Technology Review 1/2018
S. 3
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Erst Mond, dann Mars. So lautet US-Präsident Donald Trumps Plan für die Zukunft der bemannten US-Raumfahrt. Die Nasa soll eine Astronauten-Basis am Mond aufbauen, die später als Ausgangspunkt für Marsmissionen dienen soll. Am 11. Dezember gab Trump das Vorhaben bekannt. Er nannte zwar weder Zeitplan noch Budget, was den Plan als Polit-Marketing enden lassen könnte. Aber das muss keineswegs so sein. Denn ein sogenanntes Deep Space Gateway als Tor zum Erdtrabanten und Umsteigebahnhof zum Mars ist bereits geplant. Ab Seite 72 berichten wir, wie er die bemannte Raumfahrt verändern und Trumps Pläne Wirklichkeit werden lassen kann. Wer allerdings seit der Ankündigung hofft, der US-Präsident würde selbst die Reise antreten, wird enttäuscht sein. Selbst wenn es so wäre, der erste bemannte Raumflug Richtung Mond findet nicht vor 2022 statt.

2018 stehen erst einmal andere Dinge an. Es wird ein Jahr, in dem vieles, was bisher Vision war, konkret wird: In Wien wird das weltweit höchste Holzhochhaus fertiggestellt. Die Tür öffnet sich zu einer neuen, nachhaltigen Architektur. Fußgänger werden erstmals auf autonome Autos treffen – und es wird aufschlussreich, wie das Zusammenspiel funktioniert. Videos werden sich einfach fälschen lassen. Fake-News-Fabriken bekommen damit eine neue, gefährliche Waffe an die Hand. Der Einfluss des Silicon Valley wird schwinden, weil neue Regeln für die Privatsphäre gelten und die deutsche Industrie endlich aus der Digital-Starre erwacht. Warum wir mit diesen Trends rechnen, lesen Sie ab Seite 28.

Wir wissen zwar nicht, ob das Jahr damit besser wird als 2017. Aber zumindest besteht die Möglichkeit. Wie immer kommt es darauf an, was wir daraus machen. Vielleicht ist die Geschichte von Hertz Nazaire ein gutes Bild für diesen Optimismus: Er leidet an Sichelzellanämie, einem der häufigsten Erbleiden weltweit. Nun wollen Forscher die Krankheit mit einer Genkorrektur heilen. Nazaire würde die Behandlung wagen – trotz aller Gefahren. Warum, schreiben wir ab Seite 58.

Ich begrüße Sie in unserer Januar-Ausgabe.

Ihr

Robert Thielicke

Unterschrift