Technology Review 7/2018
S. 12
Aktuell

Interview

Hundert Jahre Sauberkeit

Peter Knobloch unterrichtet Industriedesign an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Auf www.permanere.org kann man sein Waschmaschinen-Projekt verfolgen.

Sie wollen eine Waschmaschine konstruieren, die 100 Jahre hält. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Beim Thema „geplante Obsoleszenz“ spielen Waschmaschinen eine prominente Rolle. Dazu kommt: Es sind keine großen Technologiesprünge abzusehen. Laut einer Studie der Uni Bonn hat sich ihr Wasser- und Energieverbrauch seit Mitte der Neunziger nicht weiter verbessert. Die jüngsten Einsparungen kommen daher, dass neuere Maschinen beim 60-Grad-Programm nicht mit 60 Grad waschen, sondern darauf vertrauen, dass moderne Waschmittel auch bei niedrigeren Temperaturen funktionieren.

Was sind die wichtigsten Faktoren für ein langes Leben?

Wir haben eine Liste mit 13 Punkten aufgestellt – unter anderem die Standfestigkeit aller Komponenten, ihre Zugänglichkeit und ihre einfache Austauschbarkeit. Dinge, die getrennt sein können, wollen wir möglichst auch getrennt lassen – also etwa Steuerungs- und Leistungselektronik nicht auf einer gemeinsamen Platine verbauen, auch wenn es in der Herstellung günstiger wäre. Außerdem wollen wir keine Fertigungstechniken verwenden, die erst ab einer großen Stückzahl rentabel sind, also kein Tiefziehen von Blechteilen oder Spritzen von Kunststoffteilen. Ersatzteile kann man später zur Not also auch einzeln herstellen. Zusätzlich wollen wir auf möglichst viele Standardteile zurückgreifen.

Aber trotzdem kann es in den nächsten hundert Jahren doch noch zu unvorhersehbaren technischen Änderungen kommen – etwa bei der Steuerung oder den Motoren.

Wir wollen keine vollkommen reduzierte Waschmaschine bauen, sondern eine anpassbare. Wenn jemand meint, er muss sie von seinem Smartphone aus steuern können, dann muss sie halt entsprechend programmierbar sein. Und wenn wir uns jetzt dafür entscheiden, etwa einen Raspberry Pi für die Steuerung zu verwenden, dann müssen wir darauf vertrauen, dass es irgendwo einen Nachfolger geben wird. Auch bei den Motoren soll genug Spielraum bleiben für neue Varianten.

Was macht Ihnen mehr Sorgen, die Mechanik oder die Elektronik?

Beide muss man ausreichend dimensionieren. Elektronik hat zwar einen schlechten Ruf, aber es gibt auch genug Mikrocontroller, die ihre Wurzeln in den Siebzigern haben und immer noch abwärtskompatibel sind. Und die Raumsonden Voyager 1 und 2 funktionieren nach 40 Jahren im All ja auch noch.

Wer wird die Maschinen benutzen?

Wir werden wohl mindestens drei Waschmaschinen bauen, sodass jeder im Team selbst eine zu Hause verwenden kann.

Wie wollen Sie das Projekt an künftige Generationen übergeben?

Wir vertrauen darauf, dass es das Internet in irgendeiner Form weiterhin geben wird. Darüber können wir die Konstruktionspläne öffentlich machen.

Kann man die Maschine irgendwann kaufen?

Um die patentrechtlichen, gewährleistungstechnischen und sicherheitstechnischen Anforderungen zu stemmen, bräuchten wir einen Partner. Aber wir können die Maschine eventuell als Bausatz anbieten.

Haben Sie schon eine Idee für ein nächstes Projekt?

Zum Beispiel einen Haarföhn, vielleicht auch als Bausatz. INTERVIEW: GREGOR HONSEL

ELEKTROMOBILITÄT

Grünes Licht für Oberleitung

Foto: Siemens

Das Bundesumweltministerium hat seine Förderung für die erste deutsche Teststrecke für Oberleitungs-Lkws zugesagt. Anfang 2019 sollen die ersten Hybrid-Lkws mit Stromabnehmern auf der fünf Kilometer langen Strecke fahren. Dafür wird auf einem Abschnitt der A5 südlich von Frankfurt für beide Richtungen die jeweils rechte Spur elektrifiziert. Im Oberleitungsbetrieb sind die Lkws doppelt so effizient wie im Dieselbetrieb. Außerdem können sie gleichzeitig ihre Akkus laden und beim Bremsen Strom ins Netz einspeisen oder anderen Elektro-Lkws an der Oberleitung bereitstellen. Die Stromabnehmer heben und senken sich am Anfang und am Ende der Strecke automatisch. Auch ein Wechsel auf die linke Spur – etwa für Überholvorgänge – ist im Akku- oder Dieselbetrieb möglich. KARSTEN SCHÄFER