Technology Review 5/2019
S. 90
Karriere
Ausbildung

Was macht ein Kumul-Experte?

Welchen Schaden können Erdbeben oder Unwetter anrichten? Kumul-Experten versuchen, Naturkatastrophen zu berechnen und vorherzusagen.

Kumul-Experte Andreas Schweitzer vor einer Landkarte der Naturgefahren. Foto: Allianz SE

Andreas Schweitzer durchkämmt die Welt jeden Tag nach schlechten Nachrichten. Erdbeben in der Türkei, Hurrikans in den USA oder Überschwemmungen in Bangladesch. Gerade frisch hereingekommen: eine Dürre in Afrika. Alle Schäden, alle Naturgefahren in 70 Ländern, in denen sein Arbeitgeber tätig ist, laufen bei Schweitzer zusammen.

Der 45-Jährige arbeitet für die Allianz SE in München, einen der weltgrößten Versicherungskonzerne. Doch Schweitzer verkauft keine Versicherungen, sondern bewertet Risiken.

„Wir berechnen die künftigen Auswirkungen von weltweiten Naturkatastrophen auf das Versicherungsgeschäft“, sagt Schweitzer. Er ist Kumul-Experte. Kumul kommt von Kumulation oder Anhäufung. „Von Kumul spricht man, wenn mehrere beim gleichen Versicherer versicherte Risiken durch ein einziges Schadenereignis betroffen sein können“, erklärt der Diplom-Mathematiker. Er hat eine Weiterbildung zum Aktuar, also zum Fachmann für Risikoabschätzung, absolviert und dabei gelernt, wie man mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen, Statistik und Finanzmathematik Versicherungsrisiken analysiert.

Mit diesem Wissen errechnet ein Aktuar Ver-sicherungsprämien und Deckungsrückstellungen. Ein klassisches Kumul-Ereignis war der Hagelsturm am 12. Juli 1984. Er führte zu großen Schäden, vor allem an Autos. Schweitzer berechnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit solche Ereignisse wieder passieren könnten und welche Kosten sie für die Allianz nach sich ziehen könnten.

Um die Versicherungsrisiken möglichst exakt zu analysieren, arbeitet Schweitzer mit 15 weiteren Fachleuten zusammen – Meteorologen, Seismologen, Geologen, Ingenieuren und anderen. Das Team wertet eine Vielzahl von Informationsquellen wie Wetterstationen, Seismografen oder Daten aus Versicherungspolicen aus, die etwa Aufschluss über die Bauart eines Hauses geben. Bei einem Starkregen werden dann vom umgeknickten Baum über den vollgelaufenen Keller bis hin zu verseuchtem Trinkwasser alle Schadensinformationen aufgenommen. Diese Datensätze fließen schließlich in Modelle ein, die mithilfe von komplexen Algorithmen Schadenszenarien berechnen sollen.

Die Ergebnisse fließen in Risikolandkarten ein, mit deren Hilfe die Prämien für neue Versicherungspolicen errechnet werden. Liegt der Standort eines neuen Kunden etwa in einem Erdbebengebiet oder droht ein erhöhtes Risiko für Unwetterschäden, wird die Police entsprechend teurer. Joseph Scheppach

ARBEITSPLATZ

Die Grenzen lösen sich auf

Quelle: IZA/XING-Studie „Arbeiten in Deutschland“ (3. Welle, 2019), eigene Berechnungen

Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. An diese alte Weisheit hält sich nur noch ein Fünftel der Beschäftigten. Das geht aus einer Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IAZ) und der Business-Plattform Xing hervor. Für die meisten Arbeitnehmer ist es heute normal, sowohl während der Arbeit Privates zu erledigen als auch in der Freizeit zu arbeiten. Je nach Alter und Geschlecht ergeben sich aber Unterschiede. So arbeiten Männer öfter nach Dienstschluss als Frauen (66,6 Prozent gegenüber 60,3 Prozent) und beschäftigen sich öfter mit Privatem während der Arbeit (69,3 Prozent gegenüber 63,3 Prozent). Ebenso arbeiten Menschen unter 35 doppelt so viel in ihrer Freizeit wie ihre Kollegen über 45 und erledigen doppelt so viel Privates während der Arbeit. KARSTEN SCHÄFER

STUDIUM

Internationalisierung steigert den Erfolg

Studierende im Ausland profitieren als Nicht-Muttersprachler einerseits vom gemeinsamen Lernen mit Muttersprachlern, aber auch von größerer ethnischer Vielfalt. Das gilt besonders für Studierende mit schwächeren Leistungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IAZ). Die sprachliche Vielfalt fördert auch die Integration. Nicht-Muttersprachler einer gemischten Lerngruppe wählen häufiger die gleichen Kurse wie Muttersprachler statt mathematischer Angebote und entscheiden sich öfter dafür, ihren Aufenthalt im Gastland nach dem Studienabschluss noch zu verlängern. Für Muttersprachler ist der Gewinn zwar nicht ganz so groß, sie leiden aber auch nicht unter der geringeren sprachlichen Kompetenz ihrer Kommilitonen – selbst wenn mehr als die Hälfte der Gruppe keine Muttersprachler sind. KARSTEN SCHÄFER

Studiengänge

Die Digital-Engineering-Fakultät des Hasso-Plattner-Instituts und der Universität Potsdam bietet zum Wintersemester 2019/2020 den neuen Master-Studiengang Cyber-Security an. Der Studienschwerpunkt ist die Erforschung und Entwicklung neuer Sicherheitsstrategien, -methoden und -techniken für IT-Infrastrukturen. Der Studiengang orientiert sich an praktischen Problemen und vermittelt auch Soft Skills, die für die Leitung großer IT-Projekte nötig sind. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2019.

Link: bit.ly/2Idxoly

 

Die Universität Tübingen startet zum Wintersemester 2019/2020 den ersten universitären Master-Studiengang Machine Learning. Studierende können sich in verschiedenen Bereichen spezialisieren, etwa in Computer Vision, Bioinformatik, Neurowissenschaften, Medizininformatik, Kognitionswissenschaften, Linguistik oder Robotik. Bewerbungsschluss ist voraussichtlich der 30. April 2019.

Link: bit.ly/2UsKjGJ

 

Die FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Essen bietet zum Wintersemester 2019/2020 den neuen berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang Informatik an. Das Studium vermittelt neben Programmierkenntnissen einen Überblick über IT-Systemarchitekturen, Datenbanken und künstliche Intelligenz. Semesterbeginn ist im September. Die Studiengebühren betragen 15960 Euro.

Link: bit.ly/2Is3clL