Technology Review 4/2018
S. 14
Aktuell

MATERIAL

Gewebter Bildschirm

Das koreanische Forschungsinstitut KAIST hat sich selbst auf einem Wollpullover verewigt – mit eingewebten Leuchtfasern. Foto: Kyung Cheol Choi et al./KAIST Electrical Engineering

Koreanische Forscher haben Fasern aus organischen Leuchtdioden (OLEDs) geschaffen, die mit 90 Mikrometern dünner sind als ein menschliches Haar. Auch gedehnt sollen sie einen Großteil ihrer Lichtleistung behalten. Deshalb lassen sie sich nach Angaben der Wissenschaftler um Kyung Cheol Choi vom Forschungsinstitut KAIST problemlos in Textilien einweben. Auf diese Weise lässt sich eine Jacke zum Bildschirm machen.

Verwebbare OLED-Stränge gibt es schon seit Jahren, allerdings waren sie bisher sehr viel weniger leistungsfähig als flächige Leuchtdioden. Das KAIST-Garn liefert nun mit bis zu 10000 Candela pro Quadratmeter eine ähnliche Leuchtkraft. Außerdem soll es sich verhältnismäßig günstig produzieren lassen, indem das OLED-Material per Tauchbeschichtung auf eine Faserstruktur aufgebracht wird. Die Temperaturen steigen dabei nur auf bis zu 105 Grad, sodass auch relativ temperaturempfindliche Fasern beschichtet werden können.

Als Demonstrator haben die Forscher einen Wollpullover geschaffen. Gesteuert von einem Controller, tauchen nun Zeichen auf der Bekleidung auf. BEN SCHWAN

nimmt das deutsche Mobilfunknetz beim „Speedtest Global Index“ ein. Mit einer durchschnitt-lichen Download-Rate von 26,2 Megabit pro Sekunde liegt es neun Plätze hinter Moldawien und 28 Plätze hinter Montenegro. Das deutsche Festnetz schafft es mit 52,9 Mbps immerhin auf Rang 26. Platz eins belegen Norwegen (Mobilfunk) und Singapur (Festnetz).

VERKEHR

Lieferdienst für Strom

Die drei Chargery-Gründer mit ihrem Strom-Shuttle. Foto: Benjamin Pritzkuleit/Chargery

Wenn alle Ladesäulen besetzt sind oder die Batterie überraschend leer ist, will das Berliner Start-up Chargery helfen. Es hat einen Fahrradanhänger mit Batterie entwickelt, der 24 Kilowattstunden an liegen gebliebene E-Autos spenden kann – genug für rund 150 Kilometer.

Herbeigerufen wird der Akku per App. Aktuell gibt es drei Hänger und zwei festangestellte Fahrer. Zudem treten die drei Chargery-Gründer ab und zu auch noch selbst in die Pedale. Im Berliner Stadtgebiet wollen sie in rund 30 Minuten bei den Kunden sein.

Der 150 Kilo schwere Anhänger hat einen Motor mit eigenem Akku, damit der Fahrer nicht zu arg strampeln muss. Zudem werden auch E-Bikes als Zugmaschine eingesetzt.

Derzeit arbeitet Chargery nur für Geschäftskunden wie den Carsharing-Dienst DriveNow, der allein in Berlin 150 BMW i3 betreibt. Ab 2019 will das Start-up auch Privatkunden bedienen.

Die aktuelle Version hat eine Ladeleistung von 3,7 Kilowatt, die zweite Generation soll 11 bis 22 Kilowatt liefern, um den Ladevorgang zu verkürzen. Die Akkus bleiben währenddessen beim Auto und werden danach wieder abgeholt.

Auf Wunsch ist eine Vollaufladung möglich. Will ein Kunde ein Fahrzeug jedoch sofort wieder benutzen, wird das Laden bei 80 bis 90 Prozent der Kapazität beendet. BEN SCHWAN

GENTECH

Erbgut ohne Körper

Der Enkel von Hans Jonatan, Lúðvík Lúðvíksson. Foto: Helga Tomasdottir

Um das Erbgut eines Verstorbenen zu rekonstruieren, braucht es normalerweise einen Zahn, ein Knochenstück oder anderes gut erhaltenes Gewebe. Hans Jonatan ist der erste Mensch der Welt, dessen Genom ohne körperliche Überreste entschlüsselt wurde – und das fast 200 Jahre nach seinem Tod.

Geboren wurde er 1784 als Sohn eines Dänen und einer afrikanischen Sklavin in der Karibik. Die Familie zog nach Kopenhagen, wo Jonatan vor Gericht erfolglos auf seine Freilassung aus der – in Dänemark verbotenen – Sklaverei klagte. Als er in die Karibik zurückgebracht werden sollte, floh er auf unbekannten Wegen bis nach Island. Dort gründete er eine Familie, aus der knapp 800 noch lebende Nachfahren hervorgegangen sind. Bei 182 von ihnen analysierte die isländische Firma DeCode Genetics das Erbgut. Daraus konnten sie 19 Prozent von Jonatans Genom rekonstruieren und 38 Prozent von dem seiner Mutter. Die Herkunft der Mutter ließ sich anhand dieser Daten auf das heutige Nigeria, Kamerun oder Benin eingrenzen (DOI: 10.1038/ s41588-017-0031-6).

Möglich wurde diese Rekonstruktion, weil in Island alle Verwandtschaftsbeziehungen über Jahrhunderte hinweg sehr gut dokumentiert sind, und weil Hans Jonatan bis ins frühe 20. Jahrhundert der einzige Farbige auf der Insel war. GREGOR HONSEL