Technology Review 7/2018
S. 14
Aktuell

ist die kalifornische Sierra Nevada zwischen 2011 und 2015 in die Höhe gewachsen. Das geht aus GPS-Messungen der Nasa hervor. Ursache war eine anhaltende Dürre. Die Berge haben dadurch weniger Wasser gespeichert, an Gewicht verloren und die Erdkruste entsprechend weniger eingedrückt. Seitdem haben sie durch stärkere Niederschläge wieder 12 Millimeter Höhe verloren. Geologen werten dies als Indiz, dass Berge mehr Wasser speichern können als bisher angenommen.

VERKEHR

In der Kurve geht die Düse

Eine seitliche Düse verschafft zusätzlichen Grip in brenzligen Situationen. Foto: Bosch

Bosch hat eine Reihe von Assistenzsystemen für Motorräder angekündigt, von denen die meisten bereits aus dem Auto bekannt sind: Kollisionswarner, intelligenter Tempomat, Totwinkelwarner.

Ein weiterer Assistent ist futuristischer – und exklusiv für Zweiräder: die „magische Hand“. Verliert ein Reifen in einer Kurve die Seitenhaftung, etwa wegen Splitt oder Öl auf der Straße, droht die Maschine seitlich wegzurutschen. Ein Sensor erkennt dies und aktiviert einen Gasdruckspeicher, wie er auch für Airbags eingesetzt wird. Das Gas entweicht über eine seitliche Düse und bringt eine zusätzliche Kraft entgegen der Rutschrichtung auf. Das soll den fehlenden Grip zurückbringen. Die Auslösezeit beträgt laut Bosch fünf Millisekunden.

In einem Video hat Bosch gezeigt, dass das System grundsätzlich funktioniert. Eine mögliche Serienfertigung sei allerdings noch „etliche Jahre“ entfernt, sagte Fevzi Yildirim, Europachef der Zweiradsparte von Bosch, gegenüber der Zeitschrift „Motorrad“. GREGOR HONSEL

ZAHNMEDIZIN

Neue Volkskrankheit Kreidezähne

Zu sogenannten Kreidezähnen führt die Mineralisationsstörung. Foto: Wikipedia

Neben Karies bereitet Kinderzahnärzten eine immer häufiger anzutreffende Mineralisationsstörung Sorgen. Laut Norbert Krämer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin, leiden bis zu 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen an der sogenannten Molare-Inzisive-Hypomineralisation (MIH). Bei den Zwölfjährigen sind es sogar mehr als 30 Prozent.

Die Störung tritt vor allem bei den ersten vier bleibenden, vorderen großen Backenzähnen, den Molaren, auf. Häufig sind weitere Zähne wie die bleibenden Frontzähne und Milchbackenzähne betroffen. In leichten Fällen kommt es nur zu Verfärbungen, in schweren können Schmelz und Zahnbeinareale abbrechen oder fehlen. Solche „Kreidezähne“ sind schmerzempfindlich und reagieren sensibel aufs Zähneputzen sowie auf Hitze und Kälte. Sie sind zudem sehr anfällig für Karies.

Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Tierversuchen zufolge spielen Weichmacher aus Kunststoffen wie Bisphenol A eine Rolle. Die Stoffe werden mit der Nahrung aufgenommen. Als weitere Ursachen kommen Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, etwa Windpocken, oder Antibiotika in Betracht.

Weil sich die Veränderungen während der Zahnentwicklung in der Zeit vor der Geburt bis zum vierten Lebensjahr ereignen, lassen sie sich später kaum mehr verhindern. Für die Schadensbegrenzung sind neben dem Zähneputzen weitere Maßnahmen wichtig: etwa die Behandlung mit Fluoridlack oder anderen fluoridierenden Mitteln. V. SZENTPÉTERY-KESSLER

UMWELT

Wertvoller Dünger aus Gülle

Non olet: Aus Gülle werden Dünger-Pellets. Foto: Fraunhofer IGB

Jedes Jahr fallen in Deutschland etwa 200 Millionen Kubikmeter Gülle an. Im Übermaß auf Felder verteilt, steigt die Nitratbelastung des Grundwassers auf riskante Werte. Eine schonendere Alternative haben nun Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart entwickelt: Sie machen daraus Dünger-Pellets.

Das mehrstufige Verfahren namens BioEcoSIM trennt zunächst flüssige und feste Bestandteile. Die wasserfreie feste Phase lässt sich mit überhitztem Wasserdampf bei 450 Grad zu Biokohle umwandeln. Aus dem flüssigen Gülleanteil fällen die Forscher zuerst den gelösten Phosphor als Phosphatsalz aus und filtrieren es ab. Der Stickstoffanteil kann über eine Membran-Adsorption als Ammoniumsulfat abgetrennt und auskristallisiert werden. Zurück bleibt relativ unbelastetes Wasser, mit dem sich Felder gefahrlos bewässern lassen.

Bei diesem Verfahren können aus 10000 Litern Gülle neben der Biokohle je 100 Kilogramm Phosphat- und Stickstoffdünger in Form von Pellets gewonnen werden. Zusammen mit dem Unternehmen Suez Deutschland entsteht derzeit eine Pilotanlage in Zorbau, Sachsen-Anhalt. Ist das Verfahren ausgereift, könnten großtechnische Anlagen etwa eine Milliarde Liter Gülle pro Jahr verarbeiten. JAN OLIVER LÖFKEN

Mikroskopie

Tiefer Blick in lebende Zellen

Organellen im Auge eines Zebrafisches. Foto: Boston Children's Hospital, HHMI, Harvard Medical School, UC Berkeley, Stony Brook University, California Institute of Technology, University of Exeter

Ob eine Immunzelle, die sich durch das Innenohr eines Zebrafisches schlängelt, oder eine Krebszelle, die durch ein Blutgefäß rollt – Eric Betzig und seine Kollegen vom Howard Hughes Medical Institute in Chevy Chase, Maryland, können mit ihrem neuen Mikroskop unglaubliche Details lebender Zellen sichtbar machen. Dabei kombinieren sie zwei verschiedene Techniken: Bei der sogenannten Lichtblatt-Mikroskopie wird die Probe senkrecht zur Beobachtungsrichtung mit einem aufgeweiteten Laserstrahl beleuchtet, der nach und nach durch die gesamte Probe gefahren wird. In der beleuchteten Ebene werden so Fluoreszenzfarbstoffe zum Leuchten angeregt. Um Verzerrungen durch das restliche Gewebe zu korrigieren, nutzen die Forscher einen Trick aus der Astronomie: Mit einem zweiten Laser erzeugten sie einen Referenzpunkt im Bild. Mit einem deformierbaren Spiegel und einem Lichtmodulator glichen sie dessen Verzerrungen aus und korrigierten so das Bild. W. STIELER

ELEKTRONIK

Kleben statt löten

Eine Maschine der Firma Teamtechnik verklebt Solarzellen miteinander. xFoto: Fraunhofer ISE

Beim Verlöten von Solarzellen zu einem Modul entstehen Temperaturen von über 200 Grad. Die damit einhergehende thermische Ausdehnung verursacht nicht selten Mikrorisse oder Brüche. Forscher vom Fraunhofer ISE haben nun im Forschungsprojekt KleVer eine schonendere Technik entwickelt, die höchstens 180 Grad erreicht.

Ein neu entwickelter Automat („Stringer“) trägt dazu per Siebdruck einen leitfähigen, bleifreien Klebstoff auf. Die Klebeverbindungen halten auch bei Frost und hohen Temperaturen. Allerdings dauert das Kleben wegen der nötigen Aushärtung des Klebstoffs länger. Der Durchsatz pro Stunde sinkt von 4200 bis 5000 Stück beim herkömmlichen Löten auf 1600 Zellen. Im Gegenzug entsteht weniger Ausschuss. Mit dem Anlagenhersteller Teamtechnik will das ISE die Stringer nun für größere Chargen optimieren. JAN OLIVER LÖFKEN

watchlist politik

Saubere Lkws

Die EU-Kommission will den CO2-Ausstoß von Lkws begrenzen. Bis 2025 sollen sie 15 Prozent weniger ausstoßen als 2019, bis 2030 mindestens 30 Prozent weniger. Zugleich kündigte die Bundesregierung an, Elektro-Lkws mit je 40000 Euro zu fördern.

Kein Einwegplastik

Bis 2030 will Taiwan schrittweise alle Einwegteile aus Kunststoff verbieten. Den Anfang machen ab 2020 Plastikstrohhalme.

Fahrhilfen für alle

Nach Wunsch der EU-Kommission sollen alle Neuwagen künftig automatische Notbremssysteme, Spurhalte- und Tempoassistenten, bessere Anschnallgurte, bessere Sicht sowie Umfeldsensoren bekommen. Für Lkw sollen zudem Reifendruck-Messsysteme vorgeschrieben werden.

Frequenzen für 5G

2019 will die Bundesnetzagentur Frequenzen in den Bereichen um 2 und 3,6 Gigahertz für die nächste Mobilfunkgeneration 5G versteigern. Parallel dazu wird sie Spektren um 3700 Megahertz und 26 Gigahertz ohne Versteigerung an lokale oder regionale Anbieter vergeben.

100 Milliarden Euro für Forschung

Die EU-Kommission hat das nächste Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2021–2027“ vorgestellt. Es soll die Rekordsumme von 100 Milliarden Euro umfassen. Das Vorgängerprogramm „Horizon 2020“ kam auf rund 78 Milliarden. Das Geld soll vor allem in die Bereiche Gesundheit, Digitalisierung und Industrie, Klima und Energie, Nahrung und Rohstoffe sowie integrative und sichere Gesellschaft fließen. Die konkrete Auswahl der geförderten Projekte will Brüssel den Mitgliedsländern überlassen.