Technology Review 9/2018
S. 78
Fokus
Science-Fiction

Die gute Seite der schlechten Nachricht

Der Österreicher Marc Elsberg hat bislang mit eher düsteren Zukunftsvisionen auf sich aufmerksam gemacht, doch für ihn haben Dystopien auch positive Seiten.

TR: In den 50er- und 60er-Jahren gab es noch große Zukunftsvisionen wie fliegende Autos. Heute ist Science-Fiction meist dystopisch. Woran liegt das?

Elsberg: Es gab auch in der Vergangenheit eine ganze Menge Dystopien, zum Beispiel „Der Krieg der Welten“ von H. G. Wells. Momentan aber, da gebe ich Ihnen recht, fehlen die Utopien. Science-Fiction ist eben wie alle Literatur ein Spiegel ihrer Zeit. Und im Moment leben wir in einer Zeit, die Menschen sehr verunsichert. Wir Autorinnen und Autoren haben offensichtlich momentan keine Utopien zu bieten. Und wenn, dann sind das in Wahrheit retardierende Fallbacks in irgendwelche vermeintlich früher bessere Zeiten oder in irgendwelche Fantasy-Welten. Da mag mitspielen, dass wir schlicht und einfach keine Ideen haben, wie es besser sein könnte. Oder dass wir enttäuscht sind, weil in den letzten Jahrzehnten ein paar Riesenutopien gescheitert sind – vom Kommunismus bis zum Internet, das uns die Befreiung und Demokratisierung der Welt versprochen hat. Ich finde den gegenwärtigen Trend allerdings ebenso wie Sie ein wenig beunruhigend. Ich hoffe, dass mein nächstes Buch eine Utopie sein wird.