Technology Review 9/2018
S. 74
Fokus
Science-Fiction

„Fortschritt kann auch Kontrollverlust bedeuten“

Hundert Wörter pro Tag sind erlaubt, bei jedem weiteren gibt es einen Stromschlag. In Christina Dalchers Roman „Vox“ müssen Frauen Wortzähler am Handgelenk tragen.

tR: Oft sind es neue Technologien, die als Ausgangspunkt für Dystopien dienen. Spiegelt sich darin ein grundlegender Skeptizismus gegenüber dem technischen Fortschritt?

Foto: B. Dalcher

Dalcher: Dahinter verbirgt sich eine zutiefst menschliche Furcht vor dem Unbekannten. Die ist nicht neu. Als 1825 der erste Zug fuhr, befürchteten die Menschen zum Beispiel, dass ihre Körper bei der hohen Geschwindigkeit schmelzen würden. Darüber lachen wir heute. Wer weiß, vielleicht lachen wir in fünfzig Jahren auch über unsere Zweifel gegenüber künstlicher Intelligenz. Fakt ist, dass uns alles Neue ängstigt. Fortschritt kann nun einmal Kontrollverlust bedeuten. Jeder erinnert sich noch an den Absturz der Concorde oder explodierende E-Zigaretten. Die Dinge können schiefgehen.