang abschirmen, den die baden-württembergische Firma Gerriets nun auf einer Tagung der amerikanischen Gesellschaft für Akustik in Boston präsentierte. Erste Prototypen konnten über einen weiten Frequenzbereich den Schallpegel um bis zu 26 Dezibel senken – etwa so viel wie eine geschlossene Bürotür.

Das Team um Akustikingenieur Jonas Schira erreichte die Schalldämpfung, indem es sieben bis zwölf Lagen aus verschiedenen Gewebematerialien wie Polyester oder Velours miteinander verklebte. Jede Schicht hatte eine andere akustische Impedanz, ein Wert für den Widerstand für Schallwellen. Damit wiegen die Vorhänge zwar drei Kilogramm pro Quadratmeter, dämpfen jedoch besonders die mittleren und hohen Frequenzen gesprochener Sprache im Bereich von 200 bis 3500 Hertz. Die Markteinführung steht kurz bevor. 2018 sollen die Vorhänge zusätzlich mit Sichtfenstern ausgestattet werden. JAN OLIVER LÖFKEN

Robotik

Mit Zuckerbrot ans Ziel

Auf den Panzer der Schildkröte ist ein Roboter geklebt, der sie mit Lichtsignalen lenkt. Foto: Phill-Seung Lee/Korea Advanced Institute of Science and Technology

Für kleine autonome Roboter stellen Energieversorgung und Fortbewegung ein Problem dar, denn die Batterien haben zu wenig Kapazität. Phill-Seung Lee vom Korea Advanced Institute of Science and Technology hat deshalb mit seinem Team einen parasitären Roboter für Katastropheneinsätze entwickelt und im „Journal of Bionic Engineering“ vorgestellt (DOI: 10.1016/S1672-6529(16)60401-8). Er sitzt auf dem Panzer einer Schildkröte und steuert diese über eine Art Angel, an der LEDs rot leuchten. Das Tier hat zuvor gelernt, dass eine rote Lampe für Futter steht, und läuft deshalb in die gewünschte Richtung. Die Forscher aus Südkorea sind allerdings skeptisch, ob die Schildkröte auch außerhalb des Labors auf die Lampe reagiert. Denn dort konkurriert das Signal mit anderen Licht- und Tonreizen. Deshalb wollen die Wissenschaftler an einer virtuellen Realität für Schildkröten und andere einfache Lebewesen arbeiten, um sie lenken zu können. MARCO LEHNER

Fünfstöckiges Autobahnkreuz in China

Foto: Fred Dufour/AFP/Getty Images

Der wohl unübersichtlichste aller Autobahnknoten wurde letzten Monat im Südwesten Chinas, nahe der Millionenstadt Chongqing, eröffnet. An seiner höchsten Stelle, hoch wie ein zwölfstöckiges Haus, verbindet er 20 Straßen. Viele Autofahrer sollen sich bereits auf sozialen Medien beschwert haben, dass sie sich im Huangjuewan-Knoten verfahren haben.

NETZWERKE

Per IoT Infos über freie Parkplätze

Weder WLAN noch Mobilfunk dringen bis in den Keller der meisten Wohnhäuser vor. Deshalb müssen die Zählerstände trotz smarter Zähler selbst abgelesen werden. Andere Anwendungen, wie Parkplatzverwaltung, sind zwar in Bereichen mit hoher Netzabdeckung, aber mit zu kleiner Gewinnmarge, um Stromkabel zu verlegen. Für solche Anwendungen wurde der „Narrow-Band Internet of Things“-Standard (NB IoT) entwickelt. Dieser ist speziell dafür ausgelegt, möglichst tief in Gebäude eindringen zu können und bei den Endgeräten möglichst wenig Strom zu verbrauchen. Die Gebäudedurchdringung wird durch niedrige Frequenzen im Kilohertz-Bereich ermöglicht; die Energiesparsamkeit durch kleine Datenpakete in langen Zeitabständen. Das NB IoT besetzt im LTE-Netz die unteren Frequenzbereiche und ist deshalb nicht auf eine eigene Infrastruktur angewiesen. Der Ausbau des neuen Standards ist in den Niederlanden bereits abgeschlossen; in Deutschland macht er laut Telekom gute Fortschritte. Ein erstes Pilotprojekt ist jetzt in Hamburg gestartet: Dort werden 11000 Parkplätze mit der Technologie erfasst, um Autofahrern freie Parkplätze in Echtzeit anzuzeigen. Fünf weitere Städte im Nordwesten Deutschlands sollen noch in diesem Jahr folgen. MARCO LEHNER