Technology Review 3/2019
S. 65
TR Mondo

KANADA

Klimaneutrales Segelschiff

Computerentwurf der „Ceiba“. Rendering:DVS

Als Teil eines Segelschiffs durch die Weltmeere zu reisen, ist ein schönes Vermächtnis für einen Baum. Die Bergtamarinde mit dem orange-roten Holz wurde von einem Hurrikan entwurzelt. Jetzt wird sie im Auftrag des kanadischen Unternehmens Sailcargo zum Kiel eines hölzernen Dreimasters mit 24 Segeln. Das auf den Namen „Ceiba“ getaufte Segelfrachtschiff soll komplett energieautark sein, keine klimaschädlichen Gase ausstoßen und 250 Tonnen Fracht beziehungsweise zehn Container über die Meere schippern.

Aus einer Spanischen Zedrele entstehen in Costa Rica Deckbalken. Foto: Danielle Doggett/Sailcargo

Für windstille Phasen und als Unterstützung beim Manövrieren erhält es einen Elektromotor. Ihren Strom gewinnt die „Ceiba“ mit Photovoltaikpaneelen und Windturbinen und speichert ihn in Lithium-Ionen-Batterien. Zwei Verstellpropeller dienen zudem nicht nur dem Vortrieb, sondern lassen sich auch als Generatoren nutzen. Damit braucht es in Häfen keinen Strom zu laden.

Der Bau des 45 Meter langen Schiffs kostet etwa 3,6 Millionen Dollar. Sailcargo will die Summe über Anteile finanzieren. Wer will, kann ab 1000 US-Dollar einsteigen. Aktuell ist etwa ein Viertel des Geldes zusammengekommen, mit weiteren für dieses Jahr angekündigten Investitionen soll der Anteil auf gut ein Drittel steigen.

Die geplante Handelsroute im Pazifik wird die „Ceiba“ zweimal pro Jahr von Costa Rica nach Westen bis Hawaii, im Süden bis Peru, nach Norden bis Kanada führen. Die Reederei wählte Costa Rica als Bau- und Heimatstandort, weil ihr die Klimaziele des mittelamerikanischen Landes imponierten, bis 2021 komplett CO2-neutral zu werden.

Als Zielgruppe hat Sailcargo Unternehmen mit ökologischen Produkten im Blick, die auch beim Versand emissionsfrei sein wollen. Das soll für sie allerdings 20 US-Cent pro Tonne und Meile kosten und damit zwanzigmal mehr als das Verschiffen mit handelsüblichen Tripple-E-Containerschiffen. „Relevanter ist aber der Vergleich mit den günstigsten Frachtschiffen, die ebenfalls unsere Routen befahren und vier bis sechs Cent pro Tonne verlangen. Das ist dann kein so großer Unterschied mehr“, sagt Shani Meintjes von Sailcargo. Einige kleine Frachtgesellschaften berechneten auch schon mal Höchstpreise von bis zu 1,60 Dollar pro Tonne und Meile.

Bis zum Stapellauf will Sailcargo nahe der Werft in Costa Rica 12000 Bäume pflanzen, von denen zehn Prozent dem Bau weiterer klimaneutraler Segelschiffe dienen sollen. Läuft alles nach Plan, soll die Jungfernfahrt der „Ceiba“ im März 2021 stattfinden.

VERONIKA SZENTPÉTERY-KESSLER