Technology Review 11/2018
S. 14
Aktuell

MEDIZIN

Wunden heilen durch ein Maden-Enzym

Goldfliegenmaden können die Wundheilung unterstützen.

Niemand mag Maden. Dabei kann ein Enzym aus ihrem Speichel helfen, chronische Wunden heilen zu lassen. Rund 40 Millionen Menschen weltweit – viele von ihnen Diabetes-Patienten – leiden unter solchen Wunden. Das walisische Start-up SolasCure will deshalb neue Medizinprodukte auf der Basis des Enzyms Aurase entwickeln.

Schon seit Langem wissen Naturvölker und Militärärzte, dass manche Madenarten die Heilung von Wunden unterstützen, und setzen sie gezielt ein. Seit knapp 30 Jahren erlebt diese Therapie eine Renaissance, bei der extra für den Zweck gezüchtete sterile Maden der Goldfliege (Lucilia sericata) benutzt werden. Sie geben antibakterielle Stoffe ab und lösen mit dem Verdauungsenzym Aurase das abgestorbene Gewebe auf, das die Wundheilung verhindert.

Da die Madentherapie aber bisweilen schmerzhaft ist, hat das deutsche Unternehmen Brain ein Herstellungsverfahren für das – von ihm entdeckte – Wundheilungsenzym Aurase entwickelt. Nun beteiligte sich Brain an der Gründung von SolasCure und übertrug dem Start-up seine Patente. Die ersten aurasehaltigen Produkte könnten 2021 auf den Markt kommen. V. SZENTPÉTERY-KESSLER

Elektroautos sind in Europa inzwischen unterwegs. Das meldet „EV Volumes“, eine Datenbank, die weltweit Verkäufe von Elektroautos erfasst. Demnach sind in der ersten Jahreshälfte 195000 E-Autos neu in Europa zugelassen worden, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einer Million E-Autos liegt Europa hinter China, aber vor den USA. Spitzenreiter in Europa ist Norwegen, gefolgt von Deutschland.

INFOTECH

Tablet auf der Rolle

Foto:Human Media Lab/Queen’s University

Von flexiblen Handys oder Tablets ist seit Jahren die Rede. Aber bisher ist noch kein Gerät auf den Markt gekommen. Das Human Media Lab der kanadischen Queen’s University in Kingston hat nun allerdings einen Prototyp entwickelt. Das Team von Roel Vertegaal demonstriert mit seinem Modell, wie die Touchscreen-Technik künftig aussehen könnte: Den hochauflösenden OLED-Bildschirm des 7,5-Zoll-Geräts namens MagicScroll („magische Schriftrolle“) haben die Forscher aus LG-Smartphones ausgebaut.

Die Rechentechnik selbst steckt in einem Zylinder aus dem 3D-Drucker, um den der flexible Bildschirm gewickelt wird. Zur Verwendung des Geräts wird er ausgerollt, damit die volle Fläche zur Verfügung steht. Alternativ lässt sich das Display auch in aufgerolltem Zustand verwenden, dafür kann man es an den seitlich angebrachten Rädern drehen. So lässt sich etwa durch die Facebook- und Instagram-Zeitleisten scrollen.

Das Entwicklerteam hält seinen Prototyp erst für den Anfang. Es seien deutlich kompaktere Geräte denkbar, die am Ende nicht mehr Platz einnähmen als ein Stift. In den Prototyp wurden bereits Zusatzfunktionen integriert, darunter eine Kamera und ein Beschleunigungssensor. BEN SCHWAN